Weltklimabericht: Es ist zeremoniell – wissenschaft.de

Rund acht Jahre ist es her, dass der Weltklimarat IPCC den Zustand unseres Klimas und seine Prognosen in einem Weltklimabericht zusammengefasst hat. Jetzt ist das Update da. Der aktuelle, sechste Sachstandsbericht bestätigt, dass die Menschheit das Erdklima bereits beispiellos verändert hat – und dass auch die Wetterextreme deutlich zunehmen. So eindeutig wie nie zuvor belegen die Daten zudem, dass der Mensch die Hautursache des Klimawandels ist und in welchem Maße die Treibhausgas-Emissionen die verschiedenen Klimafaktoren beeinflussen. Der Bericht unterstreicht zudem erneut, dass sich das Zeitfenster zum Handeln schnell schließt.

Die Sachstandberichte des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) sind nicht das Werk einzelner Regierungen, Forschungseinrichtungen oder Interessengruppen, sondern beruhen auf der Forschungsarbeit von tausenden Wissenschaftlern aus der ganzen Welt. Für die Weltklimaberichte werten mehrere hundert als Leitautoren benannte Klimaforscher zehntausende von Fachveröffentlichungen aus und fassen sie zu einer Bilanz des aktuellen Klimawissens zusammen. Der letzte, fünfte Sachstandsbericht des IPCC wurde im Jahr 2013/2014 veröffentlicht. Schon damals prognostizierte er eine deutliche Zunahme von Wetterextremen, weiter abtauende Gletscher und steigende Meeresspiegel, wenn die Emissionen von Treibhausgasen nicht drastisch und schnell reduziert werden. Seither ist im Klimaschutz kaum etwas passiert.

„Beispiellose Veränderungen des Klimas“

Jetzt hat der Weltklimarat IPCC den ersten Band seines sechsten Sachstandsberichts (AR6) veröffentlicht. Die in ihm zusammengefassten Daten beleuchten den Ist-Zustand des Erdklimas, um dann neue, präzisierte Prognosen für den weiteren Klimaverlauf zu präsentieren. So bestätigt der Bericht, dass die globale Erwärmung im Vergleich zu den präindustriellen Werten bei rund 1,1 Grad liegt. Landflächen haben sich dabei schon um 1,6 Grad erwärmt, während die Meere mit 0,99 Grad verzögert reagieren. „Das Ausmaß der jüngsten Veränderungen im gesamten Klimasystem und der gegenwärtige Zustand vieler Aspekte des Klimasystems sind seit vielen Jahrhunderten bis Jahrtausenden beispiellos“, so der IPCC-Bericht. „Die globale Oberflächentemperatur hat sich seit den 1970er Jahren schneller erhöht als in jeder anderen 50-Jahres-Periode der letzten 2000 Jahre.“ Der Meeresspiegel sei seit 1900 schneller angestiegen als in jedem früheren Jahrhundert der letzten 3000 Jahre.

Der neue Klimabericht bestätigt auch, dass die beobachteten Veränderungen des Erdklimas nicht allein durch natürliche Schwankungen erklärbar sind: Den aktuellen Daten zufolge hat natürliche Variabilität nur einen Anteil von rund 0,2 Grad an den Veränderungen, der Rest geht auf anthropogene Einflüsse zurück, so der IPCC. Dies wird unter anderem daran deutlich, dass die Klimamodelle die aktuellen Beobachtungen nicht nachvollziehen können, wenn nicht der anthropogene Einfluss mit einbezogen wird. Gestützt werden diese Aussagen von einer Präzisierung der Klimasensitivität – der Abhängigkeit der Erwärmung vom CO2-Gehalt der Atmosphäre. Im Bericht von 2013 lag die Spanne für den Erwärmungseffekt eines verdoppelten CO2-Gehalts noch bei 1,5 bis 4,5 Grad, inzwischen wurde die Spanne auf 2,5 bis vier Grad eingeengt. Damit ist inzwischen klarer abschätzbar, welche konkreten Folgen eine Erhöhung der Treibhausgaswerte auf das Klimasystem hat. „Zusätzliche 1000 Gigatonnen CO2 der kumulativen CO2-Emissionen verursachen einen Anstieg der globalen Oberflächentemperaturen um 0,27 bis 0,63 Grad, im Mittel von 0,45 Grad“, heißt es im Bericht.

Extremwetter und düstere Prognosen

Der aktuelle Weltklimabericht bestätigt auch, dass die Wetterextreme weltweit deutlich zugenommen haben. So sei es so gut wie sicher, dass Hitze-Extreme, darunter auch Hitzewellen seit den 1950er Jahren über den meisten Landflächen häufiger und intensiver geworden seien. Ähnliches gilt laut Bericht für Starkregen-Ereignisse. Stark erhöht hat sich auch die Häufigkeit der besonders verheerenden Kombinationen gleich mehrerer Wetterextreme, beispielsweise von Hitze und Dürre, von Wetterbedingungen, die starke Brände begünstigen oder Überflutungen. „Mit jedem zusätzlichen Quäntchen der globalen Erwärmung werden auch die Veränderungen in den Wetterextremen größer. Jedes halbe Grad mehr bewirkt eine spürbare Zunahme in der Häufigkeit und Intensität der Hitzewellen, des Starkregens sowie der Dürren in einigen Regionen“, berichten die Autoren. Schon bei einer Erwärmung von 1,5 Grad werde es zudem zu Extremereignissen kommen, die in der Beobachtungsgeschichte beispiellos seien.

Bei den Prognosen zeigt der sechste Weltklimabericht: Bis 2040 wird die Erwärmung in jedem Fall 1,5 Grad erreicht haben – egal, wie gut unsere Klimaschutzbemühungen greifen. Die Schwelle von zwei Grad Erwärmung würde im Verlauf dieses Jahrhunderts bei gemäßigtem und kaum vorhandenem Klimaschutz ebenfalls überschritten werden. Werden die Emissionen nicht kurzfristig drastisch gesenkt, könnte das Zwei-Grad-Ziel sogar schon 2050 gerissen werden. „Wenn es keine unmittelbaren, schnellen und großskaligen Reduktionen der Treibhausgas-Emissionen gibt, wird eine Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 oder zwei Grad unerreichbar sein“, so der IPCC. Der Bericht beziffert dabei auch das CO2-Budget, das der Menschheit noch bleibt, wenn die Klimaschutzziele eingehalten werden sollen. Demnach dürften die Menschheit nur noch 300 Gigatonnen CO2 freisetzen, wenn das 1,5-Grad-Ziel mit 83-prozentiger Wahrscheinlichkeit eingehalten werden soll. Für das Zwei-Grad-Ziel bleiben uns noch 900 Gigatonnen CO2.

„Dieser Bericht ist ein Realitäts-Check. Wir haben nun ein weit klareres Bild des vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Klimas“, konstatiert Valérie Masson-Delmotte, Co-Leiterin der für den Bericht federführenden Working Group I. „Das ist existenziell, um zu verstehen, wohin wir steuern, was getan werden kann und wie wir uns vorbereiten können.“

Quelle: Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), World Meteorological Organization (WMO)