Wissenschaft & Technologie: Vor Start zu ISS: Taikonaut gelöst, trotz Verschiebung

ESA Astronaut Matthias Maurer

Matthias Maurer, deutscher Astronaut, spricht bei einer Pressekonferenz im Europäischen Astronautenzentrum (EAC) der ESA vor seinem Start der Mission «cosmic kiss» zur Internationalen Raumstation ISS. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

(Foto: dpa)

Gemeinsam mit den Nasa-Kollegen Thomas Marshburn, Raja Chari und Kayla Barron soll Maurer mit einem „Crew Dragon” der privaten Raumfahrtfirma SpaceX von Elon Musk vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral abheben und zur Raumstation ISS fliegen. Erstmals nach drei Jahren würde damit wieder ein Deutscher ins All fliegen, zuletzt war 2018 Alexander Gerst auf der ISS. Maurer wäre der zwölfte Deutsche im All, der vierte auf der ISS – und der erste, der mit einem „Crew Dragon” dorthin geflogen ist.

Eigentlich war der Start für Sonntag geplant, aber rund 24 Stunden vor dem Start kündigte die US-Raumfahrtbehörde Nasa die Verschiebung auf Mittwoch an. Zwar herrschten in Cape Canaveral selbst „fantastische Konditionen”, wie Will Ulrich, zuständiger Wetter-Experte der Nasa, sagte. Der Weltraumbahnhof liegt direkt bei palmengesäumten Stränden in einem bei Touristen beliebten Gebiet. Der Ort Cape Canaveral wirbt mit dem Slogan „Sun, Space and Sea” – Sonne, Weltraum und Meer.

Ein „großes Sturm-System” im weiteren Verlauf der Flugstrecke über dem Atlantik, das für starke Winde sorgte, führte aber schließlich zur Verschiebung. Geplant ist der Start nun für kommenden Mittwoch um 1.10 Uhr Ortszeit. Das entspricht 6.10 Uhr Mitteleuropäischer Zeit – nachdem am Sonntag die Uhren von 3.00 Uhr auf 2.00 Uhr zurückgestellt wurden. Die Chancen für günstiges Wetter zum neuen Starttermin lagen laut Nasa zunächst bei 80 Prozent.

Die Verschiebung des Starts sei von der Crew um Maurer „sehr professionell” aufgenommen worden, sagte der Chef der Deutschen Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Walther Pelzer. Maurer selbst kommentierte per Twitter: „Genießen Sie Ihren Sonntagsschlaf und ein paar weitere Tage, um sich an den Wechsel von MESZ zu MEZ zu gewöhnen.” Er hoffe auf einen „Bilderbuch-Nachtstart”, hatte Maurer noch einige Stunden vor der Verschiebung bei einer Pressekonferenz gesagt.

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Die Zeit bis zum neuen Starttermin verbringe die Crew mit Routinearbeiten, erklärte Pelzer. „Sie haben Gelegenheit, einiges noch einmal im Detail durchzugehen. Und es ist Zeit für den Kontakt mit Familie und Freunden.” Derzeit sei nicht geplant, wegen der Verschiebung Experimente auf der ISS zu kürzen oder zu streichen. „Es kann sein, dass man Dinge komprimiert.”

Auf der ISS soll Maurer in rund 400 Kilometern Höhe etwa sechs Monate lang zahlreiche Experimente durchführen und auch einen Außeneinsatz absolvieren. „Bei zwischen 100 und 150 Experimenten, die wir dann durchführen, da ist schon eine gewisse Erwartungshaltung da”, sagte Maurer. „Ich werde mein Bestes geben, dass da auch wirklich dann die besten Ergebnisse rauskommen.” Mit 51 Jahren ist Maurer der älteste deutsche Raumfahrer bei einem Erstflug. Der Mann mit einem Doktortitel in Materialwissenschaft ließ nach seiner Bewerbung bei der europäischen Raumfahrtagentur Esa mehr als 8000 Kandidaten hinter sich und trainierte jahrelang für die Reise in die Schwerelosigkeit.

Auf der ISS wird Maurer auch den französischen Esa-Astronauten Thomas Pesquet treffen, der seit April dort ist. Im Anschluss an Maurer soll 2022 die italienische Esa-Astronautin Samantha Cristoforetti zur ISS fliegen – damit wären zum ersten Mal drei Esa-Astronauten nacheinander auf der Raumstation. Er habe auch ein Geschenk für Pesquet, deutete Maurer an. Die gemeinsame Zeit der beiden auf der ISS wird jedoch wohl nur kurz sein: Schon „früh im November” sollen Pesquet und seine Crew – die Nasa-Astronauten Shane Kimbrough und Megan McArthur sowie der japanische Astronaut Akihiko Hoshide – laut Nasa die ISS wieder verlassen.

Maurer bleibt unterdessen bis zum Start die Vorfreude. „Ich träume schon sehr lange davon, oben anzukommen und einfach den Blick auf unseren wunderschönen Planeten zu genießen”, sagte der Astronaut. „Das erste, was ich in einem freien Moment machen möchte, ist in unser Weltraumfenster zu schweben und dort eine komplette Runde um die Welt, das sind 90 Minuten, einfach nur in mich aufzusaugen und das einfach zu spüren, was es bedeutet, außerhalb unseres Planeten zu schweben und unseren Planeten da vor dem Schwarz des Universums hängen zu sehen.”

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