Tennis-Kollegin Peng Shuai nachher Sex-Vorwurf vermisst: Naomi Osaka in Sorge

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17. November 2021 – 23:07 Uhr

#WhereIsPengShuai

Immer noch gibt es kein Lebenszeichen von Peng Shuai. Die frühere Wimbledon-Doppelsiegerin hatte im Internet schwere Missbrauchsvorwürfe gegen den ehemaligen chinesischen Vizepremier Zhang Gaoli erhoben und soll seit dem verschwunden sein. Jetzt nutzt auch Tennisstar Naomi Osaka ihre Reichweite, um auf den Fall aufmerksam zu machen.

Tennisstar wendet sich an ihre über 1 Millionen Follower

“Hallo zusammen, ich weiß nicht, ob ihr es mitbekommen habt, aber ich bin informiert worden, dass eine Tennisspielerin vermisst wird, nachdem sie öffentlich gemacht hat, sexuell missbraucht worden zu sein. Zensur ist in keinem Fall ok, ich hoffe, dass Peng Shuai und ihre Familie in Sicherheit ist. Ich bin schockiert über die Situation und schicke Liebe und Hoffnung. #WhereIsPengShuai”, postete Osaka auf ihrem Twitter-Account.

Was ist passiert?

Die chinesische Sportlerin Peng Shuai hatte dem ehemaligen chinesischen Vizepremier Zhang Gaoli einen sexuellen Übergriff vorgeworfen.

Auf ihrem Account im sozialen Netzwerk Weibo offenbarte die 35-jährige Wimbledon- und French-Open-Doppelsiegerin, über einen Zeitraum von zehn Jahren mit Unterbrechungen eine Beziehung mit dem verheirateten Politiker eingegangen zu sein. In dem Beitrag ist von Liebe und Zuneigung die Rede, aber auch von mindestens einem ungewollten sexuellen Übergriff.

“Warum musstest du zu mir zurückkommen, hast mich zu dir nach Hause gebracht, um mich zum Sex mit dir zu zwingen”, hieß es in den Weibo-Posting. “Ich kann nicht beschreiben, wie angewidert ich war und wie oft ich mich gefragt habe, ob ich noch ein Mensch bin. Ich fühle mich wie eine wandelnde Leiche”, hieß es weiter.

Chinas strenge Zensoren schritten sofort ein. Seit der Veröffentlichung der Vorwürfe wurde Peng Shuai außerdem nicht mehr öffentlich gesehen. Fans sind seitdem in Sorge und riefen den Hashtag #WhereIsPengShuai ins Leben.

Tennisspielerin hat mächtigen Politiker beschuldigt

Erst am Sonntag hatte auch die internationale Damentennis-Organisation WTA Aufklärung gefordert. Man verfolge die jüngsten Ereignisse in China mit großer Sorge, wurde WTA-Chef Steve Simon zitiert. “Peng Shuai und alle Frauen verdienen es, angehört und nicht zensiert zu werden.”

Eine angebliche Mail der vermissten chinesischen Tennisspielerin Peng Shuai hat bei der WTA mehr Fragen aufgeworfen, als Antworten gegeben. Chinesische Staatsmedien hatten am Mittwoch eine Nachricht der 35-Jährigen an WTA-Chef Steve Simon zitiert. Die Medienberichte über ihre Person seien falsch, war darin zu lesen, ihr gehe es gut: “Ich werde weder vermisst, noch bin ich nicht sicher. Ich ruhe mich nur daheim aus, alles ist in Ordnung.”

Simon reagierte mit Skepsis auf die Entwicklung. “Das heute von chinesischen Staatsmedien veröffentlichte Statement zu Peng Shuai vergrößert nur meine Bedenken bezüglich ihrer Sicherheit und ihres Aufenthaltsortes. Es muss Peng Shuai erlaubt werden, frei zu sprechen, ohne Zwang oder Einschüchterung durch eine Quelle”, teilte er am Abend mit.

Doch die Tennisspielerin hat sich mit einem mächtigen Mann angelegt.

Der 75-jährige Zhang Gaoli galt früher als einer der einflussreichsten Politiker Chinas. Er war von 2013 bis 2018 Vizepremier – und von 2012 bis 2017 sogar Mitglied des Ständigen Ausschusses des Politbüros, des höchsten Machtgremiums der Kommunistischen Partei. Es ist der erste Fall, in dem ein prominenter Politiker ins Kreuzfeuer gerät, seit die #MeToo-Bewegung 2018 auch in China Einzug gehalten hat. Seitdem waren unter anderem in der Wissenschaft, im Journalismus und in der Geschäftswelt einige wenige Fälle ans Licht geraten. (sid/dpa/jma)

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