Tal der Ahnungslosen: Dating mit Einkaufskorb in Tal der Ahnungslosen

Dresden. Wenn Liebe durch den Magen geht, dann weit vorher durch den Einkaufskorb. Und was lässt sich nicht alles an Menge und Art der Produkte, die auf dem Kassenband landen, ablesen! Sie verraten über den Käufer einiges: Genussmensch und Feinschmecker? Deftiger Esser und leidenschaftlicher Koch? Stressgebeutelter Workaholic mit Fastfood auch zu Hause?

Singles sind auf dem Vormarsch, aber die wenigsten Menschen wünschen sich ein Leben allein. Deshalb hat sich Reinhard Griephan ein Dating-Konzept ins Haus geholt. In seinem neuen Edeka-Markt am Postplatz bietet er seinen Kunden die Möglichkeit, sich beim Einkaufen zu verlieben.

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“Die Idee hatten schon andere vor mir, aber im Corona-Lockdown habe ich sie auch für uns entdeckt”, sagt der 35-Jährige. Zu einer Zeit, als ein gegenseitiges Kennenlernen im realen Leben kaum noch möglich war, schien das die Lösung: Bars, Kinos, Fitnessclubs – alles geschlossen. Lediglich Einkaufsmärkte waren geöffnet. Beinahe nur dort konnten Leute überhaupt noch aufeinandertreffen.

Flirt in der Genussabteilung

Insgesamt siebenmal hat Reinhard Griephan inzwischen schon zur sogenannten “Tinder-Night” eingeladen und rund 300 Teilnehmer erreicht. Das funktioniert so: Wer allein zum Einkaufen kommt und Interesse daran hat, zwischen Käsetheke und Weinregal, am Fleischstand oder in der Tiefkühlabteilung sein Herz zu verlieren, erhält einen gut sichtbar nummerierten Einkaufskorb. Außerdem übergibt ihm der Markt-Leiter ein kleines Formular.

“Angenommen, eine Dame entdeckt bei den Antipasti einen Herrn, der ihr gefällt und ebenfalls einen nummerierten Korb bei sich hat. Dann kann sie ihn entweder direkt ansprechen oder sich seine Nummer notieren”, erklärt Griephan. Außerdem sollte sie ihren Namen, ihre Korbnummer und ihren Kontakt, zusammen mit einer netten Nachricht auf dem Formular hinterlassen. Beim Gehen wirft sie es dann in eine geschlossene Box. Ab dem nächsten Morgen können die Teilnehmer eine Woche lang im Markt erfahren, ob es unter ihrer Korbnummer eine Nachricht an sie gibt. Dann vernichtet Reinhard Griephan alle Formulare.

“Die jüngste Tinder-Night am Donnerstagabend ist leider ein wenig ins Regenwasser gefallen”, sagt der Edeka-Chef. Es goss den ganzen Abend lang. Da lassen sich nur wenige Dresdner aus dem trockenen Stübchen locken. Nicht abgehalten hat das Elli, Susan und Melanie. Sie kamen zwar nicht gezielt zum Flirten ins Geschäft, sondern brauchten lediglich ein paar Dinge für den heimischen Kühlschrank. Die charmante Einladung am Eingang konnten sie jedoch nicht ablehnen und zogen amüsiert durch die Regale.

Die nächste Gelegenheit, das Nützliche mit dem Kribbeln im Bauch zu verbinden, wird es am 11. November, von 18 bis 20 Uhr geben. “Da hoffen wir auf besseres Wetter, um wieder draußen vor der Tür mit Musik und Moderation die Passanten anzulocken”, sagt Reinhard Griephan.

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Wie viele Dates aufgrund der Tinder-Night, deren Name sich an das Online-Datingportal “Tinder” anlehnt, zustandegekommen sind, weiß er nicht. Gern jedoch würde er erfahren, wenn sich Paare tatsächlich gefunden haben. Für ein erstes romantisches Treffen bietet er ein Candlelight-Dinner an – zubereitet von ihm selbst. Reinhard Griephan ist nämlich gelernter Koch. Ach ja, und Single ist er außerdem.

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