Verzicht – Eine Möglichkeit zu Gunsten von den Schutz des Klimas – Ihre SZ

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Wer kann sich Klimaschutz leisten? Elektro-Autos werden oft auch als Dienstwagen abgerechnet.

(Foto: Jonas Walzberg/dpa)

Zu “Weniger ist mehr” vom 23./24. Oktober:

Verzicht macht frei

Ich wünschte, jeder hätte den Beitrag “Weniger ist mehr” gelesen und fühlte sich danach motiviert, Verzicht als Chance zu sehen, einen Beitrag zur Verbesserung seiner Lebensweise und der Umwelt zu leisten. Mozart hat das meiste Geld für Kerzen ausgegeben, insbesondere um an Konzertabenden für genügend Licht zu sorgen. Heute würde er über die hohen Strompreise klagen. Darum sollten wir nicht über Mozarts Kerzenverbrauch spotten, sondern unser eigenes Verhalten überdenken.

Wo kann ich einsparen und gleichzeitig einen finanziellen Vorteil daraus ziehen sowie eine höhere Lebensqualität gewinnen? Lift und Rolltreppe oder körperliche Bewegung? Stromfresser Wäschetrockner oder Trocknen an der frischen Luft? Stand-by- oder Energiesparmodus? Elektrisches Licht rund um die Uhr oder gesunder Biorhythmus? Kreuzfahrt oder Erkundung der Heimat per Rad? Chatten im Internet oder Plausch bei einem Glas Wein? An Beispielen ließen sich noch unzählige anführen. Es gilt nur, die Augen offen zu halten und jegliche Chance im täglichen Leben zu nutzen. Nicht “ich konsumiere, also bin ich” darf die Parole sein, sondern “komm, lass dich anstecken und werde frei!”

Christine Lanzinger, Mallersdorf-Pfaffenberg/Steinrain

Änderung des Kaufverhaltens

Die ewige Diskussion um das Ladensterben in den Innenstädten sollte beendet werden. Dieser Strukturwandel wird durch die Pandemie beschleunigt. Die bevorstehenden Erhöhungen der Energiepreise werden das Kaufverhalten wohl an sich reduzieren. Viele Innenstädte sind überwiegend mit Filialisten überhäuft und austauschbar. Es sind doch mehr oder weniger überall dieselben Geschäfte zu finden. Hohe Parkgebühren laden außerdem nicht zu einem Stadtbesuch ein. Darüber hinaus sind die Preise im Onlinehandel meist wesentlich günstiger als im stationären Handel. Die jüngere Generation legt auf Fachberatung und Einkaufsatmosphäre nur wenig Wert. Entscheidend ist der Preis, die übergroße Auswahl und der Einkauf rund um die Uhr.

Stefan Herb, Roding

Das Marshmallow-Experiment

Ihre Schilderung zum Thema “Verzicht” erinnert mich an das “Marshmallow-Experiment” von Walter Mischel Ende der 1960er-Jahre. Je mehr Geduld Kinder beim Warten auf ihnen angebotene Süßigkeiten – den namensgebenden Marshmallows – aufbrachten, desto mehr erhielten sie schließlich. Langfristiges Ergebnis der Studie: Die geduldigsten Kinder hatten später den größten beruflichen Erfolg. Vielleicht verhilft uns ein wenig Verzicht heute ja dazu, in Zukunft nicht so große Einschränkungen machen zu müssen. Das wäre doch ein großer Erfolg, oder? Damit läge, wie Sie mit Blick neben vielem auf Umwelt, Klima und persönliche Ansprüche schreiben, “im Verzicht auch die Chance auf ein besseres Leben”.

Reinhard Kniepkamp, Paderborn

Vom Staat erschwert

Wer mit dem Schlafwagen nach Italien reist, wer ohne viel Alkohol und mit wenig Fleisch lecker kocht, wer in einem gut isolierten Gebäude mit Solaranlage auf dem Dach mit wenig Energieverbrauch im Warmen sitzt, hat nicht das Gefühl, dass er aufs Autofahren oder Fliegen oder auf Fleisch und Alkohol “verzichtet”, und wer regelmäßig seine Wege mit dem Fahrrad zurücklegt, verursacht nicht nur keine Abgase, sondern lebt auch gesünder.

Das Problem ist aber, dass unser Staat genau dieses Verhalten erschwert, und es sieht nicht so aus, als ob die neue Bundesregierung daran viel ändern wird. Auch städtische Wohnanlagen werden weiter ohne Solaranlage und mit nur mäßiger Isolierung gebaut. In der Landwirtschaft werden hohe Subventionen für die Erzeugung von Fleisch und Alkohol gezahlt. Tui und Lufthansa haben erst kürzlich wieder Milliardenbeträge erhalten, während die Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel mit jedem Jahreswechsel deutliche Preiserhöhungen kriegen – unsere Nachbarländer Luxemburg und Österreich zeigen, dass es auch anders geht.

