Wenn schon eine öffentliche Toilette in welcher Aussegnungshalle ist ein Top-Themenkreis – Nachrichtensendung aus Immenstadt

Andere Bürger wollen, dass der Hochwasserschutz in Oerjoch vorangeht und das Flüchtlingsheim umgenutzt wird. Warum ein Besucher ungeduldig wurde.

Silvia Reich-Recla

29.10.2021 | Stand: 17:00 Uhr

Nach fast zwei Stunden Rückblick auf die Jahre 2020 und 2021 platzte es aus einem Besucher der Bürgerversammlung in Bad Hindelang heraus: „Das zieht sich ganz schön hin und nervt a bissle. Viele Leute wollen doch was sagen, dazu ist doch eine Bürgerversammlung da.“ Eric Enders, Zweiter Bürgermeister (CSU), der gerade über die Sanierung der Klettersteige in der Gemeinde berichtete, reagierte souverän. „Wir geben Gas.“ Eine Viertelstunde später kamen tatsächlich die Besucher zu Wort.

Von Ruhestörung nachts war die Rede

Die Flüchtlingsunterkunft brennt manchem Anlieger unter den Nägeln. Bürgermeisterin Dr. Sabine Rödel zitierte aus einem Brief zweier Nachbarn. Von Ruhestörung nachts war die Rede, vom Müll auf dem Grundstück des ehemaligen Hotels Adler-Post. Von der Polizei habe die Bürgermeisterin die Auskunft bekommen, das sei kein Einsatzschwerpunkt“. Es gebe aber „Kontrollfahrten“. Das sei nach Gesprächen mit Anwohnern, Polizei und der Bürgermeisterin 2019 vereinbart worden. Das Gebäude gehöre dem Sozial-Wirtschaftswerk Sonthofen, „das Landratsamt ist für die Belegung zuständig“. Das Problem sei, wie anderswo auch: Anerkannte Flüchtlinge müssen bleiben, weil sie keine Wohnung bekommen auf einem leer gefegten Mietwohnungsmarkt. Zwei Jahre, so mutmaßt Rödel, werde das ehemalige Hotel als Unterkunft für Geflüchtete weiter herhalten müssen. „Da werden wir nichts ändern können.“ Auf lange Sicht plane die Gemeinde aber mit diesem Gebäude nahe der Ortsmitte von Bad Hindelang.

Eine öffentliche Toilette in der Aussegnungshalle

Eine vorgesehene öffentliche Toilette in der Aussegnungshalle stieß auf Kritik. Nicht wegen der Sache ans sich. Ein WC wird dringend von manchem Friedhofsbesucher gewünscht, wurde in der Versammlung im Kurhaus deutlich. Eine Besucherin sagte, es gebe schon seit einigen Jahren eine Planung von Hindelanger Bürgern, das WC außen anzubauen. Ob das im denkmalgeschützten Gebäude aber überhaupt möglich wäre, blieb offen. Die Hindelangerin wünscht sich auch „eine würdige Aussegnungshalle“. Rödel wies auf nur sechs Nutzungen im Jahr 2020 hin. Eine barrierefreie Rampe soll neben dem öffentlichen WC zunächst eingebaut werden. Das Thema Aussegnungshalle, so Rödel, soll im Gemeinderat nochmals diskutiert werden.

Ein Mann aus dem Ortsteil Oberjoch fragte nach dem Hochwasserschutz dort und erinnerte ans Ahrtal, an die vielen Toten dort nach der Flut, die Häuser mit sich riss. Laut Wasserwirtschaftsamt, das seit Jahren dort immer wieder neue Planungen vorschlage, seien Bürger nicht gefährdet, aber ihr Besitz, sagte Rödel. Die Grundstückseigentümer müssten den Maßnahmen zum Hochwasserschutz zustimmen, „ansonsten können wir nichts machen“.

Alpensalamander umgesiedelt

Rödels Stellvertreter Enders hatt zuvor vom 3,5-Millionen-Euro- Hochwasserschutzprojekt in Vorderhindelang gesprochen. Im Vorfeld des Baus seien „100 Alpensalamander aufgesammelt und umgesiedelt worden“. Tom Karg (FW Bad Oberdorf) der als dritter Bürgermeister ebenfalls auf 2020 und 2021 mit zurückblickte sagte unter anderem, die alte Säge am gleichnamigen Parkplatz, der den Rechtlern gehöre, sei abgerissen worden. Im Frühjahr werde der Parkplatz gestaltet.

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