„Technologie hat mich seit alters fasziniert“

Bastian Nominacher

Schon als Kind programmierte Bastian Nominacher abends mit dem Vater und probierte neue Computertechnik aus.

Es hätte ein einfacher Berufseinstieg sein können: „Ich komme aus einer Bäckersfamilie mit langer Tradition, auf die ich auch sehr stolz bin“, sagt Bastian Nominacher. In Forstern nahe München führte sein Vater Erwin den Backbetrieb in fünfter Generation. An Heiligabend 2017 allerdings zog sich die Familie 125 Jahre nach der Gründung zurück. Bastian Nominacher war da längst mit seinem eigenen Unternehmen auf Erfolgskurs – als Mitgründer und Co-CEO des Software-Spezialisten Celonis.

Seine Leidenschaft für die Informationstechnik sei in der Familie geweckt worden, sagt Nominacher. Schon als Kind habe er mit dem Vater abends programmiert und neue Computertechnik ausprobiert. So zog es ihn nach der Schule zum Studium der Wirtschaftsinformatik zunächst an die Hochschule München und nach einem Auslandsjahr in Großbritannien für den Master an die TU München.

In der bayerischen Landeshauptstadt startete er mit zwei Kommilitonen von zu Hause aus Celonis, finanziert mit Hilfe des staatlichen Förderprogramms „Exist“. Seine Mitgründer hatte er bei einem Projekt der studentischen Unternehmensberatung „Academy Consult“ beim Bayerischen Rundfunk kennengelernt. Die Mission damals: Software für sogenanntes Process Mining entwickeln. Solche Programme bilden Geschäftsabläufe in Unternehmen digital ab und spüren Verbesserungspotenzial auf – die Funktionsweise vergleicht Nominacher mit einem Röntgengerät.

Nominacher und sein Team belassen es aber nicht bei der Diagnose. Mit dem im vergangenen Jahr eingeführten Execution Management System (EMS) sorgt Celonis dafür, dass die Kunden das Beste aus ihren datenbasierten Prozessen herausholen können. Von Axa über Bayer und Cisco bis hin zu Lufthansa Cityline und der Deutschen Telekom reicht die Liste der Unternehmen, die das Celonis-Know-how nutzen. Während der Corona-Pandemie erwies sich dieses als besonders wertvoll: Abläufe stärken, Lieferketten aufrechterhalten, liquide bleiben – all das unterstützte Celonis. Weltmarktführer im Bereich Execution Management – diesen Titel beansprucht das Unternehmen mit inzwischen 1800 Beschäftigten für sich.

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Die Nachfrage nach der Technologie von Celonis ist groß. Bastian Nominacher hat zusammen mit seinen Gründungspartnern, Co-CEO Alexander Rinke und CTO Martin Klenk, viel Kapital bei Investoren eingesammelt. Elf Milliarden Dollar ist das Unternehmen heute wert. Nur wenige Start-ups in Europa sind in eine solche Dimension vorgestoßen. An finanziellen Maßstäben allerdings will Nominacher Erfolg nicht zuallererst messen. Er hört genau darauf, was seine Kunden sagen – denn das „motiviert mich auch persönlich dazu, unsere Technologie kontinuierlich weiterzuentwickeln“.

Lesen Sie hier das komplette Interview:

Herr Nominacher, Wissen Sie noch, was Sie werden wollten, als Sie klein waren?
Technologie hat schon immer eine unglaubliche Faszination auf mich ausgeübt. Mein Vater hat mich mit seiner Begeisterung fürs Basteln und für Technik infiziert. Als ich klein war, haben wir oft abends zusammen programmiert und die neuesten Innovationen ausprobiert. Auch die IT steckte da noch in den Kinderschuhen. Ich erinnere mich noch gut an eine Zehn-Megabyte-Festplatte, die so groß war wie zwei große Bücher. Aber schon damals haben mich die Möglichkeiten der neuen Technologien fasziniert.

Woran messen Sie Ihren Erfolg? Spielt Geld eine Rolle oder gibt es andere Faktoren?
Der größte Erfolg in meinen Augen ist der Erfolg unserer Kunden – jeder verbesserte Prozess zeigt uns, dass wir mit Process Mining und dem Execution Management System eine relevante Technologie geschaffen haben, die Unternehmen enormen Mehrwert bietet. Die positive Resonanz motiviert mich auch persönlich dazu, unsere Technologie kontinuierlich weiterzuentwickeln. Die große Nachfrage der Kunden und das daraus resultierende Vertrauen der Investoren hilft uns, unsere Technologie und Innovationen sowie unsere globale Expansion kontinuierlich voranzutreiben.

