Wenn Katzen Wissenschaft zeugen – Vorarlberger News

Dornbirn, Innsbruck Sie sind geheimnisvoll, sie haben Persönlichkeit und im Internet sind sie seit langem ein Hit: Dass in fast jedem sechsten Haushalt in Österreich eine Katze lebt, ist also kein Wunder. Überraschend hingegen ist der Umstand, dass das Verhalten der Samtpfoten bisher nur wenig erforscht ist. Warum fallen viele Katzen zum Beispiel beim Kontakt mit Katzenminze in einen regelrechten Rauschzustand? Elias Hekh will dieser Frage auf den Grund gehen. „Der pflanzliche Duftstoff Nepetalacton löst das Verhalten aus. Häufig liest man, dass Katzenminze Sexualhormone imitiert, was mittlerweile aber widerlegt werden konnte“, erklärt der Dornbirner, der seine Masterarbeit an der Universität Innsbruck bei Zoologie-Institutsleiter Thorsten Schwerte verfasst.

Forschende gehen davon aus, dass der Effekt der Katzenminze als Belohnung für den Selbstschutz der Katzen gegen Insekten, etwa Moskitos, dient. „Beim Kontakt mit der Katzenminze laufen verschiedene Reaktionen im Gehirn der Katze ab, die aber nicht direkt von dem pflanzlichen Stoff ausgelöst werden, sondern indirekt über den Riecheindruck“, erläutert der 24-Jährige. Dadurch werden die Opioidrezeptoren im Gehirn der Katze simuliert. Auch Menschen besitzen diese Rezeptoren, die zum Beispiel beim Konsum von Drogen aktiviert werden. „Sollten Opioidrezeptoren an dem Effekt beteiligt sein, dann müssten Katzen bei gleichbleibender Dosis das Interesse an der Katzenminze verlieren und resistent werden“, führt Hekh aus. Untersucht werden soll auch, ob verschiedene Merkmale wie Geschlecht, Genetik oder Alter Einfluss haben.

Um aussagekräftige Daten zu erhalten, wird die Bevölkerung in das Forschungsprojekt einbezogen. Genauer gesagt: Die Samtpfoten selbst werden zu Akteuren der Wissenschaft. „Mein Professor hatte die Idee, die Masterarbeit als Citizen-Science-Projekt zu gestalten. Insgesamt 300 Katzenbesitzer und ihre Schmusetiger können mitwirken, 100 haben sich bereits angemeldet. Die Teilnehmer erhalten vom Institut für Zoologie ein Test-Kit mit Duftsäckchen. „Die Probanden präsentieren ihren Fellnasen an drei Tagen hintereinander die Katzenminze und schreiben auf, welches Verhalten sie beobachten. Dabei sollte die Katze gefilmt werden“, erklärt der Forscher den Test­ablauf. „Uns interessiert vor allem die Reaktion des Vierbeiners auf die Minze und ob sich das Verhalten während des Beobachtungszeitraums ändert.“ VN-MIH

Weitere Informationen für interessierte Katzenbesitzer unter short.uibk.ac.at/katzen-machen-wissenschaft.