Wissenschaftliches Publizieren: DFG kritisiert Publikationspraxis

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat am Mittwoch ein Positionspapier zum wissenschaftlichen Publizieren veröffentlicht, das sich auch der wissenschaftlichen Leistungsbewertung widmet. Sie wolle mit dem Papier wissenschaftsadäquate Rahmenbedingungen schaffen und zu nationalen wie internationalen Diskussionen um die Weiterentwicklung von Publikations- und Bewertungssystemen beitragen, wie die DFG mitteilte.

DFG hält bibliometrische Leistungsbewertung für problematisch

Das Publizieren von wissenschaftlichen Erkenntnissen ist eine zentrale Aufgabe der wissenschaftlichen Arbeit. Das Publikationswesen selbst steht laut DFG allerdings vor einer Reihe von Herausforderungen. Dazu gehörten ungünstige Marktstrukturen und Geschäftspraktiken des wissenschaftlichen Verlagswesens, die verbesserungswürdige Auffindbarkeit publizierter Wissenschaft, ebenso wie die nötige Entwicklung neuer Mechanismen zur Qualitätssicherung und -bewertung und die problematische Verbindung von Wissenschaftsfinanzierung mit einer Leistungsbewertung, die auf Veröffentlichungszahlen beruht.

Dabei könne besonders diese bibliometrische Wissenschaftsbewertung, also die beispielsweise auf der Anzahl der Zitationen beruhende Bewertung eines Forschenden, problematische Anreize setzen, etwa zu betrügerischem Publizieren oder einem Blick rein auf Zahlen statt Inhalten. Außerdem mache sie fälschlicherweise vergleichbar, was laut dem DFG-Papier nicht vergleichbar ist: etwa unterschiedliche Textformen, die nicht alle das gleiche Ausmaß an Reaktionen verursachen, oder die fachspezifisch unterschiedlich ausfallende Häufigkeit zu publizieren.  

“Die DFG setzt sich für ein offenes Publikationswesen und eine an Inhalten orientierte Bewertungskultur ein”, sagte DFG-Präsidentin Professorin Katja Becker. Mit dem Positionspapier wolle die DFG einen Kulturwandel anstoßen, insbesondere bei den Leitungsebenen von Forschungseinrichtungen und den maßgeblichen Geldgebern der Wissenschaft.

Vielfältige wissenschaftliche Tätigkeiten berücksichtigen

Wissenschaftsadäquat sei das Publizieren laut DFG-Papier dann, wenn es die freie Wahl von Publikationsform und -ort beinhaltet, ebenso wie die Sicherung der Verwertungs- und Nutzungsrechte durch die Publizierenden und den freien Zugang zur Veröffentlichung (Open Access). Je nach Zielgruppe könnten und müssten sich Format, Textform und Publikationsort unterscheiden. Dabei solle aber nicht der Status oder Impact des Publikationsortes die Auswahl bestimmen.

Die wissenschaftliche Leistungsbewertung dürfe sich nicht nur auf bibliometrische Kennzahlen konzentrieren, da sonst auch das Publikationswesen leide. Es müsse sich auf ein Spektrum an wissenschaftlichen Tätigkeiten stützen und etwa auch die Übernahme von Verantwortung und Koordinationsaufgaben berücksichtigen.

In dem Papier zeigt die DFG auch Handlungsfelder für die Leitungsebene der Wissenschaft ebenso wie die Geldgeber auf. Dabei schließt sich die DFG mit ein. Es gehe etwa darum, das Spektrum akzeptierter Publikationsformate zu verbreitern und bei der Wissenschaftsbewertung auf die Inhalte von Veröffentlichungen zu achten und nicht ihre Anzahl.

Das Papier unter dem Titel “Wissenschaftliches Publizieren als Grundlage und Gestaltungsfeld der Wissenschaftsbewertung: Herausforderungen und Handlungsfelder” wurde unter der Leitung der DFG-Vizepräsidentin Professorin Julika Griem von Mitgliedern des Präsidiums und des Senats der DFG aus allen vier Wissenschaftsbereichen, der Geschäftsstelle sowie im Austausch mit Expertinnen und Experten erarbeitet.