US-Inflation könnte Rekordjagd des Dax stoppen – Wirtschaft

Frankfurt/Main (dpa) – Am deutschen Aktienmarkt scheint die Jahresendrally schon in vollem Gange zu sein.

Nachdem der Leitindex Dax seine kleine Schwächephase überwunden hat und seit Kurzem auch wieder von Rekord zu Rekord eilt, könnte die Börsenampel in der neuen Woche weiter grün leuchten – falls die Inflationssorgen den Anlegern nicht doch wieder einen Strich durch die Rechnung machen.

Am Freitag setzte der Dax dank robuster Zahlen vom US-Arbeitsmarkt seinen Rekordlauf fort. Der deutsche Leitindex war im Handelsverlauf bis auf rund 16.085 Punkte gestiegen, bevor der Schwung nachließ. Am Ende stand ein Plus von 0,15 Prozent auf 16.054,36 Punkte. Auf Wochensicht bedeutet dies einen Anstieg von 2,33 Prozent.

Allerdings sollten Anleger die Inflationssorgen im Blick behalten, auch wenn von Notenbanken zuletzt beruhigende Töne gekommen waren. Zudem wütet die Corona-Pandemie wieder mit voller Wucht. So könnten nationale Schutzmaßnahmen einmal mehr Lieferketten einer Bewährungsprobe unterziehen und die Konjunkturerholung gefährden.

Doch all das ficht die Anleger wohl erst einmal nicht an. «Noch vor einem Monat ließ sich so etwas wie Herbstmüdigkeit erkennen», schrieb Analyst Ulf Krauss von der Landesbank Helaba. Jetzt aber sei von einer Erschöpfung wenig zu erkennen, zumal seitens der Geldpolitik negative Überraschungen ausgeblieben seien.

So beginnt die tonangebende US-Notenbank zwar mit dem Ausstieg aus ihren zur Konjunkturbelebung aufgelegten milliardenschweren Wertpapierkäufen, will sich mit Zinsanhebungen aber noch Zeit lassen. Den Inflationsanstieg bewerten die Währungshüter nach wie vor als vorübergehende Angelegenheit.

Ferner hob die britische Notenbank ihren Leitzins trotz anders lautender Spekulationen zunächst nicht an. Ohne vorläufige Zinserhöhungen dürfte der Aktienmarkt für Anleger also vorerst ein attraktiver Platz zum Geldanlegen bleiben.

Skeptischer äußerten sich Experten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die jüngste Rekordjagd beim Dax und auch beim SDax, dem Index für kleinere und mittlere Nebenwerte, geschehe vor dem Hintergrund nach wie vor sehr hoher Inflationszahlen sowie eines sinkenden Wirtschaftswachstums und eines in der Dynamik abnehmenden Gewinnwachstums der Unternehmen.

«Und weil die Bewertungen am Aktienmarkt weiter steigen und inzwischen ziemlich angespannt erscheinen, dürfte die Luft für eine Fortsetzung der Jahresendrally nun dünn geworden sein. Vor allem dann, wenn die am Mittwoch anstehenden US-Inflationszahlen für Oktober höher als erwartet ausfallen sollten», fuhren die LBBW-Experten fort.

Doch zumindest die laufende Berichtssaison der Unternehmen bewertete der Aktienstratege Markus Wallner von der Commerzbank etwas positiver als seine Kollegen von der LBBW. Immerhin hat laut Wallner bisher die Mehrzahl der deutschen Unternehmen die Erwartungen der Analysten übertroffen. Einige von ihnen hätten zudem ihre Ziele für das laufende Geschäftsjahr erneut angehoben.

Auch in der neuen Woche legen viele Unternehmen frische Zahlen vor. So berichten zur Wochenmitte unter anderem der Sportartikelhersteller Adidas, der Versicherer Allianz, der Energiekonzern Eon, der Chiphersteller Infineon und der Energietechnikkonzern Siemens Energy über das abgelaufene Quartal. Einen Tag später folgen unter anderem der Essenslieferant Delivery Hero, der Energiekonzern RWE und der Technologiekonzern Siemens. Zum Abschluss der Woche legt mit der Deutschen Telekom der letzte Dax-Konzern Zahlen vor.

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