Politik und Wissenschaft beobachten Standpunkt an Schulen genau

Seit Montag gehen die Kinder und Jugendlichen in beiden Basel wieder zur Schule. Die Bilanz nach den Ferien ist ernüchternd: Bereits 34 Schulklassen (aus 842 Pools) weisen in Baselland positive Corona-Fälle auf. In Basel-Stadt sind es fünf Schulklassen an fünf verschiedenen Schulen, in denen positive Corona-Tests nachgewiesen wurden (insgesamt 179 getestete Pools). Dies teilten die beiden kantonalen Gesundheitsbehörden auf Anfrage mit.

Zwar sind es in Basel-Stadt weniger positive Pools, als das Gesundheitsdepartement im Vorfeld erwartet hatte. Dennoch werfen die insgesamt 39 positiv getesteten Schulklassen Fragen auf. Wurde der Entscheid, die Maskenpflicht an den Schulen aufzuheben, vorschnell gefällt?

Härtere Massnahmen nicht ausgeschlossen

Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger verneint. Serielle Massentests an Schulen seien ausreichend, aber wichtig. Eine sofortige Wiedereinführung der Maskenpflicht kommt für ihn nicht infrage.

Erstens hätten sämtliche Kantone entschieden, den Schulstart ohne Masken zu wagen. «Zweitens», betont Engelberger, dass «nur ganz wenige Kinder und Jugendliche schwer an Covid-19 erkranken». Und drittens werde das Virus unter uns bleiben und praktisch alle nicht geimpften Personen werden sich früher oder später damit anstecken. Dazu gehören Kinder und teils auch Jugendliche, da sie sich Stand jetzt nicht impfen lassen können. Diesen Fakt könne man durch eine Maskenpflicht an Schulen «nicht wegzaubern», so Lukas Engelberger.

Ausgeschlossen ist eine Wiedereinführung der Maskenpflicht an Schulen für den Mitte-Regierungsrat aber nicht. Sie könnte wieder zum Thema werden, wenn es darum gehe, Ansteckungsketten im Falle von noch höheren Infektionsraten zu unterbrechen und zu verhindern, dass unzählige SchülerInnen und Lehrpersonen in Quarantäne müssen. Vorerst behalte man die Lage an den Basler Schulen aber genaustens im Auge, so Engelberger.

Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger hält eine Maskenpflicht an Schulen nur teilweise für sinnvoll. (Bild: Keystone)

Auch die ETH-Professorin und neue Präsidentin der Swiss National Covid-19 Science Task Force, Tanja Stadler, sieht dieses Dilemma auf SchülerInnen und Eltern zukommen. Sie betont im Interview mit den Tamedia-Zeitungen, dass es auch bei Kindern zu schweren Krankheitsfällen kommen kann. Jedoch geht sie davon aus, dass in den allermeisten Fällen einer Infektion mit der Delta-Variante des Coronavirus der Verlauf bei Kindern nicht heftig verlaufen wird.


Epidemiologe: «Bildungssystem nicht blockieren»

Der Basler Epidemiologe Marcel Tanner pflichtet Tanja Stadler bei: «Zum allergrössten Teil ist der Verlauf bei Kindern harmlos», so Tanner. Und das sei entscheidend. Tanner warnt vielmehr vor den sozialen Folgen, die etwa Schulschliessungen mit sich bringen würden. Die Schweiz müsse es vermeiden, in einen Bildungsrückstand zu geraten.

Die aktuellen Schutzmassnahmen im Schulwesen findet der Epidemiologe angemessen: «Man muss die aktuellen Massnahmen beibehalten. Die Schulzimmer  lüften und auf engsten Körperkontakt verzichten». Der Umstand, dass sich Kinder nicht impfen lassen können, muss nach Meinung Tanners mit regelmässigen seriellen Tests aufgefangen werden. Maskenpflicht an den Schulen hält er in der aktuellen Situation ebenfalls nicht für notwendig. Marcel Tanner appelliert aber auch an die Politik: «Aufmerksam bleiben und überwachen, was passiert. Aber das Bildungssystem nicht blockieren».