Walter Plathe mischt in seinen „Monsieur Pierre“ eine Portion „Ekel Alfred“

Die Komödie „Monsieur Pierre geht Online“ kennt man aus dem Kino. Nun feierte sie eine gelungene Aufführung in der Konzertaula Kamen. In dem Stück verkörpert Walter Plathe den alternden Pariser Pierre Stein, der sich seit dem Tod seiner Frau in seine vier Wände zurückgezogen hat.

Um ihn abzulenken, schenkt seine Tochter Sylvie dem liebenswürdigen Griesgram einen Laptop und engagiert Alex, den Freund ihrer Tochter Juliette, um Pierre den Umgang mit dem Gerät näher zu bringen. Alex, verkörpert von Bürger Lars Dietrich, gibt sich alle Mühe, doch Pierre verschließt sich gegen den „neuartigen Schnick-Schnack“.
Erst als er die Vorzüge des Online-Datings für sich entdeckt, entwickelt er ein reges Interesse am World Wide Web.

Dating-Seiten und „Fake-Profile“

Über eine Dating-Plattform bekommt er Kontakt zur 40 Jahre jüngeren Flora und merkt beim Chatten, dass er die junge Frau gerne näher kennen lernen möchte. Das Problem ist nur, dass Pierre bei seinem Dating-Profil geschummelt hat. Er hat ein Bild von Alex eingefügt und statt seines tatsächlichen Jahrgangs, 1945, 1989 als Geburtsjahr angegeben.

Getrieben von einer wieder aufkeimenden Unternehmungslust überredet Pierre Alex, gemeinsam nach Brüssel zu Flora zu fahren. Treffpunkt soll ein Café sein, indem sich auch Pierre aufhalten wird, um seine Internetbekanntschaft aus der Nähe zu erleben.

Bei dem Treffen treten die ersten Verwicklungen auf, da Pierre beim Chatten mit Flora angegeben hat, Sinologe, Chinaforscher, zu sein und fließend Mandarin zu sprechen. Zusätzlich kompliziert wird es, als Alex sich in die junge Frau verliebt und später mit ihr schläft.

Ein Hauch „Ekel“ Alfred

Es entbrennt ein Katz-und-Maus-Spiel, das in einem Besuch Floras in Paris und einem Showdown mit Sylvie und Juliette in Pierres Wohnung mündet.
Das Stück ist eine sympathische Generationenstudie, die trotz des traurigen Hintergrundes nie ihre Leichtigkeit verliert. Walter Plathe mischt in den französischen Verve seiner Figur ein wenig „Ekel“ Alfred“ aus der legendären TV-Serie „Ein Herz und eine Seele“ ein.

Bürger Lars Dietrich spielt den träumerischen Schriftsteller Alex überzeugend. Die Inszenierung kommt mit einem minimalistischen Bühnenbild aus, das durch die Digitalität des Stückes konterkariert wird. „Monsieur Pierre geht Online“ ist warmherzige Unterhaltung.

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