Wissenschaft in Lugdunum Batavorum hautnah erleben

Leiden. 
Egal ob Dinosaurierknochen aus dem Gestein befreit oder Maulwurfsnester untersucht werden. Im „Naturalis“ in Leiden wird Wissen vermittelt.

Bis wenigstens zum 14. Januar steht das öffentliche Leben in den Niederlanden zum Teil still, bis dahin gilt aufgrund der aktuellen pandemischen Lage ein strenger Lockdown. Für die Zeit danach, wenn auch die Museen im Lande wieder öffnen dürfen, lohnt es sich, das „Naturalis“ in Leiden vorzumerken. Denn 2021 wurde das Naturkundemuseum mit dem European Museum of the Year Award (EMYA) ausgezeichnet, der jährlich vom Europäische Museums Forum (EMF) vergeben wird.

Auch architektonisch ist das Museum ein Hingucker, die Fassade erinnert an die Struktur von Honigwaben. 

Foto: Marcel SRoka

Was macht das Naturalis so besonders? Die Besucherinnen und Besucher können hier Wissenschaft tatsächlich hautnah erleben. So kann den Forscherinnen und Forschern etwa über die Schulter geschaut werden, wenn sie mit Hammer und Meißel bewaffnet versuchen, Dinosaurierknochen aus dem Gestein zu befreien.

Die Überbleibsel der prähistorischen Erdbewohner werden später, nach der erfolgreichen Befreiung und Zuordnung, im Ausstellungsbereich zu sehen sein. Sollten zum kompletten Skelett, etwa eines Tyrannosaurus, Knochen fehlen, kommt moderne Technik zum Einsatz. Mit Hilfe eines 3D-Druckers werden „Ersatzteile“ hergestellt.

Nur weniger Meter von dieser zeitraubenden Aufgabe entfernt erklärt die US-amerikanische Konservatorin Becky Desjardins anhand von ausgestopften Ausstellungsstücken die hiesige Tierwelt – zum Teil werden die Tier live vor Publikum konserviert. „Warum sollte man so etwas in den Hinterzimmern verstecken?“, fragt der Biologe Auke Hiemstra, der als Wissenschaftler am Naturalis beschäftigt ist.

Schulklassen sind häufig zu Gast

Regelmäßig sind Schulklassen zu Gast, die im direkten Austausch mit den Expertinnen und Experten und ohne Berührungsängste faszinierende Einblicke erhalten können. Hiemstra selbst befasst sich gerade mit zwei zusammenhängenden Forschungsthemen. So untersucht er mit seinem Team Maulwurfsnester. „Maulwürfe sammeln sehr viel Material aus ihrer Umgebung ein. Wenn wir die Nester untersuchen, dann erhalten wir einen guten Einblick, wie es um die Gegend aus biologischer Sicht gestellt ist.“

Diesem Tyrannosaurus rex wurden künstliche Knochen verpasst. 

Foto: Marcel Sroka

In eine ähnliche Schlagrichtung geht die Betrachtung von Vogelnestern. Denn diese gefiederten Tierchen bedienen sich aller möglichen Materialien, um es sich mehr oder weniger gemütlich zu machen. Dabei werden auch menschliche Abfälle genutzt. „Und seit neuestem entdecken wird dort weggeworfene Coronamasken“, so Hiemstra.

Naturalis, Darwinweg 2, 2333 CR Leiden. Weitere Informationen gibt es online unter naturalis.nl/en. Die Reise (Unterkunft, Verpflegung) nach Leiden wurde ermöglicht vom Tourismusbüro „Leiden&Partners“ und seinen Partnern. Nähere Informationen zur Stadt gibt es online unter visitleiden.nl/de. Vor Ort können sich Besucherinnen und Besucher im Fremdenverkehrsbüro VVV am Stationsweg Tipps und Empfehlungen abholen.

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