US-Wissenschaftler warnen vor großer Grippewelle im Winter

Wissenschaft Nach Corona-Impfungen

US-Wissenschaftler warnen vor großer Grippewelle im Winter

Stand: 16.05.2021

Deutsche im Corona-Jahr deutlich seltener grippekrank

In Deutschland sind dieses Jahr viel weniger Menschen an Grippe erkrankt als im Vorjahr. Das liegt am deutlich größeren Interesse einer Grippeimpfung, aber auch an Kontaktbeschränkungen und Hygienemaßnahmen. Auch andere Krankheiten waren seltener.

Nach der Corona-Pandemie könnte es zu einer großen Grippewelle kommen, warnen Experten. Denn die letzte Grippesaison ist komplett ausgefallen, das Immunsystem sei nicht trainiert. Doch es gibt auch eine Hoffnung.

Experten in den USA warnen vor einer Influenzawelle in der kommenden Saison. In diesem Jahr spielte die Grippe in den Vereinigten Staaten wie in vielen Ländern fast keine Rolle, es wurden bislang laut der Gesundheitsbehörde CDC weniger als 2000 Fälle in Labor bestätigt. In einer typischen Grippesaison hingegen werden mehr als 200.000 Fälle im Labor entdeckt, geschätzt infizieren sich jedes Jahr neun bis 45 Millionen US-Amerikaner.

Masken und Abstandsregeln in der Corona-Pandemie haben laut Wissenschaftlern dafür gesorgt, dass die Grippe nicht weiterverbreitet werden konnte. Doch ein Jahr mit wenig Influenza könnte zwölf Monate später zu einem schweren Grippejahr führen.

„In diesem Jahr wurde nicht wie üblich ein bedeutender Teil der Bevölkerung mit Grippe infiziert und wurde so immun“, sagt Andy Pekosz, Professor für Mikrobiologie an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, NBC. „Das könnte bedeuten, dass die Anfälligkeit der Bevölkerung für Grippe zunehmen wird.“

Wenn jemand an Grippe erkranke, entwickle er normalerweise eine gewisse Immunität. Kinder und Babys seien deshalb häufig am anfälligsten für Infektionen, da ihr Immunsystem das Virus noch nicht kennt. Doch da in diesem Jahr die Grippesaison ausfiel, gebe es weniger Menschen mit diesem teilweisen Schutz.

„Mit einer geringen Immunität der Bevölkerung könnte dies zu mehr Fällen führen“, sagt auch Scott Hensley, Mikrobiologe an der Perelman School of Medicine der Universität Pennsylvania.

Grippeimpfstoff zu finden, könnte schwer werden

Ein weiterer Aspekt dieser ungewöhnlichen Grippesaison sei, dass offenbar nicht viele Grippestämme im Umlauf sind. „Es ist interessant“, sagte Hensley. Unklar ist aber, ob das nicht nur daran liegt, dass nur wenige Fälle untersucht werden konnten.

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Wenn nur wenige Grippestämme existieren, könnte sich das positiv auswirken. Denn für die Herstellung eines Grippeimpfstoffes ist es besser, wenn nicht zu viele Virusstämme weltweit unterwegs sind. Dann könnte der Impfstoff besser passen und so besser wirken. Der Stamm H3N2, der in den letzten Jahren auftrat, war problematisch für die Impfstoffherstellung, denn er hatte viele Nebenstämme, sagt Sarah Cobey, Epidemiologin an der Universität von Chicago.

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Sollten jedoch einfach nur zu wenig Proben analysiert worden sein, denn könnte der Impfstoff nicht passgenau hergestellt werden. Trotzdem hilft auch ein nicht so passender Grippeimpfstoff laut Experten vor einem schweren Verlauf der Grippe.

Die Weltgesundheitsorganisation wählt die Stämme für den nächsten Grippeimpfstoff im Februar aufgrund der weltweiten Verbreitung aus. Wissenschaftler achten häufig besonders auf Stämme aus der südlichen Hemisphäre, wo die Grippesaison im Juni beginnt und typischerweise im August ihren Höhepunkt erreicht.

Mikrobiologe Hensley rät dazu, sich auf jeden Fall impfen zu lassen. „Wenn es jemals ein Jahr gab, in dem geimpft werden musste, ist dies das Jahr.“ Jesse Goodman, Professor für Medizin und Infektionskrankheiten an der Georgetown University, glaubt, dass die Bürger viel von Covid-19 gelernt haben und möglicherweise Maßnahmen wie Abstand, Händewaschen und das Tragen von Masken auch in der Grippesaison helfen. Wenn man diese Praktiken fortsetze, könne es sein, dass es doch nicht so schlimm werde, sagt er.

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