Propaganda in Russlands Sinn: Desinformationskampagne unter dem Deckmantel jener Wissenschaft

Als James Le Mesurier auf das Dach seines Hauses in Istanbul stieg, lastete vieles auf ihm. Unzählige Bilder und Videos von toten und verletzten Kindern aus Syrien fand die Polizei später auf seinem Mobiltelefon. Screenshots von Hassnachrichten gegen ihn und die von ihm mitgegründeten »Weißhelme« mischten sich mit den Unglücksaufnahmen, zuletzt speicherte er immer mehr von ihnen.

Die Weißhelme, eine Art Zivilschutz, waren im syrischen Bürgerkrieg bekannt geworden, weil sie in den Rebellengebieten verschüttetete Zivilisten bargen. Sie wurden später zum Ziel einer Desinformationskampagne. Und Le Mesurier mit ihnen.

Kurz vor seinem Ende hatte er noch 400 der Weißhelme in einer spektakulären Aktion aus Syrien über Israel gerettet – doch weitere 400 hatten es nicht geschafft. Nachdem die Aktion öffentlich geworden war, ratterte im Internet die Hassmaschine. Zu allem Überfluss fürchtete Le Mesurier einen Finanzskandal.



2019 verstorbener Weißhelme-Gründer James Le Mesurier: Hass, Hetze, Desinformationskampagnen





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2019 verstorbener Weißhelme-Gründer James Le Mesurier: Hass, Hetze, Desinformationskampagnen


Foto: Uncredited/ dpa

Er hätte, so weiß man heute, keinen Skandal fürchten müssen. Doch James Le Mesurier, da sind sich die Ermittler inzwischen ziemlich sicher, sprang in dieser Nacht im Sommer 2020 in Istanbul in den Tod. Es war zu viel gewesen.

Fehlinformationen unter dem Deckmantel der Wissenschaft

Le Mesuriers Gegner aber hatten auch nach seinem Tod noch nicht genug. Kaum schien der Verdacht eines Attentats auf den damals 48-jährigen Briten ausgeräumt, schlachteten sie genüsslich die vermeintlich skandalösen Umstände rund um den britischen Ex-Militär aus, der die Rettung ziviler Opfer im Syrienkrieg zu seiner Lebensaufgabe gemacht hatte.

Es war die Rede von Selbstbereicherung und immensen Fehlbeträgen. Selbst die Rechnung für das Brautkleid von Le Mesuriers Ehefrau sei aus den Mitteln internationaler Geldgeber bezahlt worden. Allein: Es stimmte nicht.

Einen knappen Monat nach Le Mesuriers Tod zog die »Working Group on Syria, Propaganda and Media« nach, mit einem Papier, das unter seriösem Anstrich einem posthumen Rufmord nahekommt.

Diese »Working Group« ist ein loser Zusammenschluss von Wissenschaftlern namhafter britischer Universitäten. Sie publizieren teilweise zu Themen, für die keiner der Beteiligten eine Expertise hat: Es geht dort um die angebliche Vortäuschung eines Chemiewaffenangriffs im syrischen Douma durch die Organisation zur Bekämpfung von Chemiewaffen (OPCW), um die Leugnung von Massenmord und Folter durch das Regime von Syriens Machthaber oder um Le Mesuriers Weißhelme und die Theorie, diese seien keine zivilen Helfer, sondern bezahlte Schauspieler.

Gemein haben diese Veröffentlichungen, dass sie sich unter dem Mantel der wissenschaftlichen Seriosität verstecken. Und sie haben gemein, dass ihre Ergebnisse stets das Narrativ russischer und syrischer Propaganda bestätigen und vorgeben, eine westliche Verschwörung aus Medien und Politik zu entlarven.

Exklusive Informationen aus dem Innenleben der »Working Group«

Dem SPIEGEL, der BBC und der »Times of London« liegt nun ein Hunderte Seiten langer E-Mail-Wechsel vor. Er dokumentiert einen mehrmonatigen Austausch von »Working Group«-Mitglied Paul McKeigue mit einer Person, die er für einen russischen Geheimagenten namens »Iwan« hält.