Gibt es Charakterzüge, die für eine Führungsperson unabdingbar sind?
Begeisterung. Man muss selbst mit Haut und Haaren dabei sein. Das überträgt sich auf das Team und motiviert es dazu, ebenfalls mit ganzem Herzen bei der Sache zu sein. Und man muss eine Vision haben und diese mit Weitsicht verfolgen – und sich dabei nicht von Rückschlägen aus dem Konzept bringen lassen. Unsere Führungskräfte müssen die Werte, die Celonis ausmachen, auch richtig verinnerlichen, um „The Celonis Way“ überzeugend und authentisch an unsere Mitarbeiter sowie Kunden und Partner vermitteln zu können.

Bitte ergänzen Sie den Satz: In Konfliktsituationen bin ich…?
… derjenige, der erst mal gedanklich die Seiten wechselt und versucht, den Blickwinkel seines Gesprächspartners einzunehmen.

Was waren Ihre wichtigsten drei (Arbeits-)Ergebnisse der letzten drei Jahre?
Die Einführung des Celonis Execution Management Systems (EMS) im Oktober 2020 war ein absoluter Meilenstein in unserer Unternehmensgeschichte und insofern revolutionär, als dass wir den Kunden nun auch das passende „Medikament“ an die Hand geben können, um die Probleme in den Prozessen zu „heilen“, die unsere Process-Mining-Technologie wie ein Röntgengerät diagnostiziert hat.

Außerdem liegen mir unsere Unternehmenswerte, die wir letztes Jahr kodifiziert haben, sehr am Herzen. Sie sind aus unserer Celonis-Kultur heraus entstanden. „The Celonis Way“ steht für Live for Customer Value, The Best Team Wins, We Own It, Earth Is Our Future sowie FISA (Focus, Invent, Simplify, Act) – jede unserer Handlungen und Ideen basiert auf diesen Werten.

Und natürlich war ein absolutes Highlight die Verleihung des Deutschen Zukunftspreises durch den Bundespräsidenten im Jahr 2019. Wenn ich ausnahmsweise auch noch einen vierten Breakthrough nennen darf, wäre da Ende 2018 die Einführung unserer Intelligent Business Cloud, die unsere Lösung in die Cloud gebracht hat und für Kunden ganz neue Möglichkeiten eröffnet hat – und das alles höchst skalierbar und in Echtzeit.

In den nächsten drei Jahren: Was wollen Sie lernen, das Sie heute noch nicht können?
Ich würde sehr gerne einen Segelschein machen. Zum einen denke ich, dass das ein großartiges Hobby ist, bei dem man auch mal gut abschalten kann. Außerdem ist Segeln echter Teamsport. Freunde von mir, die bereits segeln, berichten immer wieder, wie wichtig es dabei ist, dass man sich auf seine Crew-Mitglieder verlassen kann – dass man zusammenarbeiten muss, um den optimalen Kurs zu segeln, und dass auch das gesellige Miteinander an Bord nicht zu kurz kommt.

Was ist Ihr langfristiges Ziel beziehungsweise Ihre Vision?
Das volle Potenzial der Prozesse in Unternehmen weltweit wurde bisher weder für die Wirtschaft noch für die Gesellschaft erschlossen. Das möchten wir ändern. Die Möglichkeiten, mit Hilfe von Process Mining und Execution Management zum Beispiel im Bereich Nachhaltigkeit wirklich etwas zu bewegen und die Zukunft zu ändern, sind gigantisch. Deshalb arbeiten wir kontinuierlich an der Weiterentwicklung unserer Technologie. Die Vision dahinter ist letzten Endes, dass durch die Freisetzung des vollen Potenzials jedes Prozesses auf der Welt auch das volle Potenzial jedes Einzelnen freigesetzt wird.

Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Welche alternativen Karriereoptionen würden die für Sie vorschlagen?
Vermutlich würden meine Freunde mich in der Unternehmensberatung sehen. Wenn ich nicht Celonis gegründet hätte, wäre das meine Passion gewesen. Es macht mir großen Spaß, mich in die Abläufe und Prozesse von Unternehmen hineinzuarbeiten, um herauszufinden, wo es Optimierungsmöglichkeiten gibt.

Herr Nominacher, vielen Dank für das Gespräch.

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