So ist die Corona-Stellung in Europa

International

08.11.2021 • 16:01 Uhr
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Die Covid-Pandemie hat Europa fest im Griff AFP

In manchen europäischen Staaten steigen Infektionszahlen rasant.

Was die Infektionszahlen mit dem Coronavirus betrifft, steht Österreich im internationalen Vergleich schlecht da. Mit einem Sieben-Tages-Schnitt von 836 Neuinfektionen je einer Million Einwohner liegt man im Spitzenfeld (Stand: 7. November). Noch vor Österreich liegen Slowenien (1.383), Kroatien (1.084) und die Slowakei (836).

Auch Slowenien verschärft Maßnahmen

Wegen der explodierenden Coronazahlen verschärft auch Slowenien ab Montag die Restriktionen. Wie Gesundheitsminister Janez Poklukar in der Nacht auf Samstag in einer Pressekonferenz mitteilte, werden öffentliche Versammlungen und Privatfeste wie Hochzeiten verboten. Es gelte eine Kontaktbeschränkung, nur noch engste Familienmitglieder dürften sich treffen. Nachtklubs müssen zusperren, die Gastronomie darf nur noch von 05.00 bis 22.00 Uhr offen halten.

Schon seit Mitte September gilt in Slowenien eine strenge 3G-Regel am Arbeitsplatz. Die Mitte-Rechts-Regierung hat mit großer Impfskepsis und einer wachsenden Protestbewegung von Impfgegnern zu kämpfen, die bei der Parlamentswahl im kommenden Jahr die politische Landschaft Sloweniens aufwirbeln wollen. In Slowenien sind erst 54 Prozent der impfbaren Bevölkerung vollimmunisiert.

Alarm schlagen mittlerweile auch die Spitäler, die mit ihren Kapazitäten bereits auf die Obergrenzen gestoßen sind und in den nächsten Wochen mit Verschlimmerung der Lage rechnen. Um zusätzliche Betten für Covid-Patienten zu schaffen, werden bereits die Behandlungen von den restlichen Patienten zurückgeschraubt. Am Freitag wurden 761 Covid-Patienten in slowenischen Krankenhäusern behandelt, davon 177 auf Intensivstationen.

Nur die Hälfte in Kroatien ist geimpft

Dass ein Zusammenhang zwischen hohen Infektionszahlen und geringer Durchimpfungsrate besteht, belegt auch ein Blick auf die Länder mit den höchsten Neuinfektionen im Sieben-Tages-Schnitt. In Slowenien sind 54 Prozent der impfbaren Bevölkerung vollimmunisiert, in Kroatien 45 und in der Slowakei nur 42 Prozent.

Schon vor einer Woche schlug Verband der Krankenhausärzte (HUBOL) in Kroatien Alarm: „Das System existiert nicht, wenn man Beziehungen braucht, um eher an ein Bett zu gelangen, das mit Sauerstoff versorgt wird.“ Knapp 2000 Patienten müssen derzeit in den Spitälern behandelt werden, 246 davon werden künstlich beatmet.

Angriffe auf Impfbusse in der Slowakei

Die nur 5,5 Millionen Einwohner zählende Slowakei melden bereits seit einer Woche 4000 Neuinfektionen an einem Tag. Als besonders dramatisch bezeichneten die Gesundheitsbehörden in Bratislava, dass der Anteil der positiven PCR-Tests innerhalb einer Woche um 125 Prozent gestiegen sei. Sorgen bereiten aggressive Aktionen von Impfgegnern. Neben lauten Demonstrationen vor den Privatwohnungen von Gesundheitsexperten wurden wiederholt mobile Impfbusse angegriffen, worauf laufende Impfaktionen abgebrochen werden mussten. Die Slowakei hat mit nur 42 Prozent vollständig gegen Covid-19 Geimpften eine der niedrigsten Impfquoten der EU.

Corona-Rekordinzidenz in Deutschland

Ein neuer Höchststand in der Corona-Pandemie heizt auch in Deutschland die Debatte über rasche Gegenmaßnahmen an. In Sachsen, dem Land mit der höchsten Corona-Inzidenz, traten am Montag 2G-Konzepte in Kraft. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte eine bundesweite 2G-Regelung sowie 3G am Arbeitsplatz. Die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Fälle schnellte laut Robert-Koch-Institut (RKI) am Montag erstmals über die Schwelle von 200.

Der bisherige Inzidenz-Höchstwert lag am 22. Dezember 2020 bei 197,6. Zwischen den Bundesländern gibt es bei den Inzidenzen weiter große Unterschiede. Den niedrigsten Wert weist Schleswig-Holstein mit 75,5 aus. Die höchste Inzidenz wurde in Sachsen mit 491,3 registriert.

Die politischen Parteien konnten sich jedoch nicht auf ein Vorgehen einigen. Mehrere Unions-Ministerpräsidenten forderten rasche Bund-Länder-Absprachen. Die Ampel-Parteien SPD, Grüne und FDP lehnen dies ab, wollten am Montag aber ihren Gesetzentwurf für die Änderung des Infektionsschutzgesetzes präsentieren. Der Bundestag will am Donnerstag in erster Lesung über ein neues Infektionsschutzgesetz beraten. Am 25. November läuft der Sonderstatus der epidemischen Lage von nationaler Tragweite aus. Aus Fraktionskreisen hatte es am Wochenende geheißen, die drei möglichen Koalitionspartner wollen auf eine bundesweite 2G-Regel verzichten.

Bessere Lage im Westen

Deutlich besser ist die Lage in Spanien, wo es im Sieben-Tages-Schnitt nur 44 Infektionen je einer Million Einwohner gibt, in Schweden (78), Italien (85) und in Portugal (97). In diesen Ländern ist die Impfquote wesentlich höher als in Österreich. In Spanien waren am Wochenende 80 Prozent der Bevölkerung vollimmunisiert, in Portugal sogar 87 Prozent. Italien und Schweden lagen mit 72 bzw. 68 Prozent ebenfalls deutlich vor Österreich, wo am Wochenende 63 Prozent vollständig geimpft waren.

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