Reportage weiterführend fortschrittliche Landwirtschaft: Beim Sinnhubbauern in Altenmarkt sorgt modernste Technologie zu Gunsten von gesunde und glückliche Tiere

Im Rahmen unserer Reportage rund um fortschrittliche Landwirtschaftsbetriebe in der Region begleitet uns Tierarzt Andreas Danler diesmal zum Sinnhubbauern in Altenmarkt, wo ebenfalls modernste Technologie für Erleichterung und gesunde Tiere sorgt.

Im Zentrum des Sinnhubbauern in Altenmarkt steht das alte und wunderschöne
Bauernhaus, wo sich auch Touristen immer sehr wohl fühlen, denn in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Tourismusverband ermöglicht Familie Schneider, Gästen einen Blick hinter die Kulissen des Bauernhofes zu werfen. Bei einem fortschrittlichen Betrieb, wie dem Sinnhubbauern macht dies auch wirklich sehr viel Sinn. „Ich würde mich als Rind bei der Familie Schneider jedenfalls sehr wohl fühlen“, meint Tierarzt Andreas Danler aus Radstadt, der ganz genau weiß, was Kühe brauchen, um gesund zu bleiben und ergänzt: „Auf diesem Hof werden sehr viele wichtige Kriterien für eine gute Tierhaltung und eine nachhaltige Landwirtschaft erfüllt“. Seit 1864 ist der Hof in Familienbesitz, 1975 kam ein Stallneubau, 2004 Außenliegeboxen und im Jahr 2019 wurde ein weiteres Mal modernisiert. Noch bevor BIO zum Trend wurde, stellte die Familie Schneider auf biologische Wirtschaftsweise um, ist seit langem ein Urlaub-am-Bauernhof-Betrieb mit der
Spezialisierung auf Baby und Kinder. Außerdem erhält die Familie seit vielen Jahren Auszeichnungen für die gute und beständige Milchqualität. Seit dem letzten Umbau gibt es einen großzügigen Laufstall für die Rinder sowie einen hochmodernen Melkroboter. „Außerdem haben wir Ventilatoren und Wasserduschen für die Fleckvieh-Kühe, die mit einer Zeitschaltuhr an heißen Sommertagen im Viertelstundentakt ganz feinen Sprühnebel absondern, um den Kühen Abkühlung zu verschaffen. Zudem bindet der Sprühnebel Stickstoff, was zu weniger Geruch führt. Den ganzen Tag über benötigen wir dafür nur 50 Liter Wasser, was angesichts der großen Wohltat für die Rinder nicht der Rede wert ist“, erklärt Adam, der mit seinem Sohn Adam Josef aufgeschlossen für modernste Technologien ist und beide als Handwerker sehr viel selber am Hof machen können.

Melkroboter & Eutergesundheit

Bewirtschaftet werden 20 Hektar Grünland, wobei eine 20 Hektar große Alm zusätzlich für die Jungtiere in den Sommermonaten zur Verfügung steht. Die 35 Kühe befinden sich vormittags auf der Weide und nachmittags im Laufstall, wo sie freie Platzwahl haben. Besonders auffällig an Laufställen ist, dass die Kühe meistens sehr ruhig und sauber sind und ganz entspannt wirken. Unterstützt wird dieser Zustand durch eine vorhandene Putzbürste, welche die Tiere einerseits sauber macht und andererseits für eine genussvolle Massage sorgt. Durch den Melkroboter können die Tiere am Sinnhubbauernhof nicht nur frei wählen, wann sie fressen oder sich ausruhen, sie entscheiden auch selbst, wann sie gemolken werden wollen. Doch wenn die Kühe noch nicht genug Milch haben, werden sie automatisch vom Roboter weitergeschickt. Nur wenn
sie gemolken werden, zeigt der Roboter an, welches Futter die jeweilige Kuh bekommen soll. Dieses wird beim Melken zur Verfügung gestellt und sorgt für eine optimale Versorgung der Tiere. Adam ergänzt: „Je nach gegebener Milchmenge wird die Kraftfuttermenge berechnet. Sollte die Milchqualität nicht passen, so separiert der Roboter diese Milch sofort. Außerdem liefert er unzählige Daten und Statistiken zu jeder Kuh, welche als Gradmesser für deren Wohlbefinden herangezogen werden können. Und trotzdem beobachten mein Sohn und ich die Tiere täglich, um Auffälligkeiten früh genug zu erkennen“. Der Melkroboter reinigt als ersten Schritt die Zitzen der Kuh, danach werden die Melkbecher automatisch angesetzt. Ein einziger Roboter kann für bis zu 65 Kühe das Melken übernehmen, wobei jede Kuh bis zu vier Mal zum Melken kommen kann. Das regelmäßige Melken ist super für die Eutergesundheit und kurbelt zudem die Milchproduktion an.

