Schlussrede zum Besten von verbesserte Wissenschaftskommunikation

/picture alliance, ZB, Z6944 Sascha Steinach

Bonn – Die Kommunikation wissenschaftlicher Themen muss sich nach Einschätzung von Fachleuten künftig verbessern. „Es ist unabdingbar notwendig, das Vertrauen der Bevölkerung in Politik und Wissen­schaft zu nähren und zu stärken“, sagte die Soziologin Jutta Allmendinger gestern in Bonn. Es gelte, trans­parent und in verständlicher Sprache zu kommunizieren und die Menschen stärker einzu­beziehen.

Während der Coronapandemie habe es beispielsweise zu lange gedauert, Informationen in unterschied­lichen Sprachen zugänglich zu machen, kritisierte die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB).

Allmendinger, die im Februar in die Päpstliche Akademie berufen wurde, äußerte sich bei einer Tagung des Deutschen Hochschulverbandes (DHV) zum Thema „(K)eine Zäsur!? Die COVID-19-Pandemie und ihre Folgen im Spiegel der Wissenschaft“.

Die Virologin Sandra Ciesek erklärte, dass Beschimpfungen und Bedrohungen gegen Wissenschaftler wäh­rend der Coronapandemie eine neue Dimension erreicht hätten. „Das ist ein großes Problem, das uns weiter beschäftigen muss“, mahnte sie. Betroffen seien insbesondere jene Mediziner, die sich für das Im­pfen stark gemacht hätten.

Ciesek verwies auf eine Umfrage der Zeitschrift Nature unter 300 Wissenschaftlerinnen und Wissen­schaft­lern. 15 Prozent der Befragten hätten angegeben, dass ihr Leben in den vergangenen Monaten bedroht worden sei. Nur 22 Prozent erlebten demnach ihre Arbeitgeber als hilfreich.

„Wir müssen darüber diskutieren, wie man diejenigen unterstützen kann, die in die Öffentlichkeit gehen und regelrechte Shitstorms aushalten müssen“, betonte die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt.

Gefragt seien beispielsweise Institutionen wie die Ärztekammern oder der DHV, sagte Ciesek. „Fake News“ und Gerüchte beträfen allerdings die gesamte Gesellschaft. Sie sehe eine große Chance in der Wissenschaftskommunikation, so die Forscherin: Während der Coronapandemie habe sich auch gezeigt, dass viele Menschen genaue Zusammenhänge und wissenschaftliche Hintergründe verstehen wollten.

Diese Hoffnung äußerte auch der Medizinhistoriker Heiner Fangerau. Heute ließen sich viele Parallelen zu früheren Pandemien beobachten, die die Menschen vergessen hätten. Ein Beispiel dafür sei die „Skandalisierung“ von Krankheiten wie der Cholera oder auch HIV/Aids.

Ähnliches habe die Berichterstattung mit Begriffen wie der „britischen Mutante“ oder Schlagzeilen wie „made in China“ im Bezug auf das Coronavirus bewirkt. Die Neigung, andere für eine Krankheit verant­wortlich zu machen, ziehe sich durch die gesamte Seuchengeschichte.

Heute habe sich die Kommunikation beschleunigt, sodass Debatten schneller eskalieren könnten, sagte Fangerau weiter. Die Geschichte habe jedoch zugleich gezeigt, dass gesundheitliche Aufklärung Erfolg haben könne. Auch dies verdeutliche insbesondere das Beispiel HIV/Aids. © kna/aerzteblatt.de

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