Saarbrücker Traditionsmusikhaus Knopp will die City verlassen

23. Dezember 2021 um 16:40 Uhr


Umzug 2023 geplant
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Traditionsmusikhaus Knopp will die City verlassen


Christoph Knopp (links) ist Sepzialist für Holzblasinstrumente, sein Vater Arthur Knopp (Mitte) ist Eigentümer des Geschäfts und Klaus Brill (rechts) ist Fachmann für Gitarre und Professional Audio.
Foto: jean m. laffitau

Saarbrücken Traditionsmusikhaus Knopp in Saarbrücken will aus der City raus – aus diversen Gründen an den Stadtrand; wieder ein Stück unverwechselbarer Einzelhandel in der Innenstadt weniger. Was sind die Gründe, was sind die Planungen?



Seit Generationen geht man in Saarbrücken „zum Knopp“, wenn man ein neues Instrument braucht oder auch nur Noten. Schon seit den 1960er Jahren gilt das Musikfachgeschäft in der Futterstraße 4, das erst Musikhaus Louis hieß, bevor es in den 1980ern Arthur Knopp übernahm, als eine der ersten Adressen für alles, was zum guten Ton gehört. Das Musikhaus Knopp wird es auch weiterhin geben, doch künftig nicht an der selben Adresse. Noch suche man zwar nach einer passenden Immobilie, fest stehe aber, dass man Ende 2023 umziehen werde, bestätigt Geschäftsführer Christoph Knopp auf Nachfrage der SZ.

Wie die SZ erfahren hatte, ist das Gebäude in der Futterstraße 4 vor einiger Zeit verkauft worden. Die neue Eigentümerin, eine gemeinnützige GmbH, will es selbst für verschiedene Projekte nutzen. Der Plan, das Geschäft zu verlagern, sei aber schon vorher gereift, betont Knopp junior, der sich die Geschäftsführung mit Klaus Brill teilt. Die beiden möchten mit dem Fachgeschäft etwas weiter hinaus ziehen, hinaus aus der Fußgängerzone, an den Rand der City. Sie verließen die Innenstadt aber nicht aus Frust, betonen sie, sondern aus pragmatischen Gründen. Es habe mit der Umstrukturierung des Musikhauses vom Vollsortimenter zum stationären Fachhandel zu tun. „Früher waren wir ein richtiges Vollsortimentgeschäft, so hatte mein Vater das aufgebaut“, sagt Christoph Brill, der nach einer Ausbildung zum Holzblasinstrumentenbauer-Meister Ende der 90er Jahre ins Geschäft mit einstieg. Zusammen mit Klaus Brill, der bei den Knopps lernte und auf deren Bitte 2013 zurückkehrte, um eine E-Gitarrenabteilung mit aufzubauen, begann Christoph Knopp ab 2015, den Sortimenter wieder zurückzubauen, um sich auf Kernkompetenzen zu spezialisieren.



Diese Kernkompetenzen sind nach Angaben von Knopp und Brill: Blasinstrumente, Gitarren, Digitalpianos, Professional Audio (Fachbegriff für professionelle Audio-Equipement wie etwa Verstärker), Percussion und Noten. Man lebe heute vom Instrumentenkauf plus Service und Reparatur, sagt Klaus Brill, der Fachmann für Gitarren und Professional Audio. 99 Prozent der Holzblasinstrumentenreparatur führt Christoph Knopp in der eigenen Werkstatt im Haus aus, für andere Reparaturen arbeite man mit ausgesuchten Fachwerkstätten zusammen. Das zahle sich aus, denn Reparatur sei Vertrauenssache. „Eine Reparatur bekommt man nicht online, als Musiker hat man eine emotionale Bindung an sein Instrument, das gibt man ungern aus der Hand“, erklärt Brill weiter.

