Technologie welcher Zukunft – Läuft die Waschmaschine künftig mit Strom aus dem E-Kutsche? – News

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Ein Schweizer Start-up will Akkus von Elektrofahrzeugen vielfältig einsetzen – auch als Stromlieferant für zu Hause.

Viele Fahrzeuge sind oft nur für kurze Zeit unterwegs. Zu einem grossen Teil stehen sie ohne Nutzen auf einem Parkplatz. Das gilt auch für Elektroautos. Das sei eine ungenutzte Ressource, finden Baselbieter Ingenieure. Sie wollen die E-Autos als mobile Akkus einsetzen.

Wir brauchen Batterien, die sowieso schon hier sind. Damit sparen wir Ressourcen.

Ziel sei es, die vorhanden Batterien vielfältiger zu nutzen, um insgesamt weniger herstellen zu müssen. «Wir nutzen Batterien, die sowieso schon hier sind und müssen keine neuen verbauen», sagt Dominik Müller vom Start-up Sun2wheel. Damit könne man Ressourcen sparen.

Die Idee von Sun2wheel


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Legende:


Batterien von E-Autos sind vielfältig nutzbar.


Keystone

Besitzer von Elektroautos laden ihr Fahrzeug tagsüber zum Beispiel an ihrem Arbeitsplatz. Im Idealfall kann die Autobatterie dort mit Solarstrom betankt werden. Dieser könnte vom Gebäude produziert werden, in welchem das Fahrzeug steht.

Auto bezieht und liefert Strom

Wenn der Akku nach der Heimfahrt noch zusätzlichen Strom gespeichert hat, könnte das E-Auto Energie ins eigene Haus einspeisen. Damit könnten zum Beispiel Haushaltsgeräte betrieben werden. Das E-Auto würde damit vom Transportmittel auch noch zum Stromlieferant.

Mobiler Akku in der Garage

Der Vorteil des Systems: In Wohnhäusern müssten nur noch in geringerem Ausmass Batterien zur Stromspeicherung eingebaut werden. Die mobile Batterie würde auf vier Rädern vor dem Haus oder in der Garage stehen. Denn die Produktion von leistungsfähigen Batterien ist teuer und ressourcenintensiv.

Auf Interesse stösst das Konzept zum Beispiel in Zunzgen im Kanton Baselland. Die Gemeinde plant, ihre Schulhäuser zu sanieren. Gemeinderat Pascal Eberle sagt: «Wir könnten uns vorstellen, die Schulhausdächer künftig für die Produktion von Solarstrom zu nutzen.» Bei der Speicherung des Stroms könnte der Ansatz des Start-ups Sun2wheel zum Einsatz kommen.

Dominik Müller von Sun2wheel gilt als Solarpionier. Dem Gemeinderat erläutert er die Vorteile ihrer Lösung. Gerade ein Schulhaus eigne sich ideal dafür, sagt Müller: «Im Sommer würde das Schulhaus mit Fotovoltaik mehr Energie produzieren, als verbraucht wird. Wenn die E-Autos am Abend den Strom nach Hause liefern, könnte das ein Schritt in die Energie-Zukunft sein.»

Das Start-up würde dabei das System zum Laden und Entladen von E-Autos liefern. Laut Müller sei das Potenzial gross. Er rechnet vor, dass 100’000 E-Autos kurzzeitig so viel Leistung wie ein Atomkraftwerk liefern könnten, also rund 1 Gigawatt. «Das würde reichen, um rund 200’000 Einfamilienhäuser mit Strom für einen Tag zu versorgen.»

Sind Autobesitzer bereit, Flexibilität zu opfern?

Potenzial attestiert dem Konzept auch SRF Wissenschaftsredaktor Daniel Theis, der die Entwicklungen im Energiesektor eng verfolgt. «Die Idee ist in der Theorie eigentlich nicht neu. Ich finde es aber spannend, dass ein Unternehmen jetzt tatsächlich eine Lösung für die technischen Herausforderungen präsentiert. Zum jetzigen Zeitpunkt ist aber noch unklar, wie sich das Stromsystem der Zukunft genau ausgestaltet und ob damit Batterien in den Häusern überhaupt nötig sind.»

Theis sieht noch weitere Hürden für das Vorhaben: «Ein Problem könnte sein, dass sich die Lebensdauer der Batterien mit häufigeren Lade- und Entladezyklen verringert. Sind die Kunden bereit das mitzutragen?» Ein weiteres Problem sieht Theis bei den Nutzungsgewohnheiten. Denn oft wollten Autobesitzer möglichst grosse Flexibilität. Wenn der Strom aus dem E-Auto über Nacht aber zu einem grossen Teil im Haus verbraucht wurde, kann man spontan nicht mehr grosse Strecken zurücklegen. Das verlange eine vorausschauende Planung und ist eine Einschränkung.

Gebäude mit viel Strom aus Fotovoltaik gesucht

Das Problem mit den Ladezyklen sei vernachlässigbar, heisst es von Sun2wheel. Die Nutzung des Fahrzeugs als Zwischenspeicher erfolge auf eine langsame und damit sanfte Art. Der Verschleiss der Batterien sei darum gering. Trotzdem steht das Start-up noch ganz am Anfang. Bis jetzt seien in der Schweiz zehn Anlagen in Betrieb.

«Wir suchen jetzt Objekte mit Fotovoltaik oder Potenzial dafür. Einige Gemeinden und auch Basel-Stadt haben schon bei uns angeklopft», sagt Unternehmer Dominik Müller. Die Chance, ihr System in der Baselbieter Gemeinde Zunzgen unter Beweis zu stellen, stehen gut. Gemeinderat Kurt Ost ist begeistert vom Konzept: «Als Gemeinde sollten wir mit gutem Beispiel vorangehen. Wenn wir sowieso umbauen, lohnt es sich, gerade auf moderne Energietechnik zu setzen.»