Wie ein Nagelsberger Chor um neue Sänger kämpft

Im Jubiläumsjahr 2007 gab es noch genug Sänger, um einen Männerchor und einen gemischten Chor zu stellen.
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“Wir mussten einen Weg finden, um den Chor am Leben zu halten.“ Diese Aussage kommt von Gerolf Fünfer. Und betrifft den Chor, den Fünfers Großvater im Jahr 1907 mitgegründet hat: den Liederkranz Nagelsberg. Dieser stand kurz vor dem Aus. Doch Fünfer wollte und konnte das nicht akzeptieren. Und so suchte der erste Vorstand nach neuen Wegen. Die Idee: durch eine Namensänderung mehr Menschen ansprechen, nicht nur Nagelsberger. Der Rest der Sänger und Sängerinnen trug diese Entscheidung mit. Und so nennt sich der Liederkranz seit 2020 Chorgemeinschaft Hohenloher Land.

Zeiten des regen Vereinslebens sind vorbei 

Von seinen Hochzeiten ist der Nagelsberger Chor weit entfernt. Zu seinen besten Zeiten hatte der Liederkranz um die 50 aktiven Sänger, es gab einen Männerchor und einen gemischten Chor sowie ein reges Vereinsleben. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Heute besteht der Chor noch aus 15 Mitgliedern, mit einem Altersschnitt von 72 Jahren.

Im Jahr 1957 war der Liederkranz Nagelsberg weit davon entfernt, sich umzubenennen.
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Während Corona gab es keine Singstunden, zudem verabschiedete sich die Chorleitung aus beruflichen Gründen. Keine guten Voraussetzungen. Zwar sind die Mitglieder treu, betont Fünfer – einige der Frauen sind seit 40 Jahren mit dabei, also seit es den gemischten Chor gibt – aber es fehlt an Nachwuchs. Und dem fallen nicht nur die Chorstimmen zum Opfer, auch das Vereinsleben leidet. War der Chor früher aktiv bei diversen Festen, war dies irgendwann nicht mehr möglich, erzählt Fünfer. Egal ob Essens- oder Getränkeverkauf – die wichtigsten Einnahmequellen des Vereins –, irgendwann fand sich niemand mehr, der aushelfen wollte oder konnte.

Doch was nicht ist, kann wieder werden, glauben Gerolf Fünfer und seine Ehefrau Josefine. In dem neuen Namen sehen die beiden neue Chancen. „Wir mussten das einfach versuchen“, sagt der 70-Jährige. Ein wenig traurig ist er zwar über den Wechsel des traditionsreichen Namens. „Aber die Alternative wäre gewesen, den Verein aufzulösen, so wie es mit vielen passiert. Da bringen dann Traditionen auch nichts mehr. Und der Ursprung ist deswegen ja noch lange nicht vergessen“, ist sich Fünfer sicher.

Eine Vereinsnamensänderung ist viel Arbeit

Die Namensänderung war mit viel Arbeit verbunden. Einen neue Satzung verfassen, den Verein abstimmen lassen, dann zum Notar, denn der Verein ist gemeinnützig, das musste bestätigt werden, im Anschluss nach Stuttgart, um die Eintragung im Vereinsregister zu ändern. „Zum Glück war das alles ganz kurz bevor Corona los ging erledigt“, erzählt Gerolf Fünfer. „Da hatten wir nochmal Glück.“ Doch danach fiel das Singen erstmal aus.

Nun, da das Vereinsleben langsam wieder los gehen kann, hat der Chor das Ziel genau vor Augen: den Bekanntheitsgrad zu steigern, und, durch den größeren geografischen Bezug, ein größeres Einzugsgebiet für neue Sänger und Sängerinnen zu bieten, vor allem jüngere sollen angesprochen werden. „Wir wollen niemandem Sänger wegnehmen“, stellt Josefine Fünfer klar. „Aber jeder, der Donnerstagabends Zeit hat und vielleicht noch einen ergänzenden Chor braucht oder was ganz Neues probieren möchte, der ist herzlich willkommen.“

Die Chorgemeinschaft Hohenloher Land

Auch wenn sie derzeit nicht so viele Sänger sind wie früher: Aufgeben will den Chor hier niemand.
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Vieles ist neu im Nagelsberger Chor

Passend zum neuen Namen ist auch das Gebäude neu, in dem der Chor singt. Denn das Nagelsberger Gemeinschaftshaus erstrahlt frisch renoviert. Und auch eine neue Chorleitung ist inzwischen gefunden. Mitte Oktober hat Elvira Kugler, Musiklehrerin aus Cappel, die Leitung des Chores übernommen. Wichtig ist es den Fünfers zu betonen, dass jeder mitentscheiden darf bei der Neuausrichtung. „Alle sind uns herzlich Willkommen. Unser Verein kann auch für neu zugezogene Bürger eine mögliche Integrationshilfe sein“, so Gerolf Fünfer. Die ersten zwei neuen Sängerinnen hat der Verein schon gefunden, nun hoffen sie auf noch mehr motivierte Menschen, die Teil des Chores werden möchten. Denn nur so kann die 115-jährige Tradition weiter leben – wenn auch unter neuem Namen. 

Chorgemeinschaft Hohenloher Land
Jeder, der Lust am gemeinsamen Singen hat, ist bei der Chorgemeinschaft Hohenloher Land willkommen. Geprobt wird jeden zweiten Donnerstag. Notenkenntnisse sind keine Voraussetzung, ein Vorsingen gibt es nicht. Das Repertoire reicht von Popmusik über Evergreens bis Musical. „Jeder kann bei uns mitentscheiden – auch, was gesungen wird“, stellt Gerolf Fünfer klar. „Es soll einfach Spaß machen.“ Weitere Infos unter chor-hohenloher-land@gmx.de oder Telefon 07940/55551.