Wirtschaft leidet gigantisch: „Lockdown light“ kostet solange bis zu 50 Milliarden Euro

Noch immer liegt die Corona-Inzidenz in Deutschland bei mehr als 200. Mehr als 400 Menschen sterben derzeit täglich an den Folgen ihrer Covid-19-Infektion. Beide Zahlen werden in den kommenden Wochen nach allen Modellrechnungen steigen, wenn die Omikron-Variante auch hierzulande ihre ganze Macht entfaltet. Die Daten aus Nachbarländern – Frankreich verzeichnete zuletzt mehr als 200.000 Neuinfektionen pro Tag – sind dabei Warnung genug.

Um der neuen Welle zu begegnen, hat die Bundesregierung seit dem 28. Dezember das öffentliche Leben wieder eingeschränkt. Fußballspiele müssen wieder vor leeren Rängen stattfinden, bei anderen Veranstaltungen sind Zuschauer begrenzt, Bars und Diskotheken haben wieder geschlossen. Einzelhändler müssen flächendeckend Impfausweise kontrollieren, private Zusammenkünfte sind auf kleinere Kreise beschränkt.

Lockdown kostet rund fünf Prozent Wirtschaftskraft

Das wird der deutschen Wirtschaft schaden. Die reinen Auswirkungen des „Lockdown light“ sind dabei laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft nicht so hoch wie gedacht. Sie schätzen, dass die Schließungen zwischen 5 und 15 Milliarden Euro an Wertschöpfung kosten werden. Die Zahl liegt auch deswegen niedrig, weil entgangene Umsätze aus dem Einzelhandel meist in den Online-Handel übergehen. Sie sind also nicht verloren.

Insgesamt wird sich die corona-bedingte Lücke in der Wertschöpfung aber im ersten Quartal 2022, also bis Ende März, weiter ausweiten. Selbst ohne eine Omikron-Welle schätzt, dass IW die Schäden auf 35 Milliarden Euro. Insgesamt wird das Bruttoinlandsprodukt also um 40 bis 50 Milliarden Euro geringer ausfallen als es das in normalen Zeiten getan hätte. Das sind bei einem sonst zu erwartenden BIP von rund 900 Milliarden Euro im ersten Quartal immerhin rund fünf Prozent.

 

Die Schätzung liegt in dem Bereich dessen, was auch andere Institute erwarten. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung hatte bereits im September die Kosten für einen Teil-Lockdown auf rund 52 Milliarden Euro beziffert.

Damit erhöht sich der gesamte Wertschöpfungsverlust durch die Corona-Pandemie auf bis zu 385 Milliarden Euro. Bisher registrierte das IW für 2020 einen Verlust von 190 Milliarden Euro und für 2021 von 145 Milliarden Euro. Insgesamt dürfte er trotz Omikron-Welle 2022 aber geringer ausfallen als in den Vorjahren.

Wirtschaft und Forscher plädieren für Impfflicht

Um die Lücke nicht zu groß werden zu lassen, wirbt das Institut daher für eine gesetzliche Impfflicht. „Langfristig wird nur eine hohe Impfquote den Weg in die Normalität ermöglichen“, sagt IW-Geschäftsführer Hubertus Bardt, „Eine allgemeine Impfpflicht würde diesen Prozess beschleunigen und für eine Entlastung in den Krankenhäusern sorgen.“

Damit liegt der Institutschef auf einer Linie mit vielen Unternehmen in Deutschland. Schon im Sommer sprachen sich 54 Prozent der mittelständischen Unternehmen für eine Impfflicht aus. „Seit unserer Umfrage ist der Anteil der Unternehmerinnen und Unternehmer stark gewachsen“, sagt Markus Jerger, Geschäftsführer des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, gegenüber der Tagesschau.

Für die Omikron-Welle käme eine solche Pflicht aber zu spät. In seinen bisherigen Berechnungen geht das IW davon aus, dass die bisherigen Maßnahmen ausreichen, um die neue Variante zu bekämpfen. Experten bezweifeln das. Sie rechnen für Ende Januar mit mehr als 700.000 Neuinfektionen am Tag. Selbst, wenn davon ein geringerer Anteil als bei früheren Varianten im Krankenhaus landet, dürfte es viele Intensivstationen erneut überlasten.

Gut möglich also, dass der Lockdown in den kommenden Wochen noch einmal verschärft wird und zum Beispiel auch Restaurants, Hotels und manche Einzelhändler schließen müssen. Dann würde auch der Schaden fürs BIP stärker anwachsen.

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