Wissenschaft verhilft Birke zu neuen Ehrenals Bauholz

Birke spielt als Bau- und Konstruktionsholz bisher nur eine untergeordnete Rolle – trotz guter Eignung, wie ein Forschungsprojekt zeigt.

Olsberg/Lemgo (gl) – Birken sind lästiges Unkraut und bestenfalls als Brennholz zu nutzen. Diese angestaubte „Weisheit“ früherer Waldbauerngenerationen hat vielerorts in Westfalen bis in die heutige Zeit Bestand. Aber: „Nur zum Heizen ist die Birke viel zu schade“, sagt die Holzwissenschaftlerin Dr. Stefanie Wieland.

Einsatz auch beim Hausbau

Sie ist Stellvertretende Leiterin des landeseigenen Zentrums für Wald und Holzwirtschaft und erforscht mit ihrem Team am Standort in Olsberg (Hochsauerlandkreis) die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Birkenholz – bis hin zum Hausbau. Das Forschungsprojekt stößt inzwischen weit über die Grenzen Westfalens hinaus auf Interesse.

Als Brennholz kommt die Birke stets groß heraus. Hier und da nutzen Tischler Birkenholz beim Möbelbau, und die Industrie setzt den Laubbaum mit seiner markanten weißen Rinde bei der Herstellung von Sperrholzplatten ein. Wenn es jedoch darum geht, aus der Birke hochwertiges Konstruktionsvollholz zu machen und damit Dachstühle und Träger für den Bau von Häusern und Hallen zu fertigen, dann ist die Region zwischen Rhein und Weser im Vergleich zu skandinavischen Ländern eher Entwicklungsland.

Elastitzität wird geprüft

Das will das Olsberger Team Holzwirtschaft mit seiner „systematischen Untersuchung von aus NRW stammender Birke“ ändern. Die Basis für das Projekt bildet ein Holzeinschlag in Arnsberg (Hochsauerlandkreis), Bottrop und Velen (Kreis Borken). Aus diesen Orten werden 263 Birkenstämme, alle etwa 27 Zentimeter dick, ins Sauerland transportiert, dort getrocknet und in einem Sägewerk in 42 Millimeter starke Bretter zerlegt. Als Brennholz viel zu schade: Die Eignung von Birke als Bau- und Konstruktionsholz wird derzeit im Zentrum für Wald und Holzwirtschaft in Olsberg (Hochsauerlandkreis) erforscht. Die Baumart gilt als schnell wachsendes und anspruchsloses Pioniergehölz.

Wieland und Forstassessorin Constanze Tenhaeff ziehen in der großen Halle des Zentrums Holz in Olsberg eines der sorgsam gekennzeichneten Bretter aus dem Stapel, um es anschließend einer Elastizitätsprüfung zu unterziehen. Dabei wird mit einem Klöppel das Holzstück angeschlagen und in Schwingung versetzt. Grindosonic, ein computergestütztes Messgerät aus der Impulserregungstechnik, analysiert die Schwingung. Die beiden Prüferinnen werden daraus Erkenntnisse zur Elastizität des Birkenholzes ableiten können.

Erste Erkenntnisse sind vielversprechend

Gleich nebenan untersucht ein Roboter die Biegefestigkeit von miteinander verleimten Birkenbrettern, weiter hinten in der Halle wird die Zugfestigkeit der Hölzer getestet. Bei der Auswertung der Messergebnisse leistet die Technische Hochschule OWL in Lemgo (Kreis Lippe) Hilfestellung. In der Testphase befindet sich im Olsberger Holzzentrum zudem ein 3-D-Drucker, in dem in der Zukunft aus Birkenholz Knotenpunkte für Dachkonstruktionen entstehen sollen.

Die ersten Erkenntnisse des Forschungsprojekts klingen vielversprechend. „Die Birke bietet Potenzial zur Anwendung in Bauprodukten“, erklärt Dr. Stefanie Wieland. Weil die Birke zwar nicht besonders hart, dafür aber zäh und elastisch ist, besitzt ihr Holz eine bessere Tragfähigkeit als mancher Nadelbaum. Ein Längsträger für den Hausbau müsse deshalb weniger dick ausfallen wie sein Gegenstück aus Fichte, sagt Wieland.

Zweifelnde Waldbauern überzeugen

Die gewonnenen theoretischen Erkenntnisse des Forschungsprojekts sollen schon in den nächsten Monaten mit augenfälligen Praxisbeispielen unterfüttert werden. Gemeinsam mit Studierenden des Fachbereichs Holzingenieurwesen der Fachhochschule Aachen arbeitet das Team um Wieland am Bau eines zweigeschossigen „Tiny House“ aus Birken-Brettschichtholz. Das Gebäude soll in der Ausstellung des Holzzentrums in Olsberg zum Einsatz kommen. In einem wild gewachsenen Birkenwäldchen südlich des Möhnesees (Kreis Soest) hat Dr. Bertram Leder, Leiter des landeseigenen Zentrums für Wald und Holzwirtschaft, gerade gewachsene Birken markiert, die künftig als wertvolles Bauholz dienen könnten.

„Die Lichtbaumart Birke, die lange ein waldbauliches Schattendasein führte, sollte in Zeiten der Klimakrise und des Waldumbaus unbedingt zu einem wichtigen Mitspieler in der Forstwirtschaft werden“, heißt es im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht des Landesbetriebs Wald und Holz NRW. Die Forschung in Olsberg soll zweifelnde Waldbauern im Land zwischen Rhein und Weser anregen, der Birke eine Chance zu geben.

Schnell wachsendes Gehölz

Der Laubbaum gilt als schnell wachsendes und anspruchsloses Pioniergehölz. Aus Millionen eigener Samen haben Birken riesige Kahlflächen, die der Orkan Kyrill 2007 hinterlassen hatte, binnen 14 Jahren kostenlos und ganz von allein wieder grün werden lassen.

Um solch einen wild entstandenen Birkenwald wirtschaftlich nutzen und mit dem einstigen „Unkraut früherer Waldbauerngenerationen“ lukrative Erträge erzielen zu können, sind zwar erhebliche Pflegemaßnahmen beim Aufwuchs der Bäume notwendig. Dann aber steht für Wieland und Forstassessorin Constanze Tenhaeff fest, „dass man mit der Birke viel machen kann und es auch in Westfalen einen größeren Markt für ihr Holz geben wird“.

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