McKeigue bittet »Iwan« darin, Journalisten zu überwachen und andere Informationen zu beschaffen, er liefert Informationen aus dem Innenleben einer Organisation, die sich der Verfolgung syrischer Kriegsverbrecher verschrieben hat, man kann den ganzen Schriftverkehr als Bereiterklärung zur Arbeit für einen russischen Geheimdienst lesen.

Wenn all das ohne strafrechtliche Konsequenzen für McKeigue ausgehen sollte, dann dürfte das womöglich der Tatsache geschuldet sein, dass er in Wirklichkeit keinem russischen Geheimdienstmitarbeiter schrieb. Er fiel auf einen Trick genau jener Organisation herein, die er als Nächstes ins Visier nehmen wollte, der Commission for International Justice and Accountability (CIJA). Ein CIJA-Mitarbeiter kontaktierte ihn und lockte ihn nach und nach auf die falsche Fährte, er habe es mit einem russischen Geheimdienst zu tun.

Die CIJA ist so etwas wie ein natürlicher Gegner für McKeigue und seine »Working Group«. Gegründet von Bill Wiley, einem ehemaligen Strafverfolger des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag, hat die Organisation es sich zur Aufgabe gemacht, Beweise für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Syrienkonflikt zu sammeln und weltweit Strafverfolgungsbehörden zu unterstützen. Zahlreiche Informanten haben der Organisation inzwischen Material zur Verfügung gestellt. Das syrische Regime sucht nach Informationen des SPIEGEL aktiv nach ihnen und Vertretern der CIJA.

In Deutschland fußt der Haftbefehl gegen den Ex-Chef des syrischen Luftwaffengeheimdienstes, Jamil Hassan, den Generalbundesanwalt Peter Frank erwirkt hat, unter anderem auf Dokumenten, die die CIJA beschafft hat. Auch der weltweit erste Prozess gegen ehemalige Angehörige des syrischen Regimes vor dem Oberlandesgericht Koblenz stützt sich in Teilen auf Material der CIJA.

Wie die CIJA in den Fokus der »Working Group« rückte

Ähnlich wie Le Mesuriers Weißhelme hatte auch die CIJA zuletzt eine offene Flanke: vermeintliche Unregelmäßigkeiten im Umgang mit Geldern. Ein Bericht der EU-Korruptionsermittler (Office Européen de Lutte Anti-Fraud – kurz: Olaf) warf der Organisation unzureichende Dokumentation von Geldflüssen vor, es war sogar von der Fälschung von Dokumenten des britischen Außenministeriums die Rede.

Der Fälschungsvorwurf ist inzwischen offiziell entkräftet. Nach Angaben von CIJA-Chef Wiley sind auch die Vorwürfe finanzieller Unregelmäßigkeiten unzutreffend. Die CIJA arbeite daran, das der EU-Kommission verständlich zu machen.



CIJA-Chef Bill Wiley: »Wir haben das gemacht, um herauszufinden, ob eine Gefahr für Zeugen, unsere Quellen und unser Personal bestand«





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CIJA-Chef Bill Wiley: »Wir haben das gemacht, um herauszufinden, ob eine Gefahr für Zeugen, unsere Quellen und unser Personal bestand«


Foto: STRINGER / AFP

In dieser Situation, im November 2020, verstand Wiley, dass er im Fokus der »Working Group« stand. »Ich kam mit den Lügen und Halbwahrheiten, die mich betrafen, klar«, sagt Wiley. Allerdings hätten ihn Attacken auf seine Kollegen, von denen manche in Syrien getötet worden seien, entsetzt, ebenso wie die Angriffe auf Le Mesurier, die OPCW und Journalisten.

Wiley reagierte auf die Gefahr einer Schmierkampagne mit einer unkonventionellen Idee. Anonym meldete die CIJA sich bei McKeigue und bot klandestine Informationen über sich selbst an. »Wir haben das gemacht, um herauszufinden, ob eine Gefahr für Zeugen, unsere Quellen und unser Personal bestand«, sagt Wiley.

