Tag des Kompliments: Wie uns Komplimente glücklicher zeugen – Unterhaltung

0
66

Aber auch die moderne experimentelle Forschung belegt, dass Komplimente hilfreich sein können. Eine japanische Studie von 2012 zeigte etwa, dass lobende Worte sogar die motorischen Fähigkeiten verbessern können: Die Wissenschaftler ließen Probanden mit ihren Fingern Aufgaben auf einer Tastatur lösen. Die eine Gruppe wurde danach gelobt, die andere nicht. In der zweiten Übungsrunde zeigten sich die Teilnehmer, deren Leistung anerkannt wurde, viel kompetenter als die anderen.

Es fällt nicht jedem leicht, Komplimente anzunehmen. Großes Interesse bekam vielleicht genau deshalb einst die “Kompliment-Dusche” im Bremer Museum namens Universum. Dort konnten sich Besucher unter eine Dusche stellen und bekamen statt Wasser lobende Worte zugerufen: “Dein Lächeln ist bezaubernd” oder “Du bist einfach klasse!”

Komplimente treten in vielen Beziehungen des Menschen auf. Neben Freundschaften und auf der Arbeit spielen schöne Worte besonders in der Liebe eine große Rolle. “In einer Beziehung sind Komplimente kleine Gewürze, die den Alltag schöner machen. Das sind die kleinen Geschenke, die die Freundschaft erhalten – aber auch die Liebe”, sagt Nina Deißler, Trainerin und Coachin für eine erfolgreiche Partnersuche.

Es kann allerdings auch passieren, dass ein Kompliment beim Gegenüber nicht gut ankommt – und dann? Deißler nennt ein Beispiel: “Wenn mir jemand ein sexistisches Kompliment macht, über das ich mich in diesem Moment nicht freuen kann, gehe ich dennoch meistens erstmal davon aus, dass es gut gemeint ist. Ich weise die Person freundlich darauf hin, dass dies nicht so gut ankommt bei mir. Das reicht meistens vollkommen aus.”

Ob ein Kompliment gut oder schlecht ankommt, hängt auch von der Situation ab. So macht es zum Beispiel einen Unterschied, ob eine Frau mit dem Partner zum Candle-Light-Dinner verabredet ist oder ob sie montagmorgens auf dem Weg zur Arbeit ist. Wissenschaftlerin Mangelsdorf empfiehlt, auf die jeweilige Situation zu achten. “Es macht viel Sinn, darüber nachzudenken, wann und in welchem Kontext ein Kompliment wirklich angebracht und stimmig ist.”

Die besten Komplimente beziehen sich zudem nicht auf Äußerlichkeiten, sondern viel mehr auf die inneren Qualitäten des Gegenüber, findet Mangelsdorf. Man solle sich die Frage stellen: “Welche Stärken und Werte sehe ich im anderen?”

Trotzdem sieht Mangelsdorf keinen Grund, auf Oberflächlichkeiten zu verzichten. “In der deutschen Mentalität denken wir sehr schnell, es sei besser zu schweigen, wenn wir nichts wirklich Tiefgründiges zu sagen haben”, sagt sie. “Doch auch ein oberflächliches Kompliment, das ernst gemeint ist, verfehlt seine Wirkung nicht und ist besser, als ganz zu schweigen.” Die Lebenszufriedenheit werde gesteigert – und zwar sowohl für denjenigen, der die Anerkennung erhält, als auch für den, der sie ausspricht.

© dpa-infocom, dpa:210228-99-624990/2