Verkehrte Fuball-Welt in Obersterreich | News.at

Der Herbst des LASK

Es war ein schwieriges Jahr”, sagte LASK-Trainer Andreas Wieland nach dem 31. und letzten Pflichtspiel im Herbst. Durch das 3:2 bei der Austria bleibt vor den letzten vier Runden des Grunddurchgangs der Bundesliga im Frhjahr die Meistergruppe zumindest noch in Reichweite. Der Sieg fixierte wohl endgltig, dass er Trainer bleibt. In der siebenten Runde hatte er von Dominik Thalhammer bernommen und das sinkende Schiff stabilisiert. Fr einen Platz unter den ersten sechs muss sich nach einem verlorenen Fuballjahr aber vieles ndern.

Verlorene Leitkultur: Mit den Abgngen von Gernot Trauner und Reinhold Ranftl kam dem LASK nicht nur Qualitt, sondern auch Mentalitt abhanden. Es schlich sich Bequemlichkeit ein – anstatt wie zuvor auf dem Platz und abseits dessen einen Schritt mehr zu machen als notwendig. Es beginnt mit Zusatzschichten in der Kraftkammer und endet bei leistungssportgerechter Ernhrung. Die berlegene Fitness, die den LASK einst auszeichnete, wurde schon individuell vernachlssigt.

Verlorene Leistungstrger: Nicht nur Trauner und Ranftl fehlten, auch Marko Raguz kam nach seinem Kreuzbandriss im Herbst nicht auf die Beine. Andreas Gruber ist nach der gleichen Verletzung auf dem Weg zurck. Philipp Wiesinger und Petar Filipovic haben verletzungsbedingt die Hlfte der Spiele versumt. Dazu kamen zahllose Muskelverletzungen und Corona-Zwangspausen. Im Spiel der Europa Conference League gegen Alashkert blieben etwa nur noch 14 Feldspieler brig.

In einem turbulenten Spiel erzielte Lukas Grgic das Siegtor fr die Linzer.

Bild: HERBERT PFARRHOFER (APA)

Verlorene Identitt: Thalhammer wollte den LASK zu mehr Ballbesitz erziehen. Der Kader war auf den Pressingstil ausgerichtet, das Projekt scheiterte. Wieland begann seine Mission, den LASK wieder zur alten Strke zu fhren, mit einer Hypothek: Ballbesitzfuball, auf den die Mannschaft in der Vorbereitung eingestellt wurde, erfordert andere physische Voraussetzungen im Gegensatz zum sprintintensiven Pressing. Die notwendigen Ablufe hatten die Spieler zwar noch im Kopf, die Beine gaben aber die ntigen Wege nicht mehr her. Das erklrt unter anderem die oft groen Unterschiede zwischen zwei Halbzeiten. Der eine Schritt weniger ffnete Lcken in der Defensive.

Verlorene Effizienz: Der LASK erspielte die zweitmeisten Torchancen, die Verwertung war das groe Problem. Als einzige Mannschaft blieben die Athletiker ohne Kopfballtor. Die einstige Strke bei Standardsituationen ist dahin. Die Fehlschsse kosteten Selbstvertrauen und Punkte.

Verlorenes Hndchen: Jeder Zugang hat es in einem kriselnden Team schwer. Von den zehn Neuen war einzig Sascha Horvath ein Gewinn. Der dauerverletzte Christoph Monschein erwies sich als Flop. Dario Maresic fehlte neben Spielpraxis auch die Matchfitness. Der LASK wird mit zumindest einem Verteidiger und einem Strmer nachbessern. Schlagen die Zugnge ein und werden die Leistungstrger fit, kann in Bestbesetzung der Einzug in die Meistergruppe gelingen.

Der Herbst der SV Ried

Rieds Interimstrainer Christian Heinle bergibt die Mannschaft mit einer Top-Ausgangsposition an seinen Nachfolger Robert Ibertsberger. Das hat die Innviertler im Herbst so stark gemacht:

Neue Heimstrke: Den Grundstein der starken Herbstsaison legten die Innviertler in der heimischen Josko-Arena: Seit 14 Partien – seit dem 14. Mrz 2021 (0:3 gegen den LASK) – ist die SV Ried vor eigenem Publikum ungeschlagen. 19 der 24 eingespielten Punkte holte Ried daheim. In der aktuellen Saison knnte man einen Rekord einstellen: Die lngste Serie ohne Niederlage datiert aus der Saison 2008/2009. Damals verlie Ried unter dem damaligen Coach Paul Gludovatz in insgesamt 20 Partien den Platz nicht als Verlierer. So erfolgreich die Innviertler als zweitbestes Heimteam hinter Salzburg aufgetreten sind, so schwach war dies auf fremden Pltzen: Nur fnf Punkte in neun Runden – letzter Platz in der Auswrtstabelle.

Neue Identitt: Der krankheitsbedingte Ausfall des ursprnglichen Cheftrainers Andreas Heraf bot den Riedern eine Chance – unter Interimstrainer Heinle bekamen die Wikinger ein Facelifting verpasst. Whrend Herafs Fehlen auf dem Trainingsplatz machten die Rieder unter Heinle vor allem im Ballbesitz einen groen Sprung nach vorne. Sinnbildlich dafr war das Altach-Spiel, in dem man zwar den Ausgleich aus einem unntigen Ballverlust kassierte, weil man von hinten herausspielen wollte – trotzdem blieben die Rieder auch danach ihrer Linie treu und vertrauten auf ihre neue Strke. Selbst in Unterzahl im Auswrtsderby beim LASK warf man den Spielplan nicht ber den Haufen – und konnte die Pressingversuche der Linzer groteils spielerisch abwehren.

Die Meistergruppe ist für Ried jetzt so nah wie nie

Emotion pur nach dem Tor von Ante Bajic (rechts) zum 2:1-Sieg in letzter Minute gegen Altach.

Bild: APA

Neues Selbstvertrauen: Die Rieder trauen sich nicht nur die Meistergruppe zu, sie strotzen auch auf dem Rasen vor Selbstvertrauen. Torhter Samuel Sahin-Radlinger agierte im Tor „teamreif“, die Fnferkette mit den Hnen um Constantin Reiner, Markus Lackner oder Sommer-Zugang Tin Plavotic wurde zu Rieds neuem, altem Markenzeichen. Im Mittelfeld gingen die Routiniers Marcel Ziegl und Stefan Nutz als Fhrungsspieler voran: Vor allem Nutz trat mit einigen Zauberpssen in Erscheinung, sammelte insgesamt zehn Scorer-Punkte. In der Offensive strahlte Ante Bajic (vier Saisontore) mit seiner Schnelligkeit immer wieder die grte Gefahr aus.

Gewonnene Ruhe: Anders als in der Vergangenheit lie sich Ried von gewissen Strfeuern – wie den skurrilen Kommentaren von Ex-Coach Heraf nach der Trennung – nicht aus der Ruhe bringen. Es herrscht wieder ein gewisses „Wir-Gefhl“ im Innviertel. Federfhrend dafr ist auch die neue sportliche Fhrung um Thomas Reifeltshammer und Wolfgang Fiala, die in sportlichen Fragen die Zgel in der Hand haben. Die Kompetenzen scheinen klar verteilt. Das ist gut so.