Podcast “Oscars & Himbeeren”: Sex, Krawall und Remmidemmi

Das World wide web hat unsere Sehgewohnheiten verändert. Streamingdienste und Apps geben mit ihren Algorithmen den Rhythmus vor. Aber warum müssen Ruhe und Langsamkeit immer gleich als langweilig gelten?

Alles muss rotieren, blinken und in ständiger Bewegung sein. Der Mensch soll permanent erreichbar sein, Anwendungen und Applications sind pausenlos abrufbar. Unsere schöne neue Welt duldet keine Entspannung. Wenn Filme oder Serien keine optischen Dauer-Highlights versprühen, gelten sie schnell als langweilig. Langsamkeit und Ruhe sind der Tod des modernen Technologie-Zeitalters. Unsere besten Freunde sind internetfähige Endgeräte. TCP/IP-Netzwerke lassen uns electronic über den Erdball wandern.

“Oscars & Himbeeren”

Immer freitags präsentiert Ronny Rüsch “Oscars & Himbeeren”, den ntv-Podcast rund ums Streamen. Diesmal geht’s um die Serien “Haus des Geldes” und “Into the Evening”, den Film “Die Tanzenden” und die Netflix-Serie “Clickbait”.

“Oscars & Himbeeren” – Informativ. Unterhaltsam. Kompakt. In der ntv-Application, bei Audio Now, Spotify und Apple Podcasts.

Doch wo einst Ländergrenzen die Menschen trennten, gibt es heute – trotz aller Errungenschaften des Earth Vast World-wide-web – andere Barrieren. Wir klicken, scrollen und swipen uns fröhlich durch ein Technik-Universum, das nur die wenigsten in Gänze wirklich verstehen. Gesichter, Ideen und gute Geschichten werden weggewischt wie lästige Erinnerungen. Programme, Algorithmen und Applications definieren die Pfade, auf denen unsere Gedanken und Gefühle reisen. Sie legen die Geschwindigkeit unserer emotionalen Reaktionen fest. Sie sagen uns, wie schnell wir über etwas urteilen sollen, und geben uns ungefragt und ohne Unterlass Alternativen.

Wie mutig dürfen Filme und Serien noch sein?

Die Corona-Krise hat der ohnehin boomenden Streamingbranche einen zusätzlichen Hype verpasst. Doch wie mutig dürfen Filme und Serien in Anbetracht unserer neuen Sehgewohnheiten noch sein? Das Motto “Intercourse, Krawall und Remmidemmi” scheint immer mehr zur Maxime einiger Produzenten zu werden. Bloß nicht den Zuschauer langweilen! Er könnte ja jeden Minute von einem anderen Blinken abgelenkt werden. Knall, Schnitt, Bumm, Schnitt, Sex, Schnitt, Explosion, Cliffhanger. Gute Geschichten und Charaktere rücken immer mehr in den Hintergrund oder werden gleich ganz weggelassen. Nicht wenige der angebotenen Formate scheinen sich der Aufmerksamkeitsspanne eines durchschnittlichen Tiktok-Nutzers zu unterwerfen.

Letzten Endes bekommt die Gesellschaft dabei genau die Unterhaltung, die sie sich aussucht und teilweise auch verdient. Ob dabei Tiefgang, Raffinesse und Besonnenheit oder doch eindimensionale Konservenware die Oberhand behalten, bleibt abzuwarten. Die Weggabelung ist auf jeden Tumble in Sicht.

Über die Auswirkungen der neuen Sehgewohnheiten diskutieren Ronny Rüsch und Axel Max in der aktuellen Folge des ntv-Podcasts “Oscars & Himbeeren” auch anhand der Serien “Haus des Geldes” und “Into the Night time”. Ebenfalls im Gepäck: “Die Tanzenden” von und mit Mélanie Laurent sowie die Netflix-Serie “Clickbait”.

“Oscars & Himbeeren” – der ntv-Podcast, indem sich jeden Freitag alles um Streamingdienste wie Netflix, TVNOW, Amazon Primary & Co. dreht.

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