Verkaufsverbot zum Besten von Silvesterböller: Dasjenige sagt ein Pyrotechniker aus Remshalden – Schorndorf

Der Verkauf von Feuerwerkskörpern ist wie auch vergangenes Silvester verboten. Das Böllern generell ist allerdings erlaubt. Trotzdem soll es an ausgewiesenen öffentlichen Orten, die von den Kommunen bestimmt werden, kein Silvesterfeuerwerk geben. Valentin Schuster, Inhaber der Firma Sprengwerk-Pyrotechnik mit Hauptsitz in Remshalden, hat mit uns über das Verbot und die Auswirkungen auf sein Unternehmen gesprochen.

Das auf Pyrotechnik spezialisierte Unternehmen war früher in Waiblingen ansässig und hat seinen Hauptsitz nun in Remshalden. Grund für den Wechsel war eine Verkleinerung. Neben dem Feuerwerk hat die Firma auch Spezialeffekte für Bühnenshows, Lichtbilder und Lasertechnik im Angebot. Da Feuerwerk nicht das einzige Standbein der Firma ist, kann sich das Unternehmen ganz gut über Wasser halten: „Da sind wir eine absolute Ausnahme“, so Schuster. Corona-Hilfen sind zwar geflossen, davon müssen aber 75 Prozent wieder zurückgezahlt werden. „Eine wirkliche Hilfe war das nicht.”

Pandemiebedingt sind aber auch viele Veranstaltungen ausgefallen, wie etwa die Tournee mit Andrea Berg. Die Firma Sprengwerk-Technik war dort für die Bühnenshow zuständig – bis Corona kam und alles abgesagt werden musste. „Wir sind mit unseren Lasershows und Feuerwerken auf Konzerten, Lichterfesten, Festivals, Hochzeiten und Geburtstagen unterwegs“, erzählt Schuster. In den letzten zwei Jahren seien es dann nur noch etwa fünf Geburtstage und Hochzeiten pro Jahr gewesen, in einem Jahr ohne Corona waren es um die 50.

Keine vergleichbare Alternative zu Feuerwerk an Silvester

Den Silvesterverkauf hat das Unternehmen aus Remshalden als Zwischenhändler betrieben: „Wir haben die Feuerwerkskörper an Händler verkauft und diese wiederum an den Endkunden. Gleichzeitig sind wir auch Hersteller und hängen da schon mit drin.“ Wie viel das Silvestergeschäft insgesamt ausgemacht hat, sei schwierig einzuschätzen, sagt Schuster: „Wenn alles verkauft wurde, waren es bestimmt 40 bis 50 Prozent“. Dieser Anteil fällt durch das Verkaufsverbot weg. „An Geburtstagen und Hochzeiten gibt es statt Feuerwerk eine Lasershow. Aber an Silvester kann nicht jeder Normalverbraucher so eine Laseranlage einrichten, da gibt es keine vergleichbare Alternative“, so Schuster.

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Sicherheitsstandard ist in Deutschland sehr hoch

Die Überlastung der Notaufnahme wird oft als Grund für ein Verbot genannt: „Mit Sicherheit gibt es an Silvester Fälle, die in der Notaufnahme landen. Aber eigentlich sind es die illegalen Raketen, die die wirklich schweren Verletzungen verursachen.“ Die nach deutschem Gesetz hergestellten Böller seien nämlich von der Chemie her ganz anders zusammengestellt – sie enthalten Schwarzpulver und nicht Blitzknallsatz.

Mit einem deutschen Feuerwerk könne man sich auch verletzten, jedoch in den seltensten Fällen so, dass es wirklich kritisch wird. „Das sind dann eher Verbrennungen oder ein großer Schreck, der zurückbleibt.“  Wirklich schwere Verletzungen hält der Pyrotechniker für eher ausgeschlossen. Dafür sei der Sicherheitsstandard in Deutschland zu hoch. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Leute betrunken in Scherben fallen, ist genauso hoch, wie dass Leute sich an einem Feuerwerk verletzen“.

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Feuerwerk macht 0,7 Prozent Feinstaub eines Jahres aus

Auch die Umweltbelastung wird immer wieder als Argument gegen Feuerwerke und für ein Verbot genannt. Valentin Schuster weiß: „Die Umweltbelastung ist verschwindend gering.” Auf der Seite des Bundesverbandes für Pyrotechnik (BVPK) heißt es: „Silvesterfeuerwerk macht lediglich 0,7 % Feinstaub eines Jahres aus.“

Böllern erlaubt, Verkauf in Deutschland verboten

Der Verkauf von Feuerwerkskörpern ist zwar verboten, nicht aber das Böllern an sich. Wer also noch Material vom Vorjahr im Keller liegen hat oder sich anderweitig etwas besorgt, darf dieses in die Luft schießen. Um das Verbot zu umgehen, decken sich die Leute also zum Beispiel mit Böllern aus dem Ausland ein. „Man munkelt in der Branche, das es viele Privatpersonen gibt, die nun mit Sprintern über die Grenze fahren und unter der Hand verkaufen. Wenn das zutrifft, verdient sich das Ausland damit dumm und dusselig.“

Hasskommentare wie ein anderes Pyrotechnik-Unternehmen, das auf unsere Anfrage keine Fragen beantworten möchte, bekommt das Sprengwerk nicht. „Wir leben eher durch Mundpropaganda und sind in den sozialen Netzwerken wenig aktiv“, so Schuster.

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