Videokonferenzdienst – Zoom wächst weiter, Aktie verliert trotzdem – Wirtschaft

Der Videokonferenzdienst Zoom hat im zweiten Quartal erstmals die Marke von einer Milliarde Dollar beim Umsatz geknackt: Die Erlöse des Unternehmens stiegen um 54 Prozent auf 1,02 Milliarden Dollar. Auch der Gewinn legte zu, und zwar auf knapp 317 Millionen Dollar nach etwa 186 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Nachdem die Corona-Pandemie den Wandel der Arbeitswelt kräftig beschleunigt und einen starken Trend zum Home-Office ausgelöst hat, kehren nun jedoch immer mehr Beschäftigte in die Büros zurück. Für Zoom bedeutet das weniger Wachstum – und einen pessimistischeren Geschäftsausblick für den Rest des Jahres, wie aus dem am Montagabend nach US-Börsenschluss veröffentlichten Quartalsbericht hervorgeht.

Am Aktienmarkt interessierten die eigentlich guten Zoom-Zahlen zunächst wenig. Der Fokus der Anleger lag auf dem langsameren Wachstum – für das laufende Quartal stellt Zoom ein Plus von 30 Prozent in Aussicht – und dem verhaltenen Geschäftsausblick. Beides kam am Markt nicht gut an: Die Zoom-Aktie geriet nachbörslich zeitweise bis zu zwölf Prozent ins Minus.

Zoom ist für viele Menschen im Home-Office zum Synonym für Videokonferenzen geworden, mit denen sich Mitarbeiter austauschen und Kundengespräche führen können oder sich Schüler mit Lehrern vernetzen. Mit den fortschreitenden Impfkampagnen kehren allerdings immer mehr Arbeitnehmer und Schüler in Büros und an Schulen zurück, weswegen Zoom zunehmend im umkämpften Firmenkunden-Markt aktiv ist. Dort wirbt die Firma allerdings neben Großkonzernen wie Cisco, Microsoft und Slack von Salesforce um Abonnenten – kein einfaches Umfeld. Zoom geht davon aus, dass der Kundenandrang in den kommenden Monaten weiter nachlassen wird. Anzeichen dafür, dass der Nutzerzuwachs durch eine Normalisierung der Arbeitswelt nach der Corona-Krise abflauen könnte, gab es teilweise bereits im jüngsten Quartal. So gewann Zoom zuletzt deutlich weniger lukrative Großkunden hinzu als angenommen.

Zoom bereitet sich allerdings schon etwas länger auf die Zeit nach der Corona-Pandemie vor, wenn die Bedeutung von Videokonferenzen im Arbeitsalltag wieder deutlich sinken dürfte. Um das Geschäft breiter aufzustellen, leistete sich das 2011 in San José gegründete Unternehmen – das zwischenzeitlich mit Sicherheitslücken etwa bei der Verschlüsselung oder dem sogenannten Zoombombing kämpfte – im Juli mit dem fast 15 Milliarden Dollar schweren Kauf des Call-Center-Spezialisten Five9 seine bisher größte Übernahme. Erst im Juni hatte Zoom zuvor auch in Deutschland zugeschlagen und die kleine auf Echtzeitlösungen für maschinelle Übersetzungen spezialisierte Firma Kites aus Karlsruhe gekauft.