Sex und Kohlrouladen: So knöpfte sich Böhmermann BILD vor

Relevant sei der Springer-Verlag eigentlich nur noch für Teile der Gesellschaft, allerdings wesentliche: „Die gute, alte Macht der BILD-Zeitung, der Draht nach ganz oben: Die Politik. Da kommen Jens Spahn und der Söder Markus noch direkt durch.“ Zum Beweis wurde auf den regelmäßigen „Handy-Alarm“ bei BILD-TV hingewiesen: „Während Armin Laschet bei der Ministerpräsidentenkonferenz noch versucht hat, auf seinem Walkman Zoom zu installieren, bimmelte bei BILD-Vize Paul Ronzheimer pausenlos das Handy, und er trötete bei BILD-TV raus, was ihm Politiker ins Ohr geflüstert haben.“ Die Zeitung mache „keinen Journalismus, sondern Politaktivismus, und zwar seit Jahrzehnten, und zwar am liebsten, das wissen wir alle, mit der CDU“, so Böhmermann.

“BILD ist nicht konservativ, sondern populistisch”

Die Publizistik-Professorin und evangelische Theologin Johanna Haberer sagte: „Ich kann nur berichten, dass die Durchstecherei von Nachrichten an die BILD-Zeitung aus den Koalitionsverhandlungen jetzt abrupt aufgehört hat, seit die CDU nicht mehr in der Verhandlung mit dabei ist.“ Die Fachfrau hält die politische Linie des Boulevardblatts für verhängnisvoll: „Die BILD-Zeitung argumentiert nicht konservativ, sondern populistisch, weil sie sich an die Protestfragen in der Gesellschaft hängt und das Protestpublikum bedient. Das ist mein Eindruck, dass sie durch die Art ihrer Berichterstattung, nehmen wir die Flüchtlinge und Corona, AfD-Anhängern und Querdenkern in die Karten spielt.“

Mit viel Sarkasmus kommentierte Böhmermann: „Weil die Welt und sogar der Kapitalismus sich verbotenerweise weiterentwickelt haben, ist die Axel Springer SE vor der Cancel Culture eingeknickt, unglaublich, eigentlich.“ Der Redakteur der „New York Times“, Ben Smith, glaubte, dass ein amerikanischer Redakteur „für ein Zehntel“ von dem gefeuert worden wäre, was Julian Reichelt vorgeworfen wird. Und wie kann der Konzern nach Ansicht von Böhmermann wieder zur alten Stärke finden? „Axel Springer muss wieder back to the roots. Es müssen wieder Nachbarinnen geheiratet werden, vorgedruckte Sex-Postkarten verschickt werden. Scheidungsurkunden fälschen muss wieder Alltag werden, das muss wieder legalisiert werden.“ Anspielungen, die alle verstehen werden, die die in der Tat “farbenfrohe” Berichterstattung über das Innenleben des Springerkonzerns in den letzten Wochen verfolgt haben.

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