Und weil man sich so sehr spezialisiert habe, nehmen Kundinnen und Kunden auch weite Wege auf sich, um ihr Instrument zur Reparatur vorbeizubringen oder sich überhaupt eins zuzulegen, wissen Brill und Knopp. Ein neues Instrument, das ja auch eine größere Investition darstellt, kaufe man sich außerdem nicht auf die Schnelle. Dass jemand jemand eine Stunde lang im Laden bleibe, um mehre Querflöten auszuprobieren und sogar mehrmals wiederkomme, sei nicht ungewöhnlich. Das sei auch gut so, das genau mache die Qualität eines Fachgeschäfts aus, finden die beiden Geschäftsführer.



Seit es Corona-Beschränkungen gibt, hätten sich außerdem die Beratungsgespräche für den Instrumentenkauf nach Terminvereinbarung als vorteilhaft für beide Seiten, die Verkäufer wie die Kunden, herausgestellt. Diese Kundengespräche mit hoher Verweildauer sollen daher auch nach Corona beibehalten werden. Laufkundschaft spiele für das Musikhaus Knopp dagegen heute kaum noch eine Rolle. „Wir haben früher so 70 Prozent Umsatz von der Laufkundschaft gemacht, heute machen wir mindestens 70 Prozent Umsatz von den Kunden, die ganz gezielt und von weither kommen“, unterstreicht Knopp.

Aus diesen und weiteren Bedürfnissen resultiert für die Geschäftsführer: Man müsse nicht in der Innenstadt ansässig sein, wichtiger sei es, einen guten, nahe gelegenen Autobahnanschluss zu haben und eigene Parkplätze, damit die Kunden und Kundinnen ihre E-Pianos oder 50-Kilo-Verstärker, wenn sie sie zur Reparatur bringen oder neue selbst transportieren wollen, in Ruhe ein- und ausladen können. Darüber hinaus ist Knopp und Brill aber auch eine gute ÖPNV-Anbindung per Bus und Saarbahn wichtig. Damit Kunden auch ohne Auto weiterhin zu ihnen finden oder umgekehrt, Kunden vom Musikhaus Knopp aus nicht unbedingt mit dem Auto in die City fahren müssen. Denkbar sei sogar, dass man bei ihnen parke und dann mit dem Fahrrad oder gar zu Fuß den Weg zum Shoppen in die City fortsetze, fügen sie hinzu. Eine Lage, die all diese Kriterien wunderbar erfüllen könnte, haben Knopp und Brill schon im Auge: Es ist das Gebiet am Osthafen und am Römerkastell.



Um das künftige Musikhaus Knopp zu einer „Wohlfühloase“ zu machen, sollte eine Gebäude aber noch andere Bedingungen erfüllen. „Wir werden uns nicht verkleinern, wir wollen bei 600 Quadratmeter Ladenfläche bleiben, plus 200 Quadratmeter Lager, möglichst ohne Etagen, wegen der Barrierefreiheit, aber auch um flexibel Sonderpräsentationen zu zeigen“, erläutert Christoph Knopp. Nicht alles, was das Musikhaus Knopp derzeit im Sortiment hat, will es an den neuen Ort mitnehmen. Diese Dinge, etwa Klangschalen, werde man jedoch nicht einfach aufgeben, sondern anderen Geschäften, mit denen man schon im Gespräch sei, anvertrauen, versichert Knopp junior.

Ein Angebot aber wird doch auf der Strecke bleiben. Das ist die Musikschule im Kaiserviertel, die bis heute Arthur Knopp führt. Sein Vater wolle sich mit über 70 Jahren nun doch mal richtig zur Ruhe setzen, erklärt sein Sohn Christoph. Knopp senior habe denn auch für die Schule, die in Hochzeiten bis zu 250 Schüler und Schülerinnen zählte, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin gesucht. Leider vergeblich. Sie werde deshalb schon im Sommer 2022 schließen. Auch wenn das Musikhaus Saarbrücken erhalten bleiben wird, so bedeutet es für die City einen Verlust. Sie verliert ein weiteres inhabergeführtes Traditionsgeschäft.