Risiko durch Ferienrückkehrer – Verschärfte Einreise-Reglementieren: Dies sagt die Wissenschaft – News

Inhalt

Sollen die Einreise-Massnahmen verschärft werden? Die Situation sei unklar, sagt SRF-Wissenschaftsredaktor Thomas Häusler.

Aufgrund der Pandemie verschärfen derzeit mehrere Nachbarländer ihre Einreise-Massnahmen. In Deutschland gilt seit Sonntag eine Testpflicht für alle ungeimpften Einreisenden. In Österreich müssen Reiserückkehrer aus mehreren Ländern ab Dienstag am Flughafen einen negativen PCR-Test vorweisen, wenn sie weder geimpft noch genesen sind.

Die Schweiz verzichtet derzeit auf eine Verschärfung ihrer Einreisebestimmungen. Ist das die richtige Strategie? SRF-Wissenschaftsredaktor Thomas Häusler ordnet ein.

Thomas Häusler

Wissenschaftsredaktor


Personen-Box aufklappen
Personen-Box zuklappen

Thomas Häusler ist Wissenschaftsredaktor bei SRF. Er hat in Biochemie doktoriert und eine Weiterbildung in Wassermanagement an der Uni Genf absolviert. Seit 2013 ist er Leiter der Wissenschaftsredaktion.

SRF News: Warum verschärfen Deutschland und Österreich ihre Einreise-Bestimmungen?

Thomas Häusler: Vor allem wegen der Delta-Variante. Sie ist hoch ansteckend und sorgt leicht für hohe Fallzahlen, wenn man nicht aufpasst. Einige klassische Feriendestinationen haben gerade recht hohe Zahlen. Es wird befürchtet, dass Reisende sich dort anstecken und so Fälle einschleppen könnten. In Deutschland hat das Robert-Koch-Institut gemeldet, dass die Fälle zugenommen hätten, die vermutlich aus dem Ausland eingeschleppt wurden. Zudem ist unklar, in welchem Umfang Geimpfte von der Delta-Variante angesteckt werden und sie dann weitergeben können.

Eingeschleppte Fälle spielen vor allem in Ländern mit wenig Fällen eine Rolle.

Inwiefern kann die aktuelle Situation mit derjenigen vor einem Jahr verglichen werden?

Damals gab es weder Virus-Varianten noch eine Impfung. Gewisse Vergleiche kann man trotzdem ziehen. Vor einem Jahr waren die Fallzahlen tief und stiegen dann langsam an – auch aufgrund von Reiserückkehrern. Zu diesem Thema ist kürzlich eine interessante Studie erschienen. Sie hat das Geschehen im letzten Jahr untersucht und konnte zeigen: Vor allem wenn es in einem Land wenig Fälle gab, spielten eingeschleppte Fälle eine Rolle und trieben die Zahlen in die Höhe.

Woran liegt das?

Man kann das mit einem Teich vergleichen. Ist der Teich schon voll, hat ein Land also viele Fälle, ändert auch ein zusätzlicher Eimer Wasser nicht viel. Steht dagegen nur wenig Wasser im Teich, spielt jeder Tropfen eine Rolle, der neu dazu kommt.

In einer Situation mit wenig Fällen kann sich eine hochansteckende Variante besonders festsetzen.

Die Studie legt zudem nahe, dass sich in einer Situation mit wenigen Fällen eine neue, hochansteckende Variante besonders rasch festsetzen kann. Das ist eine Warnung.

 Anders als in den Nachbarländern verzichtet das BAG derzeit auf Einreiseverschärfungen. Wieso wartet der Bundesrat weiter ab?

Der Bundesrat bleibt sich ein Stück weit treu und wartet im Zweifelsfall eher ab, bevor er die Massnahmen verschärft. Ob er damit richtig liegt, wird man sehen. Dennoch traut er der Situation offensichtlich nicht ganz. Bundesrat Berset hat kürzlich in einem Tweet die Unsicherheit durch Ferienrückkehrer erwähnt.

Nach einem Anstieg stagnieren die Fallzahlen hierzulande. Ist die Schweizer Zurückhaltung aus wissenschaftlicher Sicht gerechtfertigt?           

Rein wissenschaftlich kann man dies unterschiedlich bewerten. Die Lage ist momentan unübersichtlich und instabil, fast wie die Wetterlage in diesem Sommer. Man hat Vermutungen, welche Faktoren eine Rolle spielen könnten, aber ob und wie stark, ist schwer zu sagen. Derzeit kann man sowohl für eine Verschärfung wie für Zurückhaltung Gründe finden.

Das Gespräch führte Lillybelle Eisele.