July 26, 2021

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„Pflanzenschutz ist zivilisationstragende Technologie“ – UnserTirol24

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Bis zu 40 Prozent des weltweiten Ernteertrags beruhen auf dem Pflanzenschutz – er hat somit ganz wesentlichen Anteil an der Ernährung der Weltbevölkerung und trägt zugleich zur Ökologisierung bei, teilt die Arbeitsgruppe Zukunft Landwirtschaft mit. Diese These vertrat unlängst Univ.-Prof. Andreas von Tiedemann von der Fakultät für Agrarwissenschaften an der Universität Göttingen bei einem Vortrag in Bozen (UT24 berichtete).

Bild von Franz W. auf Pixabay

Ein Blick auf die Bevölkerungsentwicklung der letzten Jahrzehnte genügt, um dies zu verstehen, heißt es in der Aussendung der Arbeitsgruppe: 1960 lebten rund 3 Milliarden Menschen auf der Erde; die durchschnittliche Lebenserwartung betrug 50 Jahre, gut ein Drittel der Menschheit litt Hunger. 2020 lebten 7,8 Milliarden Menschen auf der Erde mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von fast 73 Jahren. Die Hungerrate 2020 lag bei neun Prozent. „Dies ist eine Riesenleistung der Landwirtschaft: Innerhalb weniger Jahrzehnte ernähren die Landwirte mehr als doppelt so viele Menschen besser als zuvor“, meinte Tiedemann. Möglich wurde dies dank verbesserter Sorten, besserer Düngung, neuer Anbau- und Erntetechnik – und insbesondere dank chemischem Pflanzenschutz, erklärte der Professor.

„Ohne Pflanzenschutz ist mit Ertragsausfällen zu rechnen“

Der Pflanzenschutz von heute sei mit früheren Jahren nicht mehr zu vergleichen. Früher kamen Mittel zum Einsatz, die tatsächlich hochgiftig waren. Das sei längst Geschichte. Der Fortschritt sei enorm, so Tiedemann, und dennoch stehe der chemische Pflanzenschutz immer wieder in der öffentlichen Kritik. Aber die Welternährung heute und in Zukunft komme ohne den Pflanzenschutz nicht aus, ist Tiedemann überzeugt: „Denn ohne Pflanzenschutz ist mit Ertragsausfällen zu rechnen: Die Versorgung mit Obst und Gemüse wäre jährlich sehr schwankend, manche Produkte wie Bier, Wein und Kaffee wären kaum noch verfügbar; ebenso Zitrusfrüchte, Bananen und andere mehr.

Zudem: Die Erträge im Ökolandbau sind um 30 bis 40 Prozent geringer als im konventionellen Anbau. Das heißt: Mehr Ökolandbau bedeutet einen Mehrbedarf an landwirtschaftlichen Nutzflächen von 43 bis 67 Prozent – so viel Naturlandschaft müsste zugunsten von Kulturlandschaften umgewandelt werden, mit einem globalen Nettoverlust an Biodiversität als Folge“, so Tiedemann.

Bild: aus der Dokumentation des Vortrages

„Pflanzenschutz braucht Anerkennung und Weiterentwicklung“

„Der Pflanzenschutz ist heute eine der sichersten zivilisationstragenden Technologien – und er wird ständig weiterentwickelt. Dieser Fortschritt braucht Anerkennung und Weiterentwicklung – auch im Bereich der Biotechnologie und Cis-Gentechnik, sprich der Eigen-Gen-Übertragung zur Verbesserung von Schorfresistenzen,“ ist Tiedemann fest überzeugt. Die Politik sollte sich verstärkt an der Wissenschaft orientieren und weniger an den Kampagnen, deren Kampagnenziele den Zielen der Ökologisierung im Wege stünden.