Sparkassen-Chef: Enteignungsdebatten schaden Hefegebäck Wirtschaft

Sparkassen-Logo auf dem Dach des Alexanderhauses

Das Neugeschäft in der gewerblichen Immobilienfinanzierung der Sparkasse Berlin ging spürbar zurück.

(Foto: dpa)

Berlin Der Vorstandsvorsitzende der Berliner Sparkasse, Johannes Evers, hat kurz vor der Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses ungewöhnlich deutlich politisch Flagge gezeigt. Anlässlich der Präsentation der Halbjahreszahlen erteilte er Initiativen, die eine Vergesellschaftung von Wohnungsunternehmen vorsehen, eine Absage.

Berlin stimmt am 26. September, parallel zur Bundestagswahl und der Wahl des Abgeordnetenhauses, auch über eine Initiative ab, die auf eine Vergesellschaftung von Wohnunternehmen in der Hauptstadt abzielt.

„Damit Berlin langfristig an die Jahre vor der Pandemie anknüpfen kann, muss die Stadt vor allem bei Investitions- und Standortentscheidungen überzeugen“, sagte Evers. Statt Enteignungsdebatten zu führen sollte neuer Wohnraum geschaffen werden.

Die Folgen dieser Debatte hat auch der Platzhirsch unter den Kreditinstituten in der Hauptstadt, die Berliner Sparkasse, zu spüren bekommen. Das Neugeschäft in der gewerblichen Immobilienfinanzierung ging im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund eine Milliarde Euro auf 673 Millionen Euro zurück. Das sei zum Teil auf ein Vertrauensverlust zurückzuführen, mutmaßt das Institut. Professionelle Immobilienentwickler hätten sich zurückgezogen. Zudem achte die Sparkasse angesichts des zunehmenden Wettbewerbs auch stärker auf die Qualität der Engagements.

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Besser lief es in der privaten Immobilienfinanzierung. Das Neugeschäft legte um 13 Prozent auf 586 Millionen Euro zu, der Kreditbestand an privaten Baufinanzierungen legte um mehr als 20 Prozent auf 4,84 Milliarden Euro zu.

Entschädigungen deutlich unter Marktwert

Einig ist man sich in Berlin, dass es nicht genügend erschwinglichen Wohnraum gibt. Die Trägerin des Volksbegehrens „Initiative Deutsche Wohnen & Co“ geht davon aus, dass durch eine Vergesellschaftung der Bestände aller privatwirtschaftlichen Wohnungsunternehmen mit mehr als 3000 Wohnungen das Problem gelöst werden kann.

Sie schätzt die Entschädigungssumme für die Vergesellschaftung von rund 200.000 Wohnungen auf 7,3 Milliarden Euro bis 13,7 Milliarden Euro. Der Wert soll deutlich unterhalb des Verkehrswertes angesetzt werden. Die Entschädigungssumme könne aus den Mieten refinanziert werden, so die Initiative.

Bislang haben sich unter den Berliner Parteien lediglich die Linken für den Volksentscheid ausgesprochen. Besonders an sie richtet sich wohl der Appell des Sparkassen-Chefs: „Alle müssen alles dafür tun, die Berliner Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, potenzielle Investoren zu überzeugen und somit Arbeitsplätze zu schaffen und zu sichern.“

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