Silvester 2021 ist pro Feuerwerkprofi Peter Ruppert wieder ein Reinfall

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. München Landkreis
  4. Unterhaching

Erstellt: 31.12.2021, 05:33 Uhr

Von: Martin Becker

Teilen

Darf nur sehr eingeschränkt Feuerwerk verkaufen: Peter Ruppert (61) aus Unterhaching, Profi-Feuerwerker aus Leidenschaft und Chef der „Himmelsschreiber“. © Martin Becker

Zum zweiten Mal in Folge dürfen zu Silvester keine klassischen Feuerwerksartikel verkauft werden. Profi-Pyrotechniker wie Peter Ruppert aus Unterhaching kritisieren die politische Feuerwerkbremse.

Unterhaching – Immer wieder bilden sich kleine Schlangen vor der Eingangstür zu „Repro Ruppert“ in Unterhaching. Weil dessen Chef Peter Ruppert (61), als „Himmelsschreiber“ seit Jahrzehnten ein passionierter Profi-Feuerwerker, einer der ganz wenigen in der Region ist, die zu Silvester 2021 noch ein legales Minimum an Feuerwerksartikeln verkaufen. Natürlich nur solche der offiziell erlaubten Kategorie F1, also ganzjährig erhältliches Jugend-Feuerwerk ab zwölf Jahren:

Zwei Paletten Restbestand mit Kinderfeuerwerk

Knallteufel, Feuerringe, Goldregen, Irrlichter, die „Nico-Biene“. Kleinkram angesichts des bundesweiten Verbots fürs klassische Silvesterfeuerwerk der Klasse F2, aber besser als gar nichts. „Ganz Europa ist ausverkauft“, sagt Peter Ruppert. „Wir haben halt noch zwei Paletten Restbestand.“

Was Fachleute wie Peter Ruppert nun registrieren, ist ein Feuerwerks-Tourismus ins Ausland. Mal kurz zum Silvestereinkauf nach Österreich? „Kufstein ist ausverkauft“, berichtet der Unterhachinger. Im nächsten Moment erreicht ihn der Anruf eines Kollegen aus Bregenz am Bodensee: „Bei uns ist die Schlange 120 Meter lang, zweieinhalb Stunden Wartezeit – fast nur Deutsche.“ Die Feuerwerkskörper aus Österreich, weiß der Experte, seien sicherheitstechnisch immerhin ziemlich in Ordnung. „Aber so ein Böller aus Polen oder Tschechien, der kann dir schon mal die Hand wegreißen.“

„Die Hexenjagd hat schon vor vier Jahren begonnen“

Und genau das ist der Punkt, über den der Profi-Feuerwerker sich aufregt: das Verkaufsverbot für „pyrotechnische Gegenstände der Kategorie F2“ in Deutschland. „Die Hexenjagd“, sagt der Unterhachinger, „hat schon vor etwa vier Jahren begonnen.“ Eine Anti-Feuerwerk-Lobby habe sich gebildet – und die nutze jetzt die Corona-Pandemie, um Vorurteile zu forcieren.

Leider, sagt Peter Ruppert, werde immer wieder mit Falschinformationen argumentiert. Beispielsweise, dass Silvesterfeuerwerk die Rettungsdienste wegen Verletzungen zusätzlich überstrapaziere. Er verweist auf eine schriftliche Anfrage der Grünen von 2020 an den Bayerischen Landtag (Drucksache 18/6877) zum Unfallaufkommen in der Silvesternacht. Laut Polizei gab es bayernweit insgesamt 25 Verletzte. „25!“, sagt Peter Ruppert. „Bei drei-, vier- oder fünfhundert Verletzten hätte ich mich aus Solidarität zurückgezogen. Aber doch nicht bei 25 Fällen.“

„Feuerwerksverbot ist purer Populismus“

Zudem nennt der 61-Jährige den Dringlichkeitsantrag der FDP-Fraktion an den Landtag (Drucksache 18/19467), in dem vier Abgeordnete sich für die Erlaubnis von Silvesterfeuerwerk einsetzen. Begründung: „Das Feuerwerksverbot ist purer Populismus“, heißt es in dem FDP-Antrag, eine „wichtige Tradition“ werde unterbunden, die Staatsregierung lasse „die pyrotechnische Industrie die Versäumnisse der Politik ausbaden“. Zudem stünden „zahlreiche Arbeitsplätze auf der Kippe“, und im kleinen Kreis unter Einhaltung von Corona-Vorgaben seien „Silvesterfeiern mit privatem Feuerwerk“ sicher möglich.

Nun hat der Bund die Feuerwerksbremse gezogen, doch die Einschätzung der bayerischen FDP, dass „die gesamte pyrotechnische Industrie vor der Insolvenz“ stehe, teilt Peter Ruppert. „Kollegen aus Österreich haben ihre Ware nach Italien verscherbelt und kaufen sie jetzt wieder zurück wegen des Ansturms der Deutschen – das ist doch pervers“, findet der 61-Jährige.

Verlust im sechsstelligen Bereich

Persönlich belastet den Chef der „Himmelsschreiber“ – seine Firma feiert 2022 ihr 40-jähriges Bestehen – die Coronakrise durchaus. Keine Aufträge für Bürgerfeste oder Hochzeiten, kein Ladenverkauf: Nach der Nullnummer vor einem Jahr sei wieder eine Summe X weg, Peter Ruppert nennt einen mittleren sechsstelligen Betrag als Verlust. Staatliche Hilfe? „Die fünf Prozent sind ein Tropfen auf dem heißen Stein, etwas für den hohlen Zahn.“ Von einem Berufskollegen berichtet er, „dass er das Haus seiner Großeltern verkaufen musste, weil er nichts mehr zu essen hatte“.

Kleiner Trost: Auftrag von Bavaria Filmstudios

Selbst hat er mit seinem breit aufgestellten Familienbetrieb die Corona-Pandemie passabel überstanden, unter anderem durch Aufträge der Bavaria Filmstudios in Grünwald für Kulissenbau und pyrotechnische Spezialeffekte. Trotzdem vermisst Peter Ruppert das Emotionale seines Berufs: „Wenn ich sehe, wie Erwachsene vor Freude weinen, das geht mir persönlich ab.“ Keine Lasershow könne ein richtiges Feuerwerk ersetzen.

Was sein privates Silvester daheim angeht, da hat der Unterhachinger einen klaren Plan. „Ein goldenes Feuerwerk mit zwei Minuten Abbrenndauer. Vorher ,Dinner for one‘ Fondue, nach Mitternacht Gulaschsuppe – ganz traditionell.“ In diesem Sinne: Alles Gute für 2022!