Wissenschaft braucht Zukunftsperspektiven

Beim Gespräch des SPD-Bundestagskandidaten Felix Döring mit dem Personalrat der JLU wurde unter anderem deutlich, dass der hohe Anteil befristeter Stellen ein zentrales Problem sei.

V.l.: Die JLU-Personalratsmitglieder Hans Peter Jorde, Michael Wolf, Petra Becker und SPD-Bundestagskandidat Felix Döring.
(Foto: Johannes Deinzer)

GIESSEN – (red). Kürzlich traf sich der SPD-Bundestagskandidat Felix Döring mit dem Personalrat der Justus-Liebig-Universität zu einem Gespräch über die Arbeitsbedingungen an Universitäten. Als zentrales Problem wird besonders der hohe Anteil befristeter Stellen genannt. So seien im wissenschaftlichen Personal fast 90 Prozent der Stellen (abgesehen von Professuren) befristet, und auch im nicht-wissenschaftlichen Bereich noch immer circa 50 Prozent der Stellen.

„Das ist ein absolutes Unding“, so Döring. „Es gibt vermutlich in keinem anderen Bereich so viele Befristungen wie an Universitäten. Natürlich sind diese teilweise durch Qualifikationsphasen, etwa für die Promotion, notwendig. Ein Großteil resultiert aber daraus, dass Wissenschaft in Deutschland insgesamt immer mehr nur befristet finanziert wird. Die Universitäten können sich nicht auf eine solide Grundfinanzierung verlassen, sondern sind von Drittmittelanträgen abhängig, deren Einwerbung dann wieder mit zusätzlichen Landesmitteln belohnt wird – wer hat, dem wird gegeben werden. So finanziert man nicht die Bildung für die Zukunft, die Forschung, die wir dringend brauchen, die Lehre, die zahlreiche Menschen in ihren jeweiligen Disziplinen schult“, so Döring weiter. Es sei dringend notwendig, dass der Bund hier die Möglichkeit bekomme, auch dauerhaft finanziell zu unterstützen und den Universitäten somit mehr Eigenständigkeit und Planungssicherheit zurückzugeben. Der ständige Druck, immer mehr neue Mittel zu beantragen, binde zudem noch unnötig viele Ressourcen und halte von der eigentlichen wissenschaftlichen Arbeit ab. Außerdem sei der Nutzen davon, Universitäten in ein permanentes Konkurrenzverhältnis zu setzen, fraglich.

Auch weitere Probleme wurden in dem Gespräch angesprochen. So zeichne sich auch an der Universität ein Fachkräftemangel in immer mehr Bereichen ab. Besonders betroffen sei hier das Hochschulrechenzentrum, dessen zentrale Bedeutung gerade in den vergangenen Jahren mit dem Hacker-Angriff und der digitalen Lehre im Rahmen der Corona-Pandemie deutlich geworden sei. Der Personalrat führt Probleme in den Stellenbesetzungen insbesondere auf die Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst allgemein zurück: „Unsere Löhne liegen weit unter denen in der Privatwirtschaft. Früher konnten wir im öffentlichen Dienst noch damit werben, dass unsere Stellen deutlich sicherer sind. Aber mit zunehmenden Befristungen stimmt auch das immer weniger, zudem wird aktuell überall nach IT-Spezialistinnen und Spezialisten gesucht, der Arbeitsplatz ist also auch außerhalb des öffentlichen Dienstes ziemlich sicher“, so Personalratsvorsitzende Petra Becker zu dem Problem. Betroffen seien aber auch andere Bereiche, zum Beispiel die Sekretariate, wo die angebotenen Teilzeitstellen häufig nur Löhne böten, von denen man kaum leben, geschweige denn eine auskömmliche Rente finanzieren könne.

„Eigentlich heißt es immer, dass der Staat Vorbild sein muss bei den Arbeitsbedingungen. Wenn ich mir die Situation hier aber anschaue, haben wir selbst richtig viel nachzuholen. Wir müssen Befristungen reduzieren, die Arbeitsplätze damit auch wieder verlässlicher machen und bei den Löhnen auch selbst darauf achten, Stellen angemessen zuzuschneiden. Schon heute wird klar, dass das alles nur funktioniert, weil die Leute 120 Prozent geben. Ich glaube, dass viele das gerne machen. Ich erwarte aber auch, dass man ihnen dann auch angemessene Arbeitsbedingungen bietet, angemessene Löhne zahlt und ihr Engagement auch damit sichtbar wertschätzt. Ich möchte mich im Bundestag dafür einsetzen, dass über Konzepte für eine nachhaltigere Finanzierung, auch mit Unterstützung des Bundes, nachgedacht wird“, so Döring abschließend.