Laufstall & Fruchtbarkeit

Seit es am Hof den Laufstall gibt, beobachtet Tierarzt Danler, dass die Fruchtbarkeit und Gesundheit der Tiere zugenommen hat. Grund dafür ist vermutlich die stressfreie und artgerechte Haltung sowie das optimale Futter am Hof. Ebenfalls interessant ist die Heuhalle, wo das Futter in Silagen und Heu gelagert wird und mit dem elektrischen Futtermischwagen „Kuratli“ eine perfekte Futtermischung zusammengestellt wird. Durch das gleichbleibende Futterangebot wird die Verdauung der Tiere optimal unterstützt. Und dieses Futter wird von einem sogenannten Futterschieber stündlich vom Futtertisch in den Fressbereich der Kühe automatisch zurückgeschoben. Zwei Mal täglich wird frisches Futter nachgelegt, damit die Tiere tatsächlich jederzeit Zugriff haben. Für weiteren Komfort sorgen die Gummimatten auf den Spaltenböden und viel Stroh im Liegebereich der Kühe, was deren Bewegungsapparat gut tut. Nicht zu vergessen ist eine gute Belüftung durch einen Ventilator, eine gute Wasserversorgung über die hofeigene Quelle und eine Abkalbebox, wo die Tiere ungestört ihre Kälber zur Welt bringen können. „Wir haben auch einige Kameras im Stall installiert, damit wir die Kühe beobachten können, ohne sie zu stören. Das schafft Erleichterung“, ergänzt Adam, der es auch für die Kälber möglich macht, aus den Einzelboxen später in Gruppenboxen zu wechseln um dann jederzeit Zugang zum Außenliegebereich zu haben. So können die Kälber immer Kontakt mit ihren Müttern aufnehmen.

Kreislaufwirtschaft & Nachhaltigkeit

Besonderes Detail im neuen Stall ist der Lichtfirst am Dach, der für einen lichtdurchfluteten Liegebereich sorgt. Und dann berichtet Adam noch über den Einsatz von effektiven Mikroorganismen, Pflanzenkohle und Urgesteinsmehl, um Stickstoff in der Gülle zu binden und dem Boden ausreichend Nährstoffe zurückzugeben. „Ein wunderbares Beispiel für funktionierende Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit, und einen gesunden Pflanzenbestand. Außerdem gibt es weniger Geruchsbeschwerden von den Anrainern“, ergänzt Danler. Wie man bei einem Rundgang am Hof erkennt, so gab es in den letzten 30 Jahren in der Tierhaltung sowie auch im Technikbereich viele neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Gleichzeitig aber auch viele behördliche Vorschriften. Zudem muss man bedenken, dass es eine enorme Investitionsbereitschaft erfordert, diese Neuheiten und die damit verbundenen Vorgaben umzusetzen. Meist sind diese Beträge in der Landwirtschaft schwer zu erwirtschaften und daher sind in vielen Betrieben weitere Einkommensstandbeine nötig. „Wir bleiben weiter offen für neue Ideen und machen den Spagat zwischen Tradition und Moderne. Ein durchdachter Betriebsablauf und bestes Tierwohl bringt auch für unsere Familie viele Vorteile“, fügt Adam Schneider abschließend hinzu. Wer also einen Betrieb sehen will, der seinen Rindern maximale Freiheit gibt und viele technologische Neuheiten installiert hat, um das Wohlbefinden der Tiere zu steigern, der sollte dem Sinnhubbauern in Altenmarkt einen Besuch abstatten. (Im Rahmen dieser Reportage stellen wir als nächsten Betrieb den Hundsalzhof in Flachau kommende Woche vor!)