Speed-Dating und Dorffest: Neue Ideen z. Hd. die Arbeit des Gewerbevereins Roisdorf

Bornheim-Roisdorf –

In einem Punkt waren sich alle Gewerbetreibenden einig: Auch künftig sollten sich Roisdorfer Unternehmen vor Ort mit ihren Angeboten Kunden präsentieren, sich als Unternehmer auch untereinander kennenlernen und netzwerken. Über die möglichen Formate diskutierten die Mitglieder des Vereins Roisdorfer Gewerbeverein am Donnerstagabend eifrig bei der Jahreshauptversammlung im Herrenhaus Buchholz. Zuvor hatte der Vorstand sie Mitglieder schriftlich befragt, ob weiterhin wie in der Zeit vor Corona alle zwei Jahre ein Gewerbefest stattfinden soll, oder ob der Verein künftig seine Interessen gegenüber Stadtverwaltung, Rat und Medien vertreten soll (wir berichteten).

26 von derzeit insgesamt 66 Mitgliedern hatten geantwortet, 13 votierten weiterhin für ein Gewerbefest, 12 sprachen sich dagegen aus – quasi eine Patt-Situation. Für ein Gewerbefest im Suti-Einkaufszentrum, wie es 2019 erstmals stattgefunden hatte, konnten sich nur acht Mitglieder begeistern. Dafür gab es auch während der Jahreshauptversammlung keinen Zuspruch.

Speed-Dating für Unternehmer stößt auf Interesse

Wie soll es weitergehen? Regina Pütz vom Bowlingcenter „PinUp“ brachte ein Unternehmer-Speed-Dating ins Spiel, wie es sich in anderen Kommunen bereits bewährt habe und auch vor einigen Jahren schon einmal von der Stadt organisiert worden war. Innerhalb kürzester Zeit könnten sich so unterschiedliche Geschäftsleute kennenlernen und Kontakte knüpfen: „Ich kenne solche Speed-Datings aus Troisdorf, die sind immer sehr befruchtend“, schilderte Pütz. Ein Vorschlag, der durchaus auf Interesse stieß. Sascha Erdbories, der gemeinsam mit Regina Pütz das „PinUp“ betreibt, sprach spontan eine Einladung an die Vereinsmitglieder aus, in der ersten Jahreshälfte 2022 verbunden mit einem Unternehmerfrühstück ein solches Event in seinem Hause zu organisieren.

Eine Plattform für alle Dienstleister soll her

Eine reine Gewerbeschau traf bei den rund 20 Teilnehmern auf keine große Gegenliebe, dennoch, so ein Unternehmer, sei es wichtig, eine Plattform zu finden, auf der sich Roisdorfer Firmen und Dienstleister präsentieren können: „Für mich geht es nicht darum, an einem solchen Tag ein Plus zu machen, sondern langfristig neue Kunden zu gewinnen.“ Für Werner Wexeler, der mit seiner Tochter Simone ein Autohaus betreibt, sind Gewerbefeste sehr attraktiv: „Ich würde am liebsten viermal pro Jahr solche Veranstaltungen machen, um unsere Fahrzeuge zu präsentieren.“ Vorsitzender Harald Stadler brachte ein Dorffest ins Spiel, beispielsweise auf dem Gelände der Roisdorfer Mineralquellen, um eine breitere Zielgruppe anzusprechen. Dieser Vorschlag stieß auf positive Resonanz. Der Vorstand wird nun diskutieren, ob ein solches Fest bereits im Spätsommer 2022 organisiert werden könnte mit Live-Musik, Kinderkarussell und Präsentationsmöglichkeiten für die Unternehmer.

Bürgermeister Christoph Becke zu Gast

Ehrengast des Abends war Bornheims parteiloser Bürgermeister Christoph Becker, der nicht nur über die anstehenden Großprojekte und deren aktuellen Stand berichtete, sondern auch seine Vision von einer wirtschaftlich florierenden, nachhaltigen Stadt darlegte. Neben den Neubauten der Heinrich-Böll-Gesamtschule in Merten und des Hallenfreizeitbades stehen derzeit vor allem die Themen Rheinspange und die Ausweisung von Konzentrationsanlagen für Windenergieanlagen im Fokus. Hier ist die Beteiligung der Öffentlichkeit mittlerweile abgeschlossen, gut 300 Stellungnahmen seien bei der Verwaltung eingegangen, die nun dezidiert in Betracht genommen werden. Allein die Stellungnahme des Landschaftsschutzvereins Vorgebirge (LSV) umfasse 83 Seiten. Becker rechnet daher mit einer erneuten Offenlage nicht vor März oder April 2022.

26 Bornheimer Unternehmer hätten Anträge auf Hochwasserhilfen gestellt, sie alle seien vom Land positiv beschieden worden. Becker rechnet damit, dass weitere Hitzesommer oder Flutkatastrophen auf die Menschen zukommen. Das führe zu großen Interessenkonflikten. Zum einen werden Frischluftschneisen benötigt, möglichst wenige Flächen sollten versiegelt werden, der ländliche Raum und die wertvollen Äcker für die landwirtschaftliche Nutzung gelte es zu bewahren. Zum anderen wachse gerade im Köln-Bonner-Raum der Druck, neue Wohn- und Gewerbegebiete auszuweisen: „Ich könnte jeden Hektar fünf- bis zehn Mal vergeben“, betonte der Bürgermeister. Dieses Spannungsfeld zwischen den Akteuren und Interessen müsse die Politik lösen und die Bürger daran beteiligen, wie ihre Stadt im Jahr 2050 aussehen soll.

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Risse im Tartan.

Beckers Vision ist die Gemeinwohlökonomie. Unternehmen vor Ort sollen sich einbringen und überlegen, was sie für ihre Kommune Gutes können, dies auch vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit und erneuerbarer Energien. Gleichzeitig schaut die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Bornheim bei der Ansiedlung neuer Betriebe darauf, was diese für Bornheim bewegen können, wie sie Arbeitsplätze vor Ort schaffen und ob sie nachhaltig agieren. Becker appellierte eindringlich, die Verkehrswende voranzutreiben. Für Bornheim sei ein neues Parkraummanagement nötig, etwa indem die Parkplätze am Rathaus, am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium oder an der Europaschule kostenpflichtig werden. Außerdem müsse die Rad-Pendler-Route „endlich umgesetzt werden“.

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