Wenn Schlager und Adventslieder die Streicheln erwärmen

Der Besuch von Leierkastenmann Anton Dostal in der weihnachtlich geschmückten Niddaer Altstadt ist ein voller Erfolg. »Was für eine tolle Idee«, findet das Publikum.

Kinder werfen ein paar Münzen in die Spendendose und erhalten dafür eine Handvoll Süßigkeiten von dem freundlichen Mann an der Drehorgel. Ein älterer Herr beginnt spontan und auf offener Straße, das Adventslied »Tochter Zion« mitzusingen, einer Dame im Rollstuhl treten die Tränen in die Augen, als der Schlager »Cindy, oh Cindy« aus den 50er-Jahren erklingt.

»Musik baut auf und macht Mut«

Der Besuch von Leierkastenmann Anton Dostal aus Idstein in der weihnachtlich geschmückten Niddaer Altstadt war ein voller Erfolg. 60 Euro für die Jugendfeuerwehr hatte der rührige Künstler, der in seiner Heimatstadt Idstein im Taunus auch als Mundartdichter, Sänger und Vizechorleiter bekannt ist, am Ende in seiner Spendendose eingesammelt – dazu kamen jede Menge Zustimmung und Ermunterungen. »Was für eine tolle Idee vom Gewerbeverein Nidda, Sie einzuladen«, hieß es allgemein vom spontan zusammenkommenden Publikum. »Mit ihren stimmungsvollen Liedern erhöhen Sie noch die vorweihnachtliche Stimmung und die Einkaufslaune in unserer Stadt.«

Auch am kommenden Samstag, dem Vortag des vierten Advents, wird Anton Dostal, begleitet von seiner Ehefrau Karin, von 10 bis 16 Uhr vor Ort in Niddas Altstadt sein, der Kälte trotzen und die Herzen seiner Zuhörer mit Winter- und Weihnachtsliedern, Schlagern und Operettenmelodien erwärmen.

»Das ist in Zeiten der Pandemie, der Distanz und der Isolation noch einmal nötiger als in anderen Jahren«, sagt Anton Dostal im Gespräch. »Musik baut auf, macht Mut, hebt die Stimmung und nimmt zumindest ein wenig das Gefühl der Einsamkeit. Das ist sogar wissenschaftlich erwiesen und ich erlebe es ganz praktisch, wo immer ich auch auftrete. Alle Welt begegnet mir mit einem Lächeln – und das bleibt auch beim Weitergehen noch in den Gesichtern.«

Der im Taunus bis nach Frankfurt und Wiesbaden hin bekannte und beliebte hochgewachsene Mann, setzt in diesem Jahr auf kleine Veranstaltungen und Einsätze an wechselnden Standorten wie in Nidda. »Die großen Weihnachtsmärkte sind vielerorts ausgefallen – und mit der Wetterau verbindet mich mein Kindheitsaufenthalt am Internat Lucius in Echzell«, berichtet Dostal. »Von daher kenne und liebe ich die Gegend, ihre Dörfer und Städte, und bin der Einladung des Gewerbevereins Nidda sehr gerne gefolgt.«

Obwohl er in seinem Berufsleben »bis zur Pensionierung etwas komplett anderes« gemacht hat, ist der 71-Jährige als langjähriger Chorsänger und Vizedirigent in zwei Idsteiner Männerchören doch tief musikalisch geprägt. Singenderweise begleitet er gelegentlich selbst seinen Vortrag, hat mit »Handkäs‹ für Anfänger« ein eigenes Programm aus Liedern und selbstverfassten Mundartgedichten entwickelt, verschönt Hochzeiten, Geburtstage und andere private Feiern, Seniorennachmittage, Straßenfeste, Märkte und Verkaufsveranstaltungen.

500 Lieder hält seine rund 30 Kilogramm schwere Drehorgel auf Rädern parat, viele auf den traditionellen Lochbandrollen aus Papier, andere aber bereits digital gespeichert und auf Wunsch ansteuerbar.

Zusammenhalt in der Gilde

»Für dieses kleine Musikinstrument mit seinen großen Möglichkeiten investiert man etwa so viel wie für einen Kleinwagen«, sagt Anton Dostal und ergänzt, dass er den mit wundervollen Intarsien geschmückten und aus Dinkelsbühl stammenden Leierkasten von einem schwer erkrankten Kollegen übernommen habe, der das durchaus anstrengende Drehorgelspiel nicht mehr ausüben konnte und froh sei, dass sein Instrument nun einen neuen Besitzer gefunden habe und weiter klingen dürfe.

»Überhaupt ist der Zusammenhalt in der Gilde der Leierkastenleute groß«, sagt Anton Dostal, bevor er sich erneut in Richtung Niddaer Marktplatz in Bewegung setzt. »Ich freue mich schon, wenn wir uns endlich wieder treffen können, zum Beispiel beim großen Orgel- und Drehorgelfestival in Laubach. Irgendwann werden wir die Pandemie sicher überwunden haben – auch mithilfe der Musik.«