Welcher VfB Stuttgart zwischen Wahrnehmung und Wissenschaft – Fussball

Köpfe und Trends zeigten nach der 1:4-Niederlage des VfB Stuttgart beim FC Augsburg ganz klar nach unten. Für Spielmacher Daniel Didavi eine Frage der Einstellung.

Wissenschaftlich gesehen ist die Erdanziehung in jedem Winkel des Augsburger Stadions gleich. Die hängenden Köpfe von Waldemar Anton, Borna Sosa, Fabian Bredlow und Co nach der 1:4-Niederlage beim FC Augsburg suggerierten jedoch, dass die Schwerkraft auf den VfB Stuttgart am Sonntagabend deutlich stärker wirkte, als auf die Spieler des FCA. Denn die tanzten zur gleichen Zeit augenscheinlich federleicht mit ihren Fans.

Es war eine gepfefferte Niederlage für den VfB Stuttgart – ausgerechnet gegen Augsburg, einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf. Die stehen mit nun neun Punkten auf dem Relegationsplatz. Stuttgart hat einen Zähler mehr. Die Schwaben wähnten sich schon weiter. “”Es ist klar, dass das nicht unser Anspruch ist, da zu stehen, wo wir jetzt sind”, sagte VfB-Keeper Fabian Bredlow im Interview mit SWR Sport.

Didavi hadert mit der Einstellung des VfB Stuttgart

Dabei wirkte es, als habe sich die Schwerkraft erst etwa 20 Minuten nach Anpfiff verlagert. Denn bis dahin lief alles nach Plan. Chris Führich hatte die Württemberger Schwaben in Führung geschossen (7.) und Stuttgart hatte die bayerischen Schwaben dominiert.

Danach hat der VfB Stuttgart “einfach, ohne Erklärung für mich, aufgehört” Fußball zu spielen, wie Daniel Didavi gefrustet ins ARD-Mikrofon schnaubte. “Bei allem Respekt an Augsburg, die haben ihr Ding gemacht, die haben gekämpft nach dem 1:1 und haben sich reingearbeitet. Aber es lag nicht an der Stärke von Augsburg, sondern weil wir einfach eingestellt haben, Fußball zu spielen. Also heute fand ich die Einstellung von uns nicht gut als Mannschaft.”

VfB Stuttgart mit vielen Verletzten, aber ohne Ausreden

Sicherlich, schon vor dem Anpfiff fehlten Trainer Pellegrino Matarazzo gegen Augsburg elf Spieler. Dann mussten auch noch Chris Führich (22.) und Marc Oliver Kempf (39.) verletzt ausgewechselt werden. Für Didavi jedoch keine Ausrede: “Die ganzen Verletzten. Natürlich gehören die dazu. Natürlich ist das Qualität, die gefehlt hat. Aber das lass ich gelten, wenn heute die Einstellung meiner Meinung nach zu 100 Prozent gewesen wäre und wir sagen können: Ok, es hat nicht ganz gereicht. Dann kannst du sagen: Qualität – viele Spieler fehlen.” Gegen Augsburg habe es jedoch nicht nur an der Qualität gefehlt, “und deswegen lasse ich das heute bei dem Spiel nicht gelten”.

Trainer Matarazzo erkannte immerhin an, dass mit Dinos Mavropanos (1,92 Meter) und später auch mit Kempf (1,86 Meter) zwei wichtige Stützen in der Abwehr weggebrochen waren, was zumindest die beiden Gegentreffer nach Standards begünstigte: “Es sind unsere zwei besten Kopfballspieler. Das hat man heute gemerkt, wenn man die Durchschnittsgröße sieht.”

Auch VfB-Keeper Fabian Bredlow ratlos

Auch für Torhüter Fabian Bredlow, der bei den Gegentoren zum 1:2 (53.) und zum 1:3 (72.) keine glückliche Figur machte, waren die Verletzten nicht der Grund für die Niederlage: “Bei uns genießen alle Spieler das Vertrauen. Wir haben genug Qualität und können das nicht als Ausrede benutzen.” Auch, wenn er mit der Einstellung seiner Mitspieler nicht so hart ins Gericht gehen wollte, wie Kollege Didavi: “Im Großen und Ganzen war der Wille da.”

Woran es stattdessen lag, wusste Bredlow aber auch nicht so recht: “Aber es hat dann einfach nicht gepasst. Und am Ende ist es scheiße gelaufen.” Nun hat der VfB Stuttgart fünf Tage Zeit, den Rückschlag zu verarbeiten und sich auf das nächste Keller-Duell vorzubereiten. “Jetzt heißt es gegen Bielefeld kämpfen und drei Punkte mitzunehmen”, meint Bredlow. Die Herausforderung für Trainer Trainer Matarazzo wird darin liegen, bis dahin wieder für die nötige Leichtigkeit zu sorgen – zumindest in der Wahrnehmung. Denn die Wissenschaft wird sich auch gegen Bielefeld nicht so leicht austricksen lassen.

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