Es funktionierte. McKeigue biss an. Über Monate schrieb er sich mit seinem vermeintlichen Informanten. Dieser machte ihn alsbald glauben, McKeigue habe es mit einem russischen Geheimdienst zu tun. Es ist ein Mailwechsel, der tief blicken lässt.

Je länger er andauerte, desto vertraulicher wurde McKeigue in der Kommunikation. Er schickte Grüße zum orthodoxen Weihnachtsfest im Januar an die vermeintliche Dependance des russischen Geheimdienstes. Er erfreute sich am gemeinsamen Agentenspiel, fragte, wem er was erzählen solle, und wollte sichergehen, dass seine Spitzelberichte über Zielpersonen auch beachtet würden. »Bitte ans Hauptquartier weiterleiten«, schloss er sein Charakterprofil einer ehemaligen CIJA-Mitarbeiterin.

»Wenn man sich mit einem so gefährlichen Gegner einlässt, ist es hilfreich, dessen Schwächen zu kennen.«

Auszug aus dem Mailwechsel

Auf den Hunderten Seiten fehlt aber vor allem eines: In all dem besessenen Bemühen, die Täterschaft für Chlorgasangriffe, Massenmord und Luftbombardements in Syrien deren Opfern zuzuschreiben, geht es fast nie um die Ermittlung des Geschehens in Syrien. Alles Interesse des Wissenschaftlers gilt den ausländischen Journalisten, Hilfsorganisationen oder einer Ermittlergruppe wie der CIJA, deren Gründern, Führungspersonal und deren möglichen Schwachpunkten.

Seien es grollende Ex-Freundinnen, ein bemerkenswerter Alkoholkonsum, finanzielle Auffälligkeiten, biografische Lücken, alles, was sich irgendwie gegen die Personen und ihren Ruf verwenden ließe, ist willkommen.

Im Fall von CIJA-Gründer Bill Wiley gräbt McKeigue selbst in dessen Familiengeschichte, fahndet nach der Todesanzeige von Wileys Mutter, weil jede Auffälligkeit in dessen Biografie »den Boden bereitet, ihn als CIA-Agenten zu entlarven«. In Mails an den vermuteten Führungsoffizier »Ivan« listet er auf, wann Wiley eine Affäre mit welcher Frau hatte, mit welcher er Kinder habe und ob die Trennung wohl hässlich verlaufen sei.

»Ivans« Agententruppe halte derlei vielleicht für »frivol«, konzediert er selbst: »Aber wenn man sich mit einem so gefährlichen Gegner einlässt, ist es hilfreich, dessen Schwächen zu kennen. Vielleicht braucht er ja Geld angesichts seiner komplizierten Beziehungsgeschichten.«

Was treibt McKeigue an?

»Maßnahmen der Zersetzung« hieß so etwas früher bei der DDR-Staatssicherheit und ihren sozialistischen Partnerdiensten. Doch was bewegt McKeigue, den Professor für medizinische Statistik, und die anderen, gleichermaßen fachfremden britischen Universitätsgelehrten dazu, sich mit solcher Verve der Diffamierung Wildfremder zu widmen?

Geld ist es nicht, zumindest äußert Paul McKeigue kein Interesse daran. Was ihn im Innersten bewege, sei die Aufdeckung der allumfassenden Verschwörung britischer Geheimdienste. Er selbst schreibt wiederholt von der »Informations-Kriegsmaschinerie« gegen die eigene Bevölkerung, die mit »verdeckten Manipulationen« Parlament und Öffentlichkeit unterminiere.

Wer alles an dieser gigantischen Konspiration beteiligt sei und welches Ziel sie überhaupt verfolge, ist für ihn offensichtlich unerheblich. Recherchen, Ermittlungen zu den Angriffen in Syrien, zur chemischen Zusammensetzung der Kampfstoffe, zu Trägersystemen: alles irrelevant. Die Verschwörung ist immer da gewesen, und wer Assad oder Moskau kritisiert, muss aus McKeigues Logik folglich Teil von ihr sein.

