Prozess: Vergiftete Zimtschnecke: Mehr denn sechs Jahre Haft – Unterhaltung

Er wollte seinen Sohn länger sehen

Die Ehepartner lebten zum Zeitpunkt der Tat getrennt voneinander, beim Ehemann gab es finanzielle Probleme, die Gesundheit spielte nicht mit, er litt darunter, den gemeinsamen Sohn (5) nicht oft genug zu sehen. Er habe seine Frau kurz außer Gefecht setzen wollen, um länger als eigentlich vorgesehen mit dem Söhnchen – einem “Papakind” – zusammensein zu können, gab er als Motiv für die Tat an. Niemals habe er jemanden töten wollen – weder die Frau, noch die Schwiegermutter.

Dem Argument des Angeklagten war schon die Staatsanwaltschaft nicht gefolgt. Sie hatte neun Jahre Haft gefordert. Auch das Gericht glaubte dem Mann nicht – er habe den Tod seiner Frau mit der Verwendung des SchlafmittelS Etizolam zumindest billigend in Kauf genommen. Das Mittel ist in Deutschland nicht erhältlich.

Dort wo es verwendet wird, erfolgt die Ersteinnahme vorsorglich unter ärztlicher Kontrolle. Der Mann hatte die Wirkung des Medikaments gekannt: Er hatte sich nicht nur im Internet informiert, sondern das Schlafmittel auch selbst – in geringerer Dosis – eingenommen.

Das Gericht verurteilte den Mann auch wegen der unerlaubten Einfuhr und des Besitzes von Betäubungsmitteln und wegen gefährlicher Körperverletzung. Wegen seines Drogenkonsums muss er in eine Entziehungsanstalt – das hatte neben der Staatsanwaltschaft auch die Verteidigung für ihren Mandanten vorgeschlagen.

© dpa-infocom, dpa:210708-99-308882/3