Wüst vs. Kutschaty vor welcher Wahl zum Abgeordnetenhaus: TV-Zweikampf welcher leisen Töne – Landespolitik – Nachrichtensendung

Sach-Diskussion in uriger Atmosphäre

Die altehrwürdigen Gemäuer der “Alten Schlossfabrik” in Solingen sind eigentlich eine Location, wo ausgelassen gefeiert wird – zum Beispiel Hochzeiten. Ganz anders war die Atmosphäre am Donnerstag, denn beim TV-Duell ging es in einem ruhigen und konzentrierten Setting um die inhaltlichen Differenzen zwischen Amtsinhaber und Herausforderer. Das Ganze hatte stellenweise die Atmosphäre eines landespolitischen Kamingesprächs – dazu trug auch die warm ausgeleuchtete Fabrik bei.

Beide Politiker antworteten in einem meist sachlichen Tonfall, argumentierten fakten- und zahlenreich. Insbesondere Thomas Kutschaty agierte im Landtag als Oppositionsführer in den letzten Jahren öfter deutlich angriffslustiger, rhetorisch zugespitzter und gestisch ausladender. Aber hier hatten sich beide wohl vorgenommen, mit Sachlichkeit zu punkten. Immer wieder blieb so – trotz der inhaltlichen Differenzen, die durchaus bestehen – der Eindruck einer großen Einigkeit zurück.

Die kontrollierte Körpersprache

Stefan Verra, Experte für Körpersprache, sagte vor dem Duell im WDR-Livestream, die Kontrahenten müssten Themen nicht benennen, sondern emotionalisieren. Wüst und Kutschaty traten hingegen so auf, dass Verra hinterher meinte: “Sie haben es den Unentschlossenen nicht leicht gemacht.”

Als Experte hat er jedoch viele Details wahrgenommen, wie zum Beispiel, dass Wüst mit häufig eng verschlossenen Lippen “relativ steif und relativ kontrolliert” wirkte, während Kutschaty mit zeitweise hochgezogener Augenbraue und zugleich hängenden Augenlidern die Menschen nicht erreicht habe. Feinheiten für Feinschmecker.

Unterschiedliche Schwerpunkte

Ganz anders die Sachebene, hier wurden die Kernthemen der beiden Politiker deutlich: Der erst seit Oktober 2021 amtierende Ministerpräsident Wüst (damals trat er die Nachfolge von Armin Laschet an) versuchte, mit dem klassischen Unionsthema Innere Sicherheit zu punkten. Er sprach sich unter anderem für eine verstärkte Videoüberwachung von Kriminalitäts-Brennpunkten aus. NRW sei in der Regierungszeit von Schwarz-Gelb vor fünf Jahren sicherer geworden.

Der ehemalige NRW-Justizminister Kutschaty kritisierte, es fehlten trotz Versprechungen vielerorts Polizeikräfte. Er betonte vor allem das Soziale, warnte unter anderem vor Kürzungen bei Krankenhäusern. Er sprach sich für bezahlbare Mietwohnungen und staatlichen Wohnungsbau aus – ein zentrales Thema der SPD im Wahlkampf. In der Schulpolitik kritisierte er den Unterrichtsausfall.

Wahlversprechen beim Aufreger-Thema Schule

Die Schulpolitik galt 2017 als ein Hauptgrund für die Abwahl der damaligen rot-grünen Landesregierung. In diesem Wahlkampf steht regelmäßig Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) in der Kritik wegen ihres Corona-Krisenmanagements. SPD und CDU versprachen beide wesentliche Verbesserungen für die Schulen, falls sie die Wahl gewinnen sollten. Er würde die Angleichung der Eingangsbesoldung für alle Lehrer in den ersten 100 Tagen der neuen Legislaturperiode angehen, sagte Wüst.

Der Ministerpräsident räumte ein, dass dieses Versprechen in der laufenden Wahlperiode offen geblieben sei. Priorität habe die Aufstockung der Lehrerstellen gehabt. Er wolle auch in der neuen Wahlperiode 10.000 zusätzliche Lehrer einstellen – wie schon in der laufenden Amtszeit. Die SPD will ab dem Schuljahr 2023 die Eingangsbesoldung A 13 für alle einführen. Bisher werden in NRW Lehrkräfte an Grund-, Haupt-, Real- und Gesamtschulen schlechter bezahlt als Lehrer der gymnasialen Oberstufe.