Ein erwähnter Reporter sei »vermutlich« Agent des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6, ein ehemaliger Nahostredakteur des »Guardian« gar »dicht am britischen Kernteam, das die Chemieangriffe inszeniert und mit der Planung dafür 2012 begonnen hat«.

Um solche Inszenierungen glaubwürdig aussehen zu lassen, hätten die Syrer vor Ort Nebelwerfer aufgestellt sowie »improvisierte Gaskammern«, in denen sie dann möglichst viele Kinder aus der eigenen Nachbarschaft umbrachten. So hatte McKeigue es schon früher bei einem Vortrag ausgeführt.

Dass derlei ebenso erfundene wie widerlegte Versionen drastische Kritik von Journalisten nach sich zogen: für ihn nur ein weiterer Beleg der Verschwörung. Da stecke eine staatlich gelenkte Organisation dahinter, vermutet er im Schreiben an »Ivan« und bittet um Hilfe: Alle, die ihn und seine Freunde angriffen oder auch nur Zweifel an der Version aus Damaskus äußerten, würden vermutlich zentral via »team messaging app« koordiniert. Dieselbe »Informationsmaschinerie« werde nun auch auf jeden losgelassen, der Zweifel an den staatlichen Coronamaßnahmen äußere. Ob »Ivans« Dienststelle da mehr in Erfahrung bringen könne?

Selbst als einer der »guten« Journalisten, ein Dokumentar beim russischen Sender Ruptly, mitteilt, er sei bei seinen Recherchen im Dasmaszener Vorort Douma auf den Angehörigen einer im Haus gegenüber beim Chlorgasangriff Anfang 2018 umgekommenen Familie gestoßen, wittert McKeigue eine »Provokation«: »Falls das stimmt, würde es ja die ursprüngliche Version bestätigen, dass die Opfer Anwohner waren, die bei einem Chemieangriff getötet wurden.«

Damit aber würde die ganze Verschwörungskonstruktion von vorsorglich anderswo Ermordeten, die anschließend ins Haus geschleppt worden seien, erschüttert. Also sei der Ruptly-Journalist »entweder sehr naiv oder führe etwas im Schilde«. Der russische Geheimdienst solle den Journalisten im Auge behalten, schlägt McKeigue vor, natürlich »ohne ihn wissen zu lassen, dass jemand Bedenken geäußert hat«.

Kontakt zum russischen Geheimdienst? »Besorgt mich nicht.«

Es sind bestürzende Einblicke. Auf Anfrage des SPIEGEL und weiterer Medien verwies McKeigue auf eine Stellungnahme. Er räumt dort ein, sich auf den Mailwechsel eingelassen zu haben. Dass er seiner Meinung nach mit dem russischen Geheimdienst kommunizierte, »besorgte mich nicht«, teilt er mit, da er keinen Zugang zu »offiziellen Geheimnissen« habe. Er habe Kontakt zu allerlei Personen, die relevante Informationen hätten.

»Assads nützliche Idioten« betitelte schon 2018 die »Times of London« einen Kommentar darüber, wie die »Working Group«-Mitglieder mit ihren Verschwörungsmythen Syriens Diktator stützen würden. Doch was bei McKeigue und den anderen ein aufrichtiger Irrglaube an die britisch-amerikanische Weltverschwörung sein mag, wird von Moskau aus ganz nüchternem Kalkül betrieben. Die Weißhelme, die von Russland und der britischen Akademikerkombo so vehement verteufelt werden, tauchten auf Moskaus Radar erst auf, als sie im Westen bekannt geworden waren.



Rettungsaktion unter dem Einsatz ihres Lebens: Weißhelme in Syrien





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Rettungsaktion unter dem Einsatz ihres Lebens: Weißhelme in Syrien


Foto: Anas Alkharboutli / picture alliance/dpa

Als »Zivilschutz« hatten Freiwillige, oftmals Sanitäter und Feuerwehrleute, 2013 in den bombardierten Gebieten begonnen, die Rettung Verschütteter zu koordinieren. Noch im Herbst 2014, als ein SPIEGEL-Team in Ost-Aleppo sie über eine Woche begleitete, wie sie aus eingestürzten Häusern manchmal Überlebende, oft nur zerschmetterte Leichen bargen, wurde nicht viel über sie berichtet.

Aber dass da Hunderte, bald Tausende Männer (und einige wenige Frauen) unbewaffnet unter Einsatz ihres Lebens versuchten, die Opfer syrischer und, seit 2015, russischer Bombenangriffe zu retten, ließ sie bekannt werden unter dem Namen ihres Kopfschutzes: Die Weißhelme wurden von der EU, Deutschland, Großbritannien und den USA unterstützt, erhielten 2016 den Alternativen Nobelpreis; ein Dokumentarfilm über sie gewann 2017 einen Oscar.

Ihre Prominenz machte sie zum Ziel der Angriffe vor allem in russischen Medien: Die Weißhelme seien Dschihadisten. Und: Sie seien nur ein Instrument der CIA und des britischen Geheimdienstes, um einen Vorwand für eine Invasion zu liefern. Die Chemieangriffe seien bloß inszeniert zu diesem Zweck. Dann: Die Weißhelme würden die geborgenen Toten ausweiden, ohne Nieren, Leber und so weiter zurückgeben. Des Weiteren: James Le Mesurier, Gründer von Mayday Rescue, über das ein Großteil der westlichen Hilfe lief, sei ein Geheimdienstagent.

McKeigue und seine Kollegen wollen in Deutschland weitermachen

Al-Qaida-Organhändler, die von der CIA geführt werden, um fortwährend die eigenen Nachbarn zu massakrieren? Um den Vorwand für eine Invasion zu haben, die Washington doch partout vermeiden wollte? Es ging nicht um Logik. Sondern darum, die Deutungshoheit über diesen Krieg zu verteidigen, das Image der Weißhelme zu vernichten – und die Helfer selbst, die gezielt angegriffen wurden in »double tap«-Bombardements, wenn dasselbe Gebäude Minuten nach der ersten Attacke ein zweites Mal angegriffen wurde.

Wenn nur genügend hässliche Versionen über sie Umlauf seien in den internationalen Medien, würde schon irgendetwas hängen bleiben.

Man mag das für einen ärgerlichen, hässlichen Aspekt in der Propagandaschlacht um einen grauenhaften Krieg halten. Ausgefochten auf Twitter, von Akteuren, die fern der Bundesrepublik zu verorten sind.

Doch McKeigue und seine Kollegen wollen offenbar weiter gehen – in Deutschland. Per Mail teilte McKeigue »Ivan« mit, er habe Kontakt zu den Verteidigern im Koblenzer Prozess aufgenommen. Will sich da jemand von außen in ein deutsches Gerichtsverfahren einmischen oder nur den Prozess nutzen, um die CIJA zu diskreditieren?

Es geht womöglich noch weiter. Glaubt man McKeigue, so hat sich ein weiteres »Working Group«-Mitglied inzwischen in Richtung Berlin orientiert. Der Kollege Piers Robinson, so schreibt er, arbeite inzwischen als Rechercheur für zwei Bundestagsabgeordnete: Sevim Dağdelen und Heike Hänsel von den Linken.

»Die haben uns geholfen, indem sie Fragen zu den OPCW-Fälschungen an das deutsche Außenministerium gestellt haben«, prahlt McKeigue. Seines Wissens nach seien die beiden Abgeordneten nicht mit »Iwans« Seite in Kontakt. Doch wenn dieser »relevante Informationen« habe, könne McKeigue »sie über Piers weiterleiten (ohne natürlich die Quelle offenzulegen)«, schreibt er.

Dağdelen und Hänsel bestritten auf Anfrage, mit Robinson zusammenzuarbeiten. Robinson beantwortete eine Bitte um Stellungnahme nicht. McKeigue erklärte auf Nachfrage, er sei sich seiner Behauptung “überhaupt nicht sicher”. Es sei “wahrscheinlich viel Schönfärberei” in seinen E-Mails. Er habe dadurch die “Quelle” ermutigen wollen, mehr Informationen preiszugeben.


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