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Interview. Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim über die Skepsis gegenüber AstraZeneca, Streitkultur in der Pandemie und unseren gemeinsamen Feind: Das Coronavirus.

Von Martina Marx | 05.50 Uhr, 14. März 2021


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Erreicht mit ihrer Wissenschafts-Aufklärung ein Millionen-Publikum: Mai Thi Nguyen-Kim © Thomas Duffe

 

“Virus, hast du denn nichts aus der Evolution gelernt? Da haben wir Menschen gezeigt, dass wir verdammt gut darin sind, uns in schwierigen Situationen anzupassen. Wir werden dir zeigen, dass du dir den falschen Wirt ausgesucht hast.” Dieses Zitat von Ihnen hat auch Bundeskanzlerin Angela Merkel im deutschen Bundestag verwendet. Haben wir es dem Virus gezeigt im letzten Jahr?
MAI THI NGUYEN-KIM:
Hätte, hätte, Fahrradkette. Im Nachhinein sind wir immer schlauer, oder? Ich habe schon im April in einem maiLab-Video gesagt, dass Corona gerade erst beginnt. Gefühlt sind wir nun, ein Jahr später, im letzten Stadium, aber dennoch ist den meisten klar, dass diese Pandemie noch länger dauern wird. Das Frustrierende ist aber: Der eigentliche Feind ist das Virus, wir alle sitzen im selben Boot und haben dasselbe Ziel. Aktuell streiten wir viel, etwa wieso Blumenhandlungen öffnen dürfen, aber andere Geschäfte nicht … die Gräben sind tief. Ich hoffe, wir vergessen im Endspurt nicht, dass wir einen gemeinsamen Gegner haben. Denn das wäre fatal.

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