Wirtschaft in Penzberg – Schluss mit Schießl – Badeanstalt Tölz-Wolfratshausen

Hier haben schon ganze Generationen ihre Schuhe gekauft: Seit 110 Jahren gibt es das Schuhhaus Schießl in Penzberg. Seine Eröffnung feierte das Geschäft noch unter der Ortsbezeichnung Sankt Johannisrain, ehe der Ortsteil und die Bergarbeiterkolonie 1911 in Penzberg umbenannt und acht Jahre später zur Stadt erhoben wurden. Über vier Generationen hinweg hat eine Familie die Geschicke des Schuhgeschäfts in der Bahnhofstraße geleitet. Nun aber muss der Laden schließen, derzeit findet ein Räumungsverkauf statt. Wieder ein inhabergeführtes Geschäft weniger in der Stadt.

Das Ende des Schuhhauses Schießl findet Monika Uhl, Vorsitzende des Vereins Pro Innenstadt Penzberg, sehr schade: “Die sind schließlich schon immer im Ort”. Mit dem Schuhhaus werde nicht nur das Sortiment der Penzberger Geschäftswelt verkleinert, es gehe eine Ära zu Ende. Für die Penzberger Wirtschaftsförderin Monique van Eijk verliert Penzberg mit Schießl außerdem einen wichtigen Frequenzbringer in der Innenstadt.

Zukünftig muss der Laden in bester Innenstadtlage also neu besetzt werden, noch ist der Stadt allerdings kein Nachfolger bekannt. Das Besondere an dem Standort ist laut Uhl, dass er mit der Bahnhofstraße und der Friedrich-Ebert-Straße zwei wichtige Geschäftsstraßen verbinde. So komme dem Standort eine Schlüsselaufgabe zu. Uhl wünscht sich für die Nachbesetzung vor allem zwei Dinge: Einen Laden, der zu den üblichen Geschäftszeiten geöffnet ist und mit seinem Sortiment möglichst eine Nische abdeckt. Fahrschulen und Immobilienmakler seien zwar auch willkommen, viel besser würde sich aber beispielsweise ein Unverpackt-Laden eignen, also ein Lebensmittelgeschäft, dessen Waren ohne Verpackungen gekauft und in eigenen Behältern mitgenommen werden. Um die Ansiedelung eines solchen Ladens in Penzberg ist van Eijk derzeit bemüht. Die Wirtschaftsförderin hofft auf eine schnelle Nachbesetzung des Schießl-Standorts. Wichtig sei ihr insbesondere der Erhalt einer Innenstadt, “wo man spontan Waren bekommt und mit anderen Leuten in Kontakt kommt”. Van Eijk muss jedoch zugeben, dass die Nachbesetzung problematisch werden könnte. Speziell die Online-Präsenz sei für viele Einzelhändler eine Herausforderung, sagt die Wirtschaftsförderin. Da sich viele Kunden vor dem lokalen Einkauf online informieren würden, sei es für Einzelhändler essenziell, auf Suchmaschinen wie Google sichtbar zu sein und Online-Rezensionen zu beantworten. Die parallele Betreuung von Social-Media-Kanälen werde für viele Einzelhändler zum Problem, weiß auch Uhl: “Inzwischen ist das noch mal ein einzelner Studiengang”. Zudem würde gerade Jüngeren das Interesse zur Geschäftsübernahme fehlen und es herrsche akuter Fachkräftemangel, sagt die Vorsitzende des Innenstadtvereins. Ferner hätten äußere Faktoren wie die Konkurrenz des Internethandels und Corona-Einschränkungen selbständige Einzelhändler in jüngster Zeit herausgefordert. Zwar sei die Penzberger Innenstadt mit einem attraktiven Sortiment momentan vergleichsweise gut aufgestellt – der ehemalige Purzmurzl-Laden ist aktuell der einzig leer stehende Verkaufsraum der Innenstadt. Nichtsdestoweniger müsse man aufpassen: “Das ist nur eine Momentaufnahme”.

Um dem Einzelhandel in Penzberg auch in Zukunft eine Chance zu geben, setzt Wirtschaftsförderin van Eijk auf Vernetzung. “Denn wir sitzen alle in einem Boot” schließt die Pro-Innenstadt-Vorsitzende Uhl.