Serie “Mein Geld” – Folge 11: Welches nachhaltige von normalen ETF unterscheidet – Wirtschaft

Indexfonds, auch ETF genannt, sind beliebt: Finanzexperten empfehlen sie wegen ihrer im Vergleich zu herkömmlichen Fonds niedrigen Gebühren. 205 Milliarden Euro steckten laut dem Branchenverband BVI zur Jahresmitte in ETF, die in Deutschland verkauft wurden, ein Anstieg um mehr als die Hälfte innerhalb von drei Jahren. Und auch bei ETF ist ein Trend zur Nachhaltigkeit erkennbar: Gelder fließen zunehmend in Indexfonds, die vor allem Aktien von Unternehmen kaufen, die dem Klima weniger schaden als andere.

Das Wachstum ist beeindruckend: Das weltweit auf Basis von ESG- und Klima-Indizes des Anbieters MSCI in ETF verwaltete Vermögen verdreifachte sich beinahe innerhalb eines Jahres auf 164 Milliarden Dollar (139 Milliarden Euro) im zweiten Quartal. ESG ist die englische Abkürzung für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. MSCI ist nach eigenen Angaben der führende Anbieter von Indizes mit Nachhaltigkeitsanspruch.

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Fondsgesellschaften wie DWS, Deka und Blackrock bauen ETF auf der Basis von MSCI-Indizes. Die raschen Geldzuflüsse in Nachhaltigkeits-Fonds veranlassten die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich kürzlich sogar zu einer Warnung vor einer möglichen Blase.

“MSCI Germany” vs. “Germany Climate Change ESG Select”

Indexfonds bilden einen Index ab, investieren also in Aktien (oder Anleihen) der gleichen Unternehmen in der gleichen Gewichtung wie der Index. Welche Aktien in einem gewöhnlichen Index wie beispielsweise dem Dax in welcher Gewichtung vertreten sind, richtet sich hauptsächlich nach dem Börsenwert der Unternehmen. Der Dax beispielsweise beinhaltet die 40 deutschen Aktiengesellschaften, die am höchsten bewertet werden und bestimmte Kriterien der Handelbarkeit und Profitabilität erfüllen.

Nachhaltige Geldanlage wurde in den vergangenen Jahren immer beliebter.imago images/tuk69tuk

Bei Nachhaltigkeits-Indizes hingegen bestimmt sich die Gewichtung auch danach, für wie nachhaltig Unternehmen eingestuft werden – und wer als besonders schlimmer Sünder betrachtet wird, darf gar nicht erst hinein. Dies lässt sich am Beispiel eines ETF von Deka Investments, der Fondsgesellschaft der Sparkassen, veranschaulichen, der auf dem MSCI-Index „Germany Climate Change ESG Select“ basiert.

Ein Vergleich mit dem Index MSCI Germany, der keine Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt, zeigt den Unterschied: Während im Standard-Index der Autohersteller Daimler und der Chemie- und Erdgaskonzern BASF mit jeweils gut vier Prozent das viert- und fünftgrößte Gewicht haben, sind beide in der klimaschonenderen Version nicht unter den Top Ten, wie aus den Daten zum 31. August hervor geht.

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Unter den Schwergewichten des Climate-Change-ESG-Select-Index ist hingegen mit einem Anteil von 3,46 Prozent Siemens Energy – im Standardindex kommt das Unternehmen nur auf 0,72 Prozent. Siemens Energy gehören zwei Drittel des Windkraftanlagen-Bauers Siemens Gamesa. Zudem stellt das Unternehmen andere Komponenten für die Stromgewinnung und -übertragung her.

Was bringt das der Umwelt?

Macht es die Welt wirklich nachhaltiger, Geld in ETF mit einem solchen Anspruch anzulegen? Der ehemalige Chef für nachhaltiges Investieren beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock, Tariq Fancy, hat kürzlich Zweifel daran geäußert. Matthias Kopp, der beim WWF Deutschland den Bereich Sustainable Finance leitet, hält sie aber für einen Schritt in die richtige Richtung. Wenn Geld durch einen Kredit oder eine Anleihe in ein nachhaltiges Projekt oder Unternehmen fließt, sei der Effekt direkter als beim Kauf von Aktien.

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Doch auch bei Aktienkäufen könne eine Wirkung vorhanden sein, weil ein steigender Börsenwert es dem Unternehmen allgemein erleichtern könne, an Geld zu kommen. „Wenn Sie die Ebene jetzt noch mal höher ziehen auf den ETF, dann ist am Ende diese Wirkungskette immer noch existent, aber sie schwächt sich ein Stück weit ab“, sagte er. Die „zentrale Frage“ sei dann die nach den „angelegten Kriterien“ bei Auswahl der Aktien, in die der Indexfonds investiert.

Die Europäische Union hat in den vergangenen Jahren mehrere Vorschriften erlassen, nach denen bestimmte Wertpapiere und Anlageprodukte auf die eine oder andere Weise als nachhaltig eingestuft werden können. Dazu zählt die Offenlegungsverordnung SFDR, die Bedingungen dafür formuliert, welche Finanzprodukte sich als nachhaltig bezeichnen dürfen: Artikel acht regelt die bisweilen als hellgrün bezeichneten Produkte, die Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen; Artikel neun die „dunkelgrünen“ Produkte, die eine nachhaltige Wirkung anstreben.

Die Bemühungen werden nicht ausreichend honoriert

Der auf dem MSCI-Index „Germany Climate Change ESG Select“ basierende Deka-ETF ist als dunkelgrüner Fonds eingestuft, ebenso beispielsweise der ETF „Euro Istoxx Climate Paris Aligned“ von Amundi. Dieser Indexfonds basiert, wie einige andere auch, auf einer weiteren Vorgabe der EU, die auf Produkte abzielt, deren Nachhaltigkeitswirkung sich auf das Klima fokussiert: der Referenzwert für klimabedingten Wandel und der strengere Paris-abgestimmte Referenzwert (Paris-aligned und Climate Transition Benchmarks).

Bei solchen Anlageprodukten muss das Portfolio sich „auf einem Dekarbonisierungspfad“ befinden, wie es in der Verordnung heißt. Von Index-Marken wie Stoxx, MSCI und S&P gibt es entsprechende Indizes, auf denen ETF aufbauen. Die EU-Regeln sehen vor, dass beim Portfolio eine Reduzierung der Treibhausgasintensität um zunächst 50 Prozent (Paris-abgestimmt) beziehungsweise 30 Prozent (klimabedingter Wandel) im Vergleich zum Referenzindex ohne Klimafokus angestrebt wird, und dass in bestimmte Unternehmen gar nicht investiert wird.

Aus ökologischer Sicht findet WWF-Experte Kopp dies „nicht perfekt“, weil die Unternehmen nach ihrem aktuellen Geschäft beurteilt würden und etwaige Bemühungen um mehr Klimaschutz unzureichend honoriert würden. Weil diese „dynamische Perspektive“ fehle, würden Gelder nicht „ganz bewusst in die Transformation bestimmter Sektoren“ gelenkt, bemängelte er.

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