Wirtschaftsboom hält an: «Rachekonsum» stärkt die Dienstleistungsbranchen

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    Das Virus bestimmt auch 2022 mit, wie gut die Wirtschaft brummt.

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    Martin Neff (61), Chefökonom von Raiffeisen, warnt denn auch vor weiteren Dämpfern für die Wirtschaft. Seine vorsichtige Prognose: 2,5 Prozent BIP-Wachstum in der Schweiz. Das wäre auch für die Schweizer Wirtschaft ein Dämpfer.

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    Davon profitierten viele Dienstleistungsbranchen, wie zum Beispiel Gastronomie und Tourismus.

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    Der starke Schweizer Franken: 2022 weniger ein Problem, er hilft sogar dabei, die Teuerung im Zaum zu halten.

Der Blick in die Glaskugel der Wirtschaft war auch schon einfacher. Zumal die Prognosen für das Jahr 2022 von einem grossen Wunsch vieler Menschen getrieben sind: Möge die Pandemie doch endlich vorüber sein. Doch die aktuelle Lage zeigt, dass sich die Omikron-Variante nicht an die Wunschvorstellungen hält.

«Es drohen wieder Lockdowns. Gerade in Deutschland ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Wirtschaft wieder deutlich heruntergefahren wird», sagt Martin Neff (61). Das wäre auch für die Schweizer Wirtschaft ein Dämpfer.

Impfung schützt auch die Wirtschaft

Der Chefökonom der Raiffeisen-Gruppe ist der vorsichtigste der von Blick befragten Ökonomen. Er warnt vor einer ganzen Reihe weiterer Risiken – wie etwa der Lage in der Ukraine, den Machtspielen von China oder auch der Gefahr steigender Zinsen in den USA. Trotzdem: Auch Neff rechnet mit einer weiteren kräftigen Erholung der Schweizer Wirtschaft. Diese soll gemäss Raiffeisen im kommenden Jahr um 2,5 Prozent wachsen.

Noch kräftiger fällt die Erholung für Caroline Hilb (44) aus. Die Leiterin Anlagestrategie bei der St. Galler Kantonalbank rechnet mit einem Wachstum von 2,8 Prozent. Die Wirtschaft brummt, trotz kurzfristigen Rückschlägen: «Der Durchbruch bei den Impfungen hat zu einer Entflechtung von Pandemiegeschehen und Wirtschaft geführt», sagt sie. Selbst die Lieferengpässe könnten die Wirtschaft nicht wirklich bremsen, glaubt Hilb. «Die Firmen stellen ihre Produkte so gut es irgendwie geht fertig, verzögern einfach etwas die Auslieferung.»

Jetzt profitieren die Dienstleister

Einmal mehr seien die Schweizer Firmen in der Lage sich anzupassen – an den starken Franken wie auch an die eingerosteten Lieferketten. Das sagt Daniel Kalt (52), Chefökonom Schweiz bei der Grossbank UBS. Er rechnet gar mit 2,9 Prozent Wachstum. Der Grund für den Optimismus: «Rachekonsum! Die Konsumenten werden sich nach den Omikron-Einschränkungen und dem auferlegten Zwangssparen am Virus rächen und umso mehr konsumieren.»

Profitieren würde ab dem zweiten Quartal 2022 die arg gebeutelten Dienstleister: «Wir rechnen jetzt mit einem Boom im Bereich Gastro, Tourismus, Kultur und Bildung. Denn dauerhafte Konsumgüter wie das neue Sofa oder die schicke Lounge für den aufgemöbelten Garten wurden bereits im letzten Jahr gekauft.»

Gute Nachrichten für Konsumenten

Was dabei hilft: Die dank Kurzarbeit und anderer Hilfsmassnahmen entspannte Lage auf dem Arbeitsmarkt. Kommt dazu: «Die Lohnsumme dürfte um etwa 1,5 Prozent ansteigen, die Teuerung bei rund einem Prozent liegen. Das sind gute Nachrichten für die Konsumenten», ergänzt Martin Neff. Unterm Strich bleibt also mehr Geld für den Konsum.

Eine prosperierende Wirtschaft im Jahr 2022 – daran glauben alle. Selbst der starke Franken ist im Moment mehr Segen denn Fluch: «Wir können uns deswegen auf dem Weltmarkt günstiger mit Gütern und Rohstoffen eindecken», sagt Caroline Hilb.

Ein Wehklagen der Exporteure wegen des starken Frankens ist im Moment nicht zu vernehmen: «Das könnte darauf hindeuten, dass die Firmen gute Möglichkeiten haben, die höheren Preise weiterzugeben», so Hilb. Das heisst: Schweizer Produkte sind auf dem Weltmarkt gefragt – um fast jeden Preis.