Sex-News an eine 12-Jährige – Region Cham – News

Ein 18-Jähriger schreibt einem Mädchen immer wieder anstößige Mitteilungen. Dabei soll er gewusst haben, wie alt sie ist.

01. November 2021

10:30 Uhr

Der junge Angeklagte soll nicht aufgehört haben, dem Mädchen Nachrichten zu schicken, nachdem er ihr Alter erfuhr – im Gegenteil. Foto: Andreas Gebert/picture alliance / dpa

Cham.Ein zum Tatzeitpunkt 18-Jähriger musste sich am Chamer Amtsgericht vor Richterin Birgit
Fischer für einen Fall sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen verantworten. Per
Chat und Smartphone soll er den an einer damals erst Zwölfjährigen begangen haben.
Und laut Anklage er soll gewusst haben, wie alt das Mädchen ist.

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Eigentlich war die Geschädigte gar nicht die Chatpartnerin des jungen Mannes, vielmehr
wollte ihre gleichaltrige Freundin mit ihm chatten, durfte aber von ihren Eltern aus
nicht, die ihr das Handy wegnahmen. So nahm sie Kontakt mit dem Smartphone der Geschädigten
auf, die den Chat dann weiterführte, weil ihre Freundin das nicht konnte. Zunächst
ging es um Belangloses wie das Wetter oder wie es einem geht. Doch dann wurde der
junge Mann konkreter, wollte ein Bild der Chatpartnerin, das sie ihm auch schickte
– aber voll bekleidet.

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1046 Nachrichten in einem Monat

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Und schließlich, nach ein paar Wunschvorstellungen sexueller Praktiken, fragte er
sie, wie alt sie sei. Als sie sagte, dass sie bald 13 werde, schrieb er noch, dann
reiche einmal Analverkehr, bis sie 13 ist. Warum er denn solche Sachen geschrieben
habe, wollte die Staatsanwältin wissen. Das sei nicht ernst gemeint gewesen, behauptete
der Angeklagte. „Soll das dann ein Witz gewesen sein?“, war die Anklägerin fassungslos.
„Ich habe sie halt nett gefunden und deswegen den Kontakt aufgebaut“, wollte er sich
entschuldigen. „Wenn ich ein Mädchen nett finde, dann schreib ich ihr doch nicht so
was!“

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Der ermittelnde Polizist sagte aus, dass die Freundin der Geschädigten auf der Wache
erschienen sei und ihm den Chat, den ihr die Geschädigte geschickt hatte, gezeigt
habe. 1046 Mitteilungen seien darin innerhalb des einen Monat dauernden Dialogs gewesen.
Die meisten belanglos, aber immer wieder eben auch sexorientierte seitens des jungen
Mannes. Der habe auch öfter von Treffen gesprochen, es wurde aber noch kein konkretes
Datum ausgemacht.

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Die Minderjährige sagte aus, dass es neben dem Chat auch mal zu einem Video-Anruf
per Smartphone gekommen ist, als ihre Freundin bei ihr übernachtet hatte. Da habe
der Chatpartner seinen Penis aus der Hose geholt und daran gespielt. Sie hätten dann
das Telefonat abgebrochen. Staatsanwältin und Richterin wollten von dem Mädchen wissen,
warum es sich denn nicht klar gegen das sexuelle Ansinnen des jungen Mannes ausgesprochen
und dies abgelehnt habe. Da meinte sie, sie habe ihn nicht vor den Kopf stoßen wollen.

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Aber sie habe schon Angst gehabt, dass er bei ihr zu Hause vorbeischaut, weil er ihre
Adresse wusste. Als dann diese harten Sexfantasien im Chat kamen, habe sie sich eben
an ihre ältere Freundin gewandt, die dann zur Polizei gegangen sei. Selber habe sie
sich nicht zu so einem Schritt getraut.

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Da der Angeklagte zur Tatzeit erst 18 Jahre alt war, wurde auch die Jugendgerichtshilfe
um ihre Einschätzung seiner Persönlichkeit gefragt. Da wurde klar, dass sein soziales
Umfeld in der Familie intakt ist, aber dass er nach Ende der Schulzeit in ein Loch
gefallen sei, die er mit Drogenkonsum und -verkauf kompensieren wollte. Deswegen war
er in einer Therapie in Regensburg. Sie habe die jetzige Anklage daher überrascht,
meinte die Sozialpädagogin, denn in diese Richtung war der junge Mann nie aufgefallen.
Ein eigenständiges Leben sei bei ihm noch eine Zeit lang nicht zu erwarten, weshalb
sie Jugendstrafrecht vorschlage und eine Jugendpsychotherapie, da er auch an Angststörungen
leide.

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Freiheitsentzug und Therapie

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Erziehungsmaßnahmen als Bestrafung sah die Staatsanwältin nicht mehr als ausreichend
in diesem Fall, da der Angeklagte schon fünfmal vorbestraft sei – wenn auch im Betäubungsmittelsektor,
aber mit steigender Intensität. Zudem hätten die bisherigen Maßnahmen keinen Eindruck
bei ihm hinterlassen. So forderte sie sechs Monate Freiheitsentzug, zur Bewährung
auf zwei Jahre, die Teilnahme an einer Psychotherapie und 500 Euro Geldbuße. Dem schloss
sich Richterin Fischer an, die 500 Euro gehen an einen Verein gegen sexuellen Missbrauch.
(chi)

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