Wer ein neues Auto kauft, erhält Prämien vom Staat in Höhe von mehreren Tausend Euro, auch wenn das Auto nur teilweise elektrisch fährt – so steht es groß an vielen Plakatwänden. Wer einen Dienstwagen hat, bezahlt so gut wie gar nichts fürs Autofahren und auch nicht für den Treibstoff, das übernimmt bei vielen Besserverdienenden der Arbeitgeber, der das wiederum als Betriebskosten dem Steuerzahler aufbürdet. Was vielen nicht klar ist: Das ist auch dann zulässig, wenn der Arbeitnehmer das Auto dienstlich gar nicht braucht. Autofahren, Fliegen, Kreuzfahrten oder Fleischkonsum sollte nicht verboten werden, denn Deutschland ist ein freies Land. Wenn die Steuergelder aber nicht mehr verwendet werden, um klimaschädliches Verhalten zu verbilligen, geht es ganz von alleine zurück.

Wolfgang Wewer, Köln

Weniger Wachstum

Ich bin jetzt über 70 Jahre alt und manchmal kann ich es kaum fassen, welches Glück ich hatte, in dieser Zeit und an diesem Ort zu leben. Ohne Krieg, ohne Not, in Freiheit und mit unfassbar vielen Möglichkeiten. Ich wünsche mir so sehr, dass es den kommenden Generationen nicht schlechter geht! Ich habe gelesen, dass ein Ressourcenverbrauch, wie der von 1980, schon ein riesiger Fortschritt wäre. Heute würde man das wohl als “Verzicht” und “wenig Wohlstand” bezeichnen. Ein Thema, über das ich auch gerne mehr lesen würde, ist das “Wachstum”, das so viele Politiker so gerne zitieren: “Wir wollen 1,5 Grad, aber nicht um den Preis eines geringeren Wachstums!” Jeder sollte inzwischen wissen, dass wir auf einem begrenzten Planeten leben, auf dem ungebremstes Wachstum nur in die Katastrophe führen kann, und trotzdem wiederholt fast jeder diese Forderung.

Werner Zoller, München

Verschwenderisches Fliegen

Der Mann lebt im Kampf, Nord gegen Süd, Ost gegen West und gegen die Natur, “die göttliche Schöpfung”. Nach Lust und Laune herrschen und erobern, nach Freiheit steht ihm der Sinn. Verantwortung, Bescheidenheit, andere oder gar Fremdes schützen und nähren, liegt ihm nicht. Erst wenn er selbst, beziehungsweise seine Kinder, in größter Not sind, ist er zum Umdenken und Handeln bereit. So weit ist es noch nicht, denn Medien und Politik versprechen noch täglich: “Da geht noch was. Gönne es dir, solange man noch kann. Konsum ist toll!”

Selbst für mich als Pilot, der ich davon am meisten profitiere, ist es unzeitgemäß und höchst bedenklich, dass Flugbenzin befreit ist von aller Energie-, CO₂- und Mehrwertsteuer. Innerdeutsch fliegt Lufthansa also in unfairer Konkurrenz zu Auto, Bus und Bahn. Kerosin, dessen Verbrauch beinahe nichts kostet, wird von den Fluggesellschaften verschwenderisch genutzt, um woanders zu sparen. Selbst die Mehrwertsteuer wird den Passagieren auf Auslandsflügen geschenkt! Ohne Steuern fliegen wir nach New York und Dubai. Für die Autofahrt zum Flughafen hingegen müssen wir diese Steuern zahlen. Bis sich das ändert, hilft nur Druck auf Wirtschaft und Politik, auch durch freiwilligen Verzicht.

Politik und Medien sollten aber die Klimawirklichkeit und ihren Schaden für die Wirtschaft nicht länger abkoppeln von den täglich durch sie gesendeten Nachrichten und Reklamebotschaften. Denn jetzt müssen Anreize für die Investitionen geschaffen werden, die den zukünftigen Lebensstandard unserer Kinder sichern. Wie sehr diese Anreize fehlen, sieht man gerade an der Luftfahrt, denn die kommenden 15 Jahren kommt kein sparsameres Flugzeug auf den Markt. Dadurch wird sich nichts an deren Verbrauch ändern, und sie müssen in einigen Jahren vielleicht ganz am Boden bleiben.

Klaus Siersch, München

Ruhelose Nächte

Kurz zu den Schanigärten. Sie meinen bestimmt diese Fress- und Saufpaletten auf öffentlichem Grund. Ich wünsche Ihnen zwei, drei, viele Schanigärten in Ihrer unmittelbaren Wohnumgebung. Ihre Meinung zu solchem Blödsinn möchte ich nach zwei Jahren einholen. Ruhe werden Sie einfordern. Mehrmals. Erfolglos. Eventuell wünschen Sie sich sogar die Zeit zurück, als ein Auto vor Ihrem Fenster geparkt hat. Wenn Sie überhaupt noch dort wohnen.

Bernd Sima, Berlin

Spaßautos

Ein Widerspruch zum Thema “Tempolimit”, das sich in Deutschland nicht durchsetzen lässt. Ich lebe seit Jahrzehnten auch in Frankreich, und die Hauptunfallursache auf den französischen Autobahnen mit Tempolimit ist der Sekundenschlaf. Die Ursachen dafür sind bestens bekannt. Die Automobilindustrie in Frankreich und Italien lebt von den Autos des “täglichen Bedarfs” – Deutschland auch, aber hier wird das Geld mit den “Spaßautos” der Oberklasse verdient! Unsere innovationsarme Automobilindustrie hätte noch viel mehr Probleme, wenn jetzt auch dieser Markt in Deutschland wegbrechen würde, denn kein Spaß bedeutet: weniger Absatz.

Steffen Wurzler, Unterhaching

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