Sex-Vorwürfe gegen TV-Star: Nicolas Hulot zieht sich “angewidert” zurück

Gegen den Umweltaktivisten, ehemaligen Minister und TV-Star Nicolas Hulot gibt es neue Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe und Vergewaltigung, die er vehement bestreitet. Am Tag vor der Ausstrahlung einer Reportage zu diesen Beschuldigungen hat der 66-Jährige angekündigt, er werde sich “endgültig” aus dem öffentlichen Leben zurückziehen, um seine Familie, Freunde und seine Umwelt-Stiftung vor den Folgen der “Lynchjustiz” zu schützen.

“Ich werde die Ehrenpräsidentschaft meiner Stiftung, meines Lebenswerks (…) aufgeben, um sie vor Beschmutzungen zu schützen”, erklärte Hulot auf BFMTV.

“Ich tue es nicht, weil ich ein schlechtes Gewissen habe, ich verlasse das öffentliche Leben endgültig, weil ich angewidert bin”. Am Vorabend der Ausstrahlung der Sendung “Envoyé spécial” auf France 2, in der mehrere Frauen zu Wort kommen, die ihn der sexuellen Gewalt und Belästigung beschuldigen, gab der ehemalige TV-Moderator seine Entscheidung bekannt.

“Ausdruck meines Ekels”

“Einige werden das als Hinweis auf eine Schuld werten, es ist der Ausdruck meines Ekels”, erklärte der ehemalige Minister auf BFMTV. “Von nun an lebe ich für meine Freunde, meine Familie, ich gebe mein Engagement auf, ich werde mich nicht mehr äußern. Es ist zu teuer bezahlt, ich wünsche niemandem, den Albtraum zu erleben, den ich durchmache, ich erkenne mich in dieser Gesellschaft nicht mehr wieder.”

Auf die Frage nach dem Inhalt der Recherche von France 2 , antwortete der Grünen-Politiker Hulot, dass vier oder fünf Frauen darin Anschuldigungen gegen ihn vorbrächten, zusätzlich zu der Vergewaltigungsanzeige gegen ihn, die vier Jahre zuvor aufgetaucht war.

Einige Vorfälle sollen bis ins Jahr 1989 zurückreichen. Nicolas Hulot sagte: “Ich habe diese Taten weder aus der Nähe noch aus der Ferne begangen, diese Behauptungen sind unwahr”.

#MeToo in der Politik

Die Grünen-Politikerin Sandrine Rousseau wurde auf France Info zum #MeToo in der Politik befragt. “Das Wort der Frauen muss immer respektiert werden”, meinte Sandrine Rousseau. “Wenn diese Aussagen so spät kommen, zeigt das, wie schwierig es ist, zu sprechen, und besonders, wenn man über eine Person spricht, die eine der beliebtesten Persönlichkeiten in Frankreich ist”.

Die Politikerin sagte auch, dass es im Fall Hulot wieder “nur Worte der Herabsetzung der Opfer, nur Worte der Lüge, nur Worte der Scham” gebe – und kein Wort der Entschuldigung oder des Verständnis für die Frauen. Diese Männer “leugnen alle Taten, die ihnen vorgeworfen werden”.

Auch die Grüne Sandrine Regol erklärte, es sei sehr schwer zu ertragen, dass sich jedes Mal, wenn ein Mann angeklagt werde, sich dieser als Opfer darstelle.

Berlin Ernachrichten