Welcher Optimismus kehrt in die südbadische Wirtschaft zurück – Wirtschaft

“Es gibt keinen großen Knall”: Die IHK Südlicher Oberrhein rechnet nicht mit massenhaften Firmenzusammenbrüchen wegen Corona. Auch bei den Gastronomen wird die Stimmung besser.

Die südbadische Wirtschaft blickt deutlich optimistischer in die Zukunft als zu Jahresbeginn. Dies ist das Ergebnis der Frühsommer-Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein. Eine breite Insolvenzwelle erwartet die Kammer nicht. “Es gibt keinen großen Knall”, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Dieter Salomon.

Die gestiegene Zuversicht macht sich in der Einschätzung der gegenwärtigen Lage und den Geschäftserwartungen bemerkbar (siehe Grafik). Beide Werte legten zu und befinden sich wieder im positiven Bereich. Allerdings ist das Bild zweigeteilt: Industrie und industrienahe Dienstleistungen verzeichnen deutliche Auftragszuwächse, Einzelhandel und Gastrogewerbe darben noch. Aber die Situation für die Hotels und Gasthäuser hat sich angesichts der jüngst verkündeten Lockerungen verbessert.

“Wir haben wieder eine Perspektive.” Peter Erhardt

“Wir haben wieder eine Perspektive”, sagte Peter Erhardt, unter anderem Chef des Landgasthofs Adler in Breisach-Hochstetten und Vorsitzender des Tourismusausschusses der IHK. Er hofft, bei einer Verbesserung der Pandemielage im Dialog mit Politik und Verwaltung noch weitere Erleichterungen durchsetzen zu können. Lob gab es für die staatlichen Hilfen: “Ohne die Unterstützung wären viele von uns nicht mehr da”, sagte Erhardt.

Er rechnet jedoch damit, dass vor allem kleinere Gastrobetriebe die Corona-Krise nicht überstehen werden. Ein Hauptgrund dafür sei, dass insbesondere diese Unternehmen in Zeiten des Lockdowns und damit verbundener Kurzarbeit Arbeitskräfte verloren hätten, die sie jetzt nicht mehr wiederbekämen.

Um den Gaststättenbesuch zu erleichtern, möchten Kaiserstühler Wirte mehr Schnelltestzentren auf dem Land, die auch am Wochenende tätig sind. Eine entsprechende Initiative hat sich nach Angaben von Erhardt gebildet und Kontakt mit einem Testzentrumsbetreiber aufgenommen. 17 Zentren sollen so am Kaiserstuhl dazukommen. Ein von Fachkräften vorgenommener Test ist eine der Eintrittskarten für einen Aufenthalt in einer Gaststätte.

“Der Preis für eine Tonne Stahlblech hat sich innerhalb kurzer Zeit von 700 Euro auf 1500 Euro mehr als verdoppelt.” Steffen Auer

IHK-Präsident Steffen Auer wies bei seiner letzten IHK-Pressekonferenz – im Juli wird über seine Nachfolge bestimmt – auf die Gefahren für die konjunkturelle Entwicklung durch gestiegene Einkaufspreise hin. “Der Preis für eine Tonne Stahlblech hat sich innerhalb kurzer Zeit von 700 Euro auf 1500 Euro mehr als verdoppelt.” Das nage an den Gewinnmargen der metallverarbeitenden Unternehmen und dämpfe die Stimmung trotz der guten Auftragslage. Die Verantwortung für die Preissprünge liegt laut Auer auch bei der EU. Trotz wachsender Nachfrage in Europa halte sie an Importkontingenten für Stahl aus China fest. Dies verknappe das Angebot und treibe die Preise gewaltig. China ist mittlerweile mit Abstand der größte Stahlproduzent der Welt.

Die Importkontingente sollten eigentlich europäische Stahlproduzenten vor Billigkonkurrenz aus China schützen. Unter dem Strich ist IHK-Präsident Auer aber zuversichtlich: “Wegen der vielfältigen Wirtschaft kommt die Region gut durch die Krise.”

“Es gibt keinen großen Knall.” Dieter Salomon

Salomon rechnet nicht damit, dass Südbaden wegen der Corona-Pandemie von einer Vielzahl von Firmenzusammenbrüchen überzogen wird. Es werde Betriebe treffen, aber dies sei punktuell. Allerdings werde die Pandemie Spuren hinterlassen. So geht Salomon von einem nachlassenden Preis- und Mietdruck bei Büro- und Handelsflächen aus. Wegen der stärkeren Nutzung des Homeoffice und des wachsenden Onlinehandels werde es zu diesen Veränderungen kommen.

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