Verhaltensforschung: Warum Tiere spielen – Spektrum jener Wissenschaft

Tierverhaltensforscher kennen drei große Kategorien von Spielen. Die erste ist das soziale Spiel, sie umfasst jede Art von Spiel, an dem mindestens zwei beteiligt sind. Die nächste ist das Bewegungsspiel: Tiere rennen, springen, hopsen, schleichen ohne erkennbaren äußeren Anlass und fördern dabei ein Leben lang ihre motorischen Fähigkeiten. Beutetiere perfektionieren so die Flucht vor einem Raubtier. Wenn Springböcke mit ihrer Herde rennen, »prunken« sie beispielsweise immer wieder. Sie üben, sich meterweit in die Luft zu katapultieren und sicher zu landen. Elefanten trainieren nicht nur, vor einem Beutegreifer Reißaus zu nehmen, sondern auch vor aggressiven paarungswilligen Männchen oder einem Konkurrenten, der sie durchaus töten könnte. Umgekehrt lernt der Löwennachwuchs im Bewegungsspiel Beute zu machen. Hinter den Geschwistern herzujagen, sie zu Fall zu bringen und ihnen an Rücken oder Hals zu knabbern, schärft ihr Vermögen, später selbst ein Beutetier zu überwältigen und durch einen Biss in Wirbelsäule oder Kehle zur Strecke zu bringen.

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Bei vielen Arten, auch unserer eigenen, gehören Scheinkämpfe zum Bewegungsspiel. Sie sind eine ungefährliche und durch Regeln geschützte Möglichkeit, die eigene Stärke zu testen. Ausgefeiltere und entschlossener geführte Kämpfe ähneln weniger dem Armdrücken, sondern dem Kampfsport. Beide Teilnehmer entwickeln innovative Lösungen, um später im Leben tödliche Kämpfe zu vermeiden. Scheinkämpfe bieten zudem die Möglichkeit, Grenzen auszutesten und herauszufinden, wem man trauen kann. Auch Körpersprache lässt sich so lernen.

Die dritte Kategorie ist das Objektspiel, bei dem Gegenstände aus der Umgebung in das Toben einbezogen werden. Bei einem Elefanten kann das beispielsweise ein Stock oder ein Zweig sein. Ihn erforscht das Jungtier, indem es ihn trägt oder mit dem Rüssel wirft. In Gefangenschaft spielen Elefanten zum Spaß gerne mit Bällen oder schleppen aufgepumpte Reifenschläuche durch die Gegend. Das Objekt kann aber auch ein anderes Tier sein. Zebras oder Giraffen können geradezu unwiderstehliche Opfer einer Verfolgungsjagd sein. In einem Fall hat der vierjährige Elefantenbulle Leo seinem Brüderchen Liam gezeigt, wie viel Spaß es machen kann, eine Giraffe in die Flucht zu schlagen. Der kleine Liam kam kaum noch hinterher mit seinem begeisterten Bruder.

Spiele für Menschenaffen und Menschen

Zwei weitere Formen des Spiels sind nur bei Menschenaffen, einschließlich des Menschen, dokumentiert. Eine davon, Sportspiele, kombiniert soziales, motorisches und objektbezogenes Spiel. Sportarten wie Fußball, Feldhockey, Lacrosse und Polo sind Beispiele für traditionelle Spiele, die als Sportarten mit spezifischen Regeln formalisiert wurden. Auch nichtmenschliche Menschenaffen spielen solche formalen Spiele, allerdings nur in Gefangenschaft, wenn sie in menschlicher Umgebung aufgezogen wurden. Die andere Art des Spiels, die es nur bei Menschenaffen zu geben scheint, ist das So-Tun-als-ob. Wild lebende Schimpansen tragen zum Beispiel einen kleinen Baumstamm mit sich herum, als wäre es ein Jungtier. Ein menschliches Kind spielt vielleicht mit einem unsichtbaren Spielzeug oder Fantasiewesen.