Robert-Koch-Realschule nimmt an NFTE-Projekt teil

Wenn das Lastenfahrrad Hannah im Musikraum einer Schule steht, dann muss etwas anders sein als sonst. Tatsächlich haben sich die Schüler der Klasse 9b der Robert-Koch-Realschule dort nicht zum normalen Unterricht versammelt, an diesem Tag steht eine Präsentation auf dem Programm. Seit vier Wochen nehmen sie an einem Projekt des Network for Educating Entrepreneurship (NFTE) teil. Dabei entwickeln die Schüler eine Geschäftsidee und stellen ein Finanzkonzept auf. Und zu einer der Ideen gehört eben das sperrige Lastenfahrrad.

Langenhagener Schüler: „Wir wollen vielen Menschen helfen“

„Einkauf auf zwei Rädern“: So lautet das Prinzip von Mert Kaan Konar, Aykut Topal und Khairi Kamiran. „Das machen wir für Menschen, vor allem ältere, die nicht mehr selbstständig einkaufen können“, erklärt Mert und schränkt sogleich ein, „dass die Lieferdienste von Supermärkten unsere größte Konkurrenz sind.“ Wie es bei ihnen gehen soll, zeigen sie am Lastenfahrrad Hannah. Beispielhaft befinden sich in der Transportkiste bereits reichlich Wasserflaschen. „Wir haben uns das Rad gestern von der Stadt Langenhagen ausgeliehen. Es ist gar nicht so einfach, darauf zu fahren. Ich wäre rapidly runtergefallen“, berichtet Aykut und lacht. Der Geschäftsidee tut dies keinen Abbruch. „Wir wollen einfach vielen Menschen helfen.“

Das ist das NFTE-Projekt

NFTE ist ein Wirtschaftskurs und umfasst 50 Unterrichtsstunden mit zertifizierten NFTE-Lehrkräften. Die Abkürzung steht für „Network for Instructing Entrepreneurship“ – sinngemäß also „Lehrnetzwerk Unternehmerschaft“. Dabei handelt es sich um einen gemeinnützigen Verein, der sich für die Eigeninitiative, die Selbstständigkeit und das unternehmerische Denken junger Menschen einsetzt. NFTE wurde 1987 in den Usa gegründet, in Deutschland 2004. Bundesweit haben seitdem etwa 25.000 Schülerinnen und Schüler an den Kursen teilgenommen, die sie mit Planspielen auf die Arbeitswelt vorbereiten, beispielsweise mit der Entwicklung einer Geschäftsidee, der Aufstellung von Finanzplänen und der selbstbewussten Präsentation vor anderen Menschen.

Gunter Nootny und Rosi Fuchs-Hülster haben das NFTE-Projekt an der Robert-Koch-Realschule geleitet.
Quelle: Stephan Hartung

Sozialarbeiterin ist ausgebildete NFTE-Trainerin

Es sind Ideen wie diese, die Rosi Fuchs-Hülster begeistern. „Die Schüler sind mit ihren Projekten gewachsen und treten immer selbstsicherer auf“, sagt die Schulsozialarbeiterin, die gleichzeitig ausgebildete NFTE-Trainerin ist. Fuchs-Hülster verweist darauf, dass es sich bei der Klasse um Schüler mit erhöhtem Förderbedarf handele und der Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund sehr hoch sei. Auch in dieser Hinsicht sei es umso erstaunlicher, wie die Schüler ihre Planspielfirma vor einer Jury präsentieren und sich deren Rückfragen stellen. Die Jury besteht aus Vertretern der Area Hannover, die das Projekt fördert, sowie der Stadt Langenhagen und der Böhm Güterverkehrs GmbH als Vertreter der örtlichen Wirtschaft.

Shireen Haitham Hasan Mescho präsentiert ihre Idee für ein Kleidungscoaching für Hochzeitsfeiern.
Quelle: Stephan Hartung

Allen 18 Schülern in insgesamt acht Gruppen ist der Applaus von Jury und Mitschülern sicher. Das Spektrum reicht von einem Coaching für die richtige Kleidung für kurdische Hochzeiten bis hin zu einem Blumenservice. Ein Sieger wird nicht ermittelt. „Aber wir versuchen, dass wir Schüler im nächsten Jahr zum Niedersachsenentscheid von NFTE nach Osnabrück schicken können“, sagt die Schulsozialarbeiterin.

Infrage kommen dafür Projekte, die tatsächlich in der Praxis umgesetzt werden. Dazu zählt das Einkaufsmodell von Mert, Aykut und Khairi, „die ohnehin sozial sehr engagiert sind“, wie Fuchs-Hülster sagt. Aber auch das Unternehmen „ACE Messenger“ von Erind Goca und Felix Könnecke. „Wegen Corona konnten sich die Schüler kaum noch treffen. Über unseren Messengerdienst können sie sich verabreden, beispielsweise zum Fußballspielen“, sagt Felix, der mit Erind zunächst die Idee zu einem Spiel mit Karten hatte – daher das englische Wort für Ass im Firmennamen.

Der Messenger soll demnächst über den Schulserver allen Interessierten zur Verfügung stehen.

Von Stephan Hartung