Sie redet mit Seniorinnen extra den Tod, Sex und die sozialen Medien

Interview: Hannah Frei

 

Anne Moser, träumen Sie lieber in der Nacht oder am Tag?

Anne Moser: Lieber tagsüber. Wahrscheinlich, weil ich Träume in der Nacht eher mit Negativem verbinde. Früher hatte ich viele Albträume, besonders als Kind. Obwohl dies lange her ist, sind sie für mich immer noch sehr präsent. Auch heute träume ich manchmal schlecht. Fürs Tagträumen nehme ich mir aber ehrlich gesagt zu wenig Zeit. Ich konsumiere viel, also keine Drogen, sondern Medien, zurzeit vor allem Podcasts. Ich habe selten keine Kopfhörer auf. Vielleicht sollte ich öfter beispielsweise im Zug einfach mal auf die Kopfhörer verzichten, aus dem Fenster schauen und die Gedanken schweifen lassen.

 

Was ist denn mit Musik? Dazu lässt es sich ja gut träumen.

Das schon. Aber zurzeit höre ich auch selten Musik, wenn ich unterwegs bin. Mein Podcast-Konsumverhalten ist schon fast ein wenig bulimisch. Ich habe mittlerweile auch mehr Mühe, ein Buch zu lesen, als den Inhalt von Audioformaten aufzunehmen und zu verarbeiten. Das hat bestimmt auch mit meiner Arbeit als Radiomoderatorin zu tun. Aber wahrscheinlich auch mit meinem Podcast-Konsum. Ich höre sogar zum Einschlafen Podcast.

 

Welchen denn?

Eigentlich ist das überhaupt kein Einschlaf-Podcast. Er heisst «Mordlust». Darin sprechen zwei junge Journalistinnen über wahre Mordfälle. Die sind manchmal furchtbar. Wer weiss, vielleicht haben meine schlechten Träume auch damit zu tun, wäre gut möglich. Aber die beiden haben eine so angenehmer Art zu sprechen und beruhigende Stimmen. Deshalb mag ich das zum Einschlafen.

 

Sie hören ja nicht nur Podcast, sondern produzieren seit diesem August auch selbst einen. Er heisst «Le bel âge – das schöne Alter». Wie kam es dazu?

Er entstand in Zusammenarbeit mit der Residence Au Lac, der Altersinstitution hinter dem Bieler Bahnhof. Ich wurde angefragt, ob ich nicht einen Podcast übers Alter machen möchte. Mein erster Gedanke war: Hm, ernsthaft? Nicht grad ein sexy Thema. Aber mit der Zeit wurde mir klar: Das Alter ist wahnsinnig spannend und das Thema hat viel Potenzial, auch für einen Podcast. Es gibt so viele Dinge zu entdecken, über die normalerweise kaum gesprochen wird.

 

Welche Themen denn?

Etwa das Sterben, Sexualität im Alter oder der Umgang von Seniorinnen und Senioren mit sozialen Medien. Und ich rief mir in Erinnerung, wie gerne ich mit meiner Grossmutter über die guten alten Zeiten gesprochen habe. Ich wollte immer wissen, weshalb diese Zeiten denn so gut gewesen sein sollen. Wenn meine Grossmutter erzählte, stellte ich mir die Szenen immer in schwarz-weiss vor. So, wie man es von den Bildern kennt. Und von diesem Erlebnis möchte ich ein Stück in meinen neuen Podcast packen.

 

Haben Sie gar keine Hemmungen, mit Seniorinnen und Senioren etwa über den Tod zu sprechen?

Doch, klar. Ich weiss ehrlich gesagt noch nicht recht, wie ich das anstellen soll. Ich weiss, dass ich nicht gut über den Tod sprechen kann. Aber ich sehe das als Herausforderung: Dadurch muss ich mich mit diesem Thema auseinandersetzen.

 

Weshalb fällt es Ihnen schwer, über den Tod zu sprechen?

Bisher musste ich mich gar nie wirklich mit dem Sterben auseinandersetzen. In meinem nächsten Umfeld ist glücklicherweise noch nie jemand gestorben, ausser meine Grosseltern. Sie waren bereits sehr alt. Ich habe Mühe mit der Vorstellung, dass Dinge einfach so enden. Ich bin auch sehr schlecht darin, Dinge selbst zu beenden, auch Beziehungen.

 

Info: Wollen Sie erfahren, weshalb Anne Moser solche Angst vor dem Loslassen hat und wie sie sich trotzdem immer überwindet, Neues auszuprobieren? Dann hören Sie die neuste Folge «Sags Frei» auf Spotify, Apple-Podcast oder hier:

 

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