Sachsen will Impfkapazitäten verdoppeln | Freie Zeitungswesen

In keinem anderen Bundesland sind die Corona-Zahlen derzeit so hoch wie in Sachsen. Der Freistaat will mehr Impfstoff ordern, um die große Nachfrage nach Booster-Impfungen zu bedienen. Gastwirte müssen sich zudem auf unangekündigte Kontrollen einstellen.

Dresden (dpa/sn) – Sachsen will angesichts steigender Nachfrage die Impfkapazitäten in den 30 mobilen Teams verdoppeln. Noch in dieser Woche sollen pro Tag dann 6000 Impfungen möglich sein, erklärte Gesundheitsstaatssekretärin Dagmar Neukirch (SPD) am Dienstag nach einer Sitzung des Kabinetts in Dresden. «Wir bemühen uns derzeit um zusätzlichen Impfstoff», so Neukirch. Bisher könnten die mobilen Teams des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) rund 3000 Spritzen gegen das Coronavirus täglich verabreichen. Die Nachfrage vor allem nach Booster-Impfungen ist groß – sie machen den Angaben zufolge etwa 65 Prozent aus. Rund 91 400 Menschen in Sachsen haben bereits eine Auffrischungsimpfung erhalten.

Ein Problem sei es auch, zusätzliches Personal für die Teams zu finden, erklärte Neukirch. Viele Ärzte seien aufgrund steigender Infektionszahlen bereits wieder an der Belastungsgrenze. Derzeit impfen rund 1000 Ärzte in Sachsen gegen das Coronavirus und damit deutlich weniger als noch zu Hochzeiten. Sie können zudem wegen der 14-Tage-Bestellfrist nicht schnell genug auf die steigende Nachfrage reagieren. Die Fristen sollen laut Plänen des Bundes ab Mitte November auf eine Woche verkürzt werden.

Anders als etwa Bayern will Sachsen seine Impfzentren nicht wieder hochfahren. Der Freistaat setzt weiterhin auf seine mobilen Teams und die Ärzte – die laut Kassenärztlicher Vereinigung bei genügend Impfstoff bis zu 100 000 Impfungen pro Woche übernehmen könnten.

Neukirch sprach von einem besorgniserregenden Zustand. «Die Lage ist sehr, sehr ernst», die Infektionszahlen lägen weit über dem Niveau des Vorjahres. Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 483,7 ist Sachsen bundesweit Negativ-Spitzenreiter. «Wir erwarten einen weiteren Anstieg der Infektionszahlen in den Kommunen und Landkreisen.» Bei den Ungeimpften betrage die Inzidenz fast 1000, erklärte Neukirch. Sie rechnet damit, dass die Überlastungsstufe mit 1300 belegten Betten auf den Normalstationen noch im Laufe dieser Woche erreicht wird. Dann gelten unter anderem Kontaktbeschränkungen. Aktuell sind den Angaben in Sachsen zufolge 1149 Betten mit Corona-Patienten belegt, 269 sind es auf den Intensivstationen. In mehr als einhundert Alten- und Pflegeheimen in Sachsen gibt es Corona-Erkrankungen – bei den Bewohnern wurden 368 Fälle registriert.

Zugleich laufen die Kontrollen zur Umsetzung der 2G-Regeln an, die seit Montag in Sachsen gelten. Demnach haben nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt zu Restaurants oder Veranstaltungen. Laut Thomas Rechentin vom Innenministerium wird seit Montag bereits im Hotspot Sächsische Schweiz/Osterzgebirge kontrolliert, in den nächsten Tagen soll auch in den anderen Landkreisen sowie in Dresden, Leipzig und Chemnitz die Einhaltung der Regeln etwa in Gastronomiebetrieben verstärkt kontrolliert werden.

Dafür sind pro Tag mindestens drei Kontrollteams pro Landkreis oder Region im Einsatz – mit Vertretern vom Gesundheits- und Ordnungsamt. Das Land unterstützt die Dreierteams vor Ort mit Bereitschaftspolizisten. Werden bei Gastwirten oder auch Besuchern Verstöße gegen die geltenden Corona-Regeln festgestellt, drohen Bußgelder. Das sei keine «Corona-Polizei», betonte Rechentin. Vielmehr gehe es bei den unangemeldeten Kontrollen um ein Signal und präventive Wirkung. Rechentin vertrat Innenminister Roland Wöller (CDU), der sich nach einem Coronafall in der Familie bis Ende der Woche in Quarantäne